Adrian Nabi über das Backjumps Christmas Special

Adrian Nabi über das Backjumps Christmas Special  

adrian_nabi_dvbHerr Nabi, für Mitte Dezember planen Sie mit Ihrem Ausstellungsprojekt Backjumps erstmals eine „Christmas Edition“. Urbane Kunst und Weihnachten – wie passt das zusammen?
In Sachen Backjumps hatte ich dieses Jahr noch nichts gemacht, hatte aber Bock darauf und deshalb gedacht, dass ich mich zu Weihnachten doch einfach selber beschenken könnte: Mit einer Sache, die mir am meisten gefällt. Und das ist nun mal, mit Kunst und mit Künstlern zu arbeiten, auf die ich Bock habe.
 
Gibt es inhaltlich einen Bezug zu Weihnachten?

Die Arbeiten selber haben nichts mit Weihnachten zu tun. Wer aber Geschenkesucht: Wir werden einen Tisch haben, wo man Bücher, Drucke und Ähnliches kaufen kann. Außerdem zeigt sich das Thema Weihnachten über das Ausstellungs-Poster mit Motiven von Dave the Chimp, das gleichzeitig als Geschenkpapier funktioniert.

Welche Künstler werden teilnehmen?
Akay, Brad Downey, Amok und Kacao77, Arunski und Poet, Markus Butkereit, Dave the Chimp, Markus Mai, Mode2, Phos4, The Wa, Matthias Wermke und Mischa Leinkauf, außerdem Daniel Weißbach. In manchen Fällen kommen sie mit Gemeinschaftsarbeiten, auf jeden Fall handelt es sich um unterschiedliche Richtungen. Es wird Zeichnungen, Videoarbeiten, Skulpturen, Leinwandarbeiten geben.

Matthias-Wermke_Mischa-LeinkaufWarum gerade die genannten Künstler?
Das sind Leute, auf die ich Bock habe und die auch Sachen hatten, die mir gefallen haben. Normalerweise läuft das bei Backjumps so, dass die Künstler speziell etwas für die Ausstellung kreieren. Ein Teil meiner Philosophie war immer, Raum für Künstler zu schaffen, in dem sie sich frei ausdrücken können. Diesmal bin ich die Sache auf die traditionelle Art angegangen und zu den Künstlern in die Ateliers gegangen, um dort auszuwählen. Die Backjumps Christmas Edition wurde also aus dem zusammengestellt, was bereits da ist.  

Backjumps hat sich lange sehr stark mit Künstlern beschäftigt, die den öffentlichen Raum nutzen, manche sagen auch Streetart dazu. Geht es bei der Backjumps Christmas Edition noch um Urban Art?
Das ist doch egal. Die Sachen von Mischa Leinkauf und Mattthias Wermke oderauch Sachen von Daniel Weißbach haben nichts mit Streetart zu tun. Außer, dass die Leute ihren Ursprung in der Graffiti-Kultur haben. Aber die haben sich weiterentwickelt, sie haben ja auch ihre Graffiti-Namen fallen gelassen und arbeiten nun unter ihren bürgerlichen Namen. Das ist eine klare Ansage. Ich persönlich finde diese Begrifflichkeiten unwichtig. Es handelt sich bei den Arbeiten einfach um Kunst. Kunst, die mir gefällt.

Was verbindet die Künstler in der Backjumps Christmas Edition untereinander stilistisch oder inhaltlich?
Alle Künstler haben draußen gearbeitet, so habe ich die meisten kennengelernt. Und ich habe mir im Laufe der Jahre ihre Sachen einfach weiter angeguckt und beobachtet, wie die Künstler an einer Übersetzung nach „drinnen“ gearbeitet haben. Manche der Künstler haben aber auch komplett einen Cut gemacht, sind ins Atelier gegangen und stellen praktisch auch nur noch drinnen, im "white cube", in Ausstellungsräumen aus.

