Kellner, die Gäste anfassen

WinterfeldtTouchy Kellner sind Hassobjekte. Geradezu Gänsehaut verursachen diejenigen, die ihre Fehler mit einem hingehauchten "Mia Scusa" samt Handauflegen begleiten. Jüngst ist so eine legere Riege im Winterfeld eingezogen. Die Getränke kommen spät. Der Barkeeper, den Göttern sei Dank, nicht touchy, serviert diese nach gefühlten anderthalb Stunden. Die Pizza kommt noch später. Man fragt höflich nach, der Kellner schwindelt: Die Pizzen seien in der Mache. Es ist offensichtlich, dass nichts im Ofen ist. Der Kellner flitzt zum Pizzabäcker, die Pizza kommt in rasantem Tempo auf den Tisch, doch der Boden ist labbrig, teigig. Und das ist noch nicht alles. Denn: Bah, da kommt wieder das Handauflegen, diesmal am Rücken! Das demütig gehauchte "Scusi" auch noch. Diese Selbstherrlichkeit, dass man einem Kellner alles verzeiht, wenn er nur ein wenig Charme walten lässt, macht ganz schlechte Laune. Da waren die skurrilen Kellner, die mit in Stein gemeißelten Gesichtszügen einfach nur servierten und manchmal einen wirklich merkwürdigen Humor bewiesen, einfach großartig. Müssen wir Mädels uns als Begleiterscheinung der zahlreichen Eröffnungen von italienischen Restaurants mit der Renaissance des Gigolos abfinden?

Anregungen, Kritik - etwas zu sagen? Einfach Mail an: tafelspitzen@tip-berlin.de

von  Eva-Maria Hilker
Veröffentlicht: 31.08.2010 , Zuletzt aktualisiert: 31.08.2010

Schlechter Geist im Desbrosses

Sauce_B__arnaiseWer den Schaden hat – das Ritz Carlton sorgte in jüngster Vergangenheit für Negativ-Schlagzeilen. Auch im Restaurant Desbrosses scheint irgendwie der Wurm drin zu sein. Bei einem wohlwollenden Besuch ein paar Tage nach dem Medienspektakel macht das Küchenteam einen demotivierten Eindruck. Jedenfalls ist das ruppige Benehmen der Küchenbrigade nicht zu übersehen, denn sie agiert in einer offenen Show-Küche. Der Gast sieht fast jede Bewegung und jeden Arbeitsschritt. So nimmt eine Kellnerin den von der Küche bereitgestellten Burger nicht an, da er nicht das ist, was gewünscht wird. Der Küchenchef nimmt lieblos eine Brothälfte ab, fegt die nicht passende Zutat mit der Hand vom Teller, Deckel wieder drauf – und die Kellnerin geht mit einem Achselzucken und serviert. Die Sauce Béarnaise zum Steak wurde vergessen, der Kellner orderte nach – und einer der Köche kommt mit einem Topf aus der hintersten Ecke und lässt einen bräunlich fettigen Rest in die Sauciere tropfen. Auf die Feststellung, dass es wohl gravierende Unterschiede gibt, was die Vorstellung von einer Sauce Béarnaise betrifft, entschuldigt sich der Kellner mit einem Glas Cremant – und gibt schüchtern dem Gast recht: Auch er würde Sauce Béarnaