Filme aus Osteuropa im Forum der Berlinale 2011

Filme aus Osteuropa im Forum der Berlinale 2011  

Made in Poland

"Fuck Off". Die Worte, die sich der junge Mann ungelenk auf die Stirn tätowiert hat, sind unmissverständlich. Irgendwann hat Bogus einfach die Schnauze voll von allem und zertrümmert mit der Eisenstange ein paar Autos. Doch schon bald bleibt seine Rebellion gegen Bürgerlichkeit und Bequemlichkeit in den Anfängen stecken: Mitstreiter findet Bogus keine, dafür hat er nun ein paar lokale Gangster am Hals. Regisseur Przemysław Wojcieszek hat mit "Made in Poland" sein eigenes hochgelobtes Theaterstück für das Kino adaptiert und in wilden schwarz-weißen Bildern eine groteske Punk-Parabel auf die Orientierungssuche junger Polen geschaffen.
Die Frage, was die Menschen in den postkommunis­tischen Ländern Osteuropas rund zwanzig Jahre nach dem Ende der Diktaturen umtreibt, wird in diesem Jahr in verschiedenen Filmen des Forums gestellt. Wie etwa in "Dom" (The House) von der slowakischen Regisseurin Zuzana Liová, die in gänzlich undramatischer Weise von den verschiedenen Erwartungen und Hoffnungen innerhalb einer Familie erzählt: Während der Vater ein Haus für die jüngste Tochter baut und hofft, sie damit an die Familie zu binden, träumt die junge Frau lieber von einem Aufenthalt in England.  
NesvatbovDie ostslowakische Provinz porträtiert schließlich Erika Hniková in ihrer Dokumentation "Nestbabov" ("Matchmaking Mayor"): Dort hat der Bürgermeister von Zemplinska Hámre, ein schneidiger Ex-General, das Örtchen zwar in relativ kurzer Zeit in eine Mustersiedlung mit properen Häusern verwandelt, doch er regiert eben auch gern in das Privatleben seiner Bürger hinein. Zeugungsfähige Singles der Region miteinander zu verkuppeln ist sein Ziel. In der Disco knallt "Sex on the Beach" aus den Boxen, doch danach ist hier offenbar niemandem. Hnikovás Film besitzt einen unterschwelligen trockenen Humor, einen feinen Sinn für Ironie, doch das Lachen bleibt einem immer wieder im Hals stecken angesichts der chauvinistischen Ideen, die hier über Frauen und Familie geäußert werden. Glücklicherweise sind die Betroffenen von Natur aus störrisch: Weder der Anreiz finanzieller Belohnungen noch die Single-Börse  mit Musik und Tombola führen zum Erfolg.

Text: Lars Penning

Made in Poland (Forum)
16.2., 20.00, Arsenal 1
17.2., 11.00, CineStar 8
18.2., 16.30, Delphi
20.2., 19.15, CineStar 8

Dom (The House) (Forum)
11.2., 16.45, CineStar 8
12.2., 20.00, Colosseum 1
13.2., 12.30, Arsenal 1
20.2., 21.30, Delphi

Nesvatbov (Matchmaking Mayor) (Forum)
12.2., 16.30, Delphi
13.2., 20.00, Colosseum 1
15.2., 15.00, Arsenal 1
20.2., 22.00, CineStar 8

 
von  tip-Redaktion
Zuletzt aktualisiert: 12.02.2011

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