Mit Kind

Lasst die Schüler bloggen!

Schon Zweitklässler sind laut Blogger Martin Riemer in der Lage, mit dem Web-Tagebuch Blog umzugehen. Sein 2006 gestartetes Pilotprojekt an der Berliner Hausburgschule beweist das eindrücklich.

Lernmodelle_an_SchulenE-Learning 2.0 in der Grundschule? Das ist durchaus kein Widerspruch, denn der Nachwuchs ist in die sogenannte Generation Netz hineingeboren, die von klein auf mit der Nutzung digitaler Medien vom Fotoapparat bis zum Internet vertraut ist und diese Techniken intuitiv bedient. Nur Texte am Computer zu tippen oder Lernspiele zu spielen schöpft aber bei weitem nicht die Möglichkeiten des Mediums aus. Ende 2006 kam der Berliner Martin Riemer auf die Idee, Grundschüler für sein Steckenpferd Blogging zu interessieren. An der Friedrichshainer Grundschule im Hausburgviertel fand sein Vorschlag offene Ohren und engagierte Erzieherinnen, die das Projekt Schulblog im Freizeitbereich integrierten.

Ein Blog oder Weblog ist nichts anderes als ein Tagebuch im Internet – und das Thema Tagebuch steht sogar im Lehrplan für den Deutschunterricht. Im Gegensatz zum gebundenen persönlichen Dokument, das vor fremden Augen streng gehütet wird, kann jedoch die ganze Welt an den Gedankenspielen des Bloggers teilnehmen. Fotos, Animationen oder Videos lockern das Web-Tagebuch auf und die Einträge können und sollen kommentiert werden, denn ein Blog lebt durch den Austausch.

Unter dem Namen „Hausburg-Flitzpiepen“ ging das Blog schulintern online und wurde zur Schnittstelle für Schüler, Eltern und Lehrer. Die teilnehmenden Kinder erlernten nicht nur wie man zum Beispiel Bilder bearbeitet oder hochlädt, sie übten sich vor allem im Verfassen von Inhalten und trainierten so ganz nebenbei das Schreiben und Formulieren, denn ihre Einträge sind schulöffentlich und werden deswegen besonders gut vorbereitet. Ereignisse wie gemeinsame Theaterbesuche wurden im Blog ausgiebig diskutiert. Nebenbei stärkt die Mitarbeit das Selbstbewusstsein der Kinder, ermutigt sie zu größerem Engagement und führt selbst bei verschlosseneren Kindern zu mehr Selbstvertrauen.

SchultafelDas Blog ist also ein ideales Instrument, um verantwortungsvoll Medienkompetenz zu erlernen und dabei die Risiken des Internets (Datenschutz) im Blick zu behalten. Das Beispiel Hausburgschule demonstriert nicht nur, wie neue Medien in der Schule angewendet werden können, sondern zeigt auch, dass dieses Modell die Freude am Lernen erhöht. Deshalb ist es schade, dass diese Lernform zumindest an Grundschulen bisher wenig Nachahmer gefunden hat.

Vielleicht spielen Berührungsängste der Pädagogen eine Rolle. Wer zur öffentlichen Zielscheibe z.B. bei spickmich.de oder youtube wird, dem fällt es womöglich schwerer, die Chancen des Mediums zu erkennen. Auch Klassenstärken von 30 und mehr Kindern scheinen innovative Unterrichtsformen nicht zu begünstigen. Technische Bedenken sind dagegen unnötig, denn es ist keine spezielle Software auf dem Schulserver notwendig. Über kostenlose Bloggersoftware wie z.B. bei wordpress.de kann man sich umstandslos anmelden und sekundenschnell losbloggen.

Ebenfalls simple zu integrieren sind sogenannte Wikis, eine Art elektronische Tafeln im Internet (www.wikispaces.com). Ähnlich wie bei Wikipedia können mehrere Benutzer zusammen ein Wiki zu einem ausgewählten Thema erstellen und bearbeiten, Daten oder Protokolle einfügen, im Gegensatz zur dreidimensionalen Wandtafel lassen sich die Texte aber unbegrenzt erweitern und verändern. Gerade für Projektarbeiten ist das ein geeignetes Instrument, um sich in Gruppen einem Thema Schritt für Schritt zu nähern, Lernfortschritte festzuhalten und zu ergänzen.

Es gibt sogar ein Benutzerhandbach von Werner Prüher, das detailliert beschreibt, wie Wikis und Weblogs im Unterricht eingesetzt werden können. Noch niedriger kann man die Hürden kaum halten. Also bitte kein Aber mehr.

Fotos: Dieter Schütz bzw. Gerd Altmann/Pixelio

Links:

VIDEO-DOKUMENTATION ZUM SCHULBLOG AN DER HAUSBURGSCHULE

SMART BOARD STATT WANDTAFEL

 

 

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