Backjumps war mal ein Print-Magazin, das sich mit urbaner Kunst und Ästhetik beschäftigte und ab 2003 zu einem Ausstellungsprojekt wurde.
Backjumps wurde 1994 als Magazin gegründet. Anfang 2000 hatte ich überlegt, den Content in die Realität zu transportieren und 2003 habe ich dann mit dem Kunstraum Kreuzberg/ Bethanien die erste Backjumps Live Issue gemacht, in deren Rahmen wir unter anderem Künstler wie Banksy, Shepard Fairey oder Brad Downey nach Berlin geholt haben.

KACAO77Was für einen Riesenauflauf gesorgt hatte.
Ja. Wir hatten in den sechs Wochen weit über 12.000 Besucher. Ich habe dann im Endeffekt drei Live Issues gemacht: 2003, 2005 und 2007. Es kamen insgesamt weit über 40.000 Leute. 2009 habe ich mich dann für ein anderes Backjumps-Format entschieden, habe zum ersten Mal eine reine Kunstausstellung gemacht. Ich wollte ein Format gestalten, wo ich Positionen zeige, die Teil des Kunstdiskurses sind, die Bestand haben können. Denn viele der Sachen, die von der Straße kommen, verkommen zur reinen Deko, wenn man sie 1:1 in den White Cube reinpackt. Das verkommt zum Design. Der größte Teil der Energie, der Spannung verpufft dann. Das wird zum dokumentarischen Artefakt. Und ist dann nicht mehr das, was es ist. 2009 hatte ich also in Berlin lebende Künstler, die draußen nichtautorisiert gearbeitet haben, eingeladen, weil ich ihre Arbeiten und die Resultate drinnen wie draußen und draußen wie drinnen genauso spannend fand.

Und das Publikum, hat es das verstanden?
Ja. Aber es gab auch Leute, die eine Backjumps Live Issue erwartet haben und die waren bei manchen Positionen enttäuscht. Mir aber egal. Weil es ging nicht darum, die Leute zu befriedigen, sondern darum, weiterzugehen und eine neue Position zu beziehen. Es gab aber auch Leute, die gesagt haben: ´Das hätte ich jetzt nicht gedacht, dass Du die Ausstellung kuratiert hast. Ich hätte gedacht, das hätte ein ganz anderer Mensch gemacht. Es ist so, als wäre jemand erwachsen geworden.´ Für mich waren das die besten Komplimente, die ich kriegen konnte.

Wie wird es mit Backjumps weitergehen?
Zur Zeit bin ich dabei, für kommendes Jahr die Ausstellung "20 Jahre Backjumps" vorzubereiten.

Stelle_05(2010)_Daniel-_WeissbachWird das Jubiläums-Event, Backjumps 2014, eine Live Issue, wo vor Ort Kunst geschaffen wird?
Es wird ein Drinnen- und Draußen-Event sein. MeinMotto ist ja: Ich möchte, dass die Leute reingehen, um raus zu gehen. Die Realität ist draußen, die ist nicht in den Räumen, die ist nicht in den Institutionen. Das heißt, natürlich wird hier im Bethanien im Kunstraum etwas passieren. Aber wir werden auch draußen Brandfassaden gestalten, wir werden Workshops machen, es wird Performances und Spaziergänge geben. Ein dickes,dickes Programm. Außerdem plane ich, auf dem Teufelsberg, auf dieser ehemaligen Abhöranlage, ein riesengroßes Event, wo ich erstmals unterschiedliche Generationen aus der Berliner Graffitigeschichte zusammenführen will. Die werden dann auch mal zusammen malen: Mauermaler Ost und West aus den 1980er und 1990er Jahren. Da werden vielleicht 60, 80 oder 100 Leute zusammen kommen. Das ist ein Ding, da habe ich voll Bock drauf. So etwas gab es vorher noch nicht, dieses kollektive Zelebrieren der gemeinsamen Kultur.

Interview: Eva Apraku

Foto: David von Becker (oben), Matthias Wermke, Mischa-Leinkauf (2); Kacao77 (3), Daniel Weißbach (4)

Backjumps Christmas Special Projektraum 1, Kunstquartier Bethanien, Mariannenplatz 2, Kreuzberg, Eröffnung: 13.12., 19 Uhr (bis 15.12., je 12-19 Uhr), www.backjumps.info

 
von  tip-Redaktion
Zuletzt aktualisiert: 05.12.2013

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