Kunst und Museen in Berlin

250 Jahren Familie Mendelssohn

Der Toravorhang war ein Brautkleid: Liebes- und Trennungsgeschichten aus 250 Jahren Familie Mendelssohn.

Toravorhang_c_JensZiehe_JuedischesMuseumBerlinZwei drahtige Löwen halten eine juwelenbesetzte Krone, flankiert von gedrehten, blumenumrankten Säulen, die auf den Tempel in Jerusalem hinweisen. Moses Mendelssohn und seine Gemahlin Fromet Gugenheim stifteten 1774 diesen kostbaren Toravorhang einer Berliner Synagoge. Nach dem Novemberpogrom 1938 gelangte er mit Flüchtlingen nach Antwerpen. Im Wäschekorb eines katholischen Geschäftsmannes überstand er den Zweiten Weltkrieg und kam nach einer wahren Odyssee zurück an seinen Ursprungsort. Hergestellt wurde er aus dem seidenen Brautkleid der Frau Mendelssohn. Damit ist er ein imposantes und höchst selten gezeigtes Prunkstück der sehr liebevoll komponierten Ausstellung „Hochzeit! Liebes- und Trennungsgeschichten aus 250 Jahren Familie Mendelssohn“. Denn es war am 22. Juni 1762, als der Seidenfabrikant wie Philosoph Moses und die Hamburger Kaufmannstochter Fromet in Berlin unter den Traubaldachin traten.

Das Bestreben des Aufklärers, seine sechs Kinder zwar liberal, aber im jüdischen Geiste auf einen guten Weg zu bringen, glückte nicht in jedem Fall. So provozierte seine älteste Tochter Brendel alias Dorothea Schlegel einen Skandal, als sie aus der Ehe mit dem langweiligen Bankier Simon Veit ausbrach und eine neue begann mit dem espritvollen Romancier Friedrich Schlegel, zum Protestantismus konvertierte und am Ende sogar katholisch wurde. Wie der sehr muntere Clan über fünf Generationen hinweg die deutsche Kultur und Finanzwelt mitgeprägt hat, das macht diese Schau mit dem clever gewählten Fokus auf Hochzeitsrituale und ihr türenknallendes Gegenteil offenkundig.

Text: Martina Jammers

Foto: Jens Ziehe /Jüdisches Museum Berlin

tip-Bewertung: Sehenswert

Hochzeit! Liebes- & Trennungswege aus 250 Jahren Familie Mendelssohn Heilig-Geist-Kapelle, Spandauer Straße 1, Mitte, tgl. 12–18 Uhr, bis 23.8.

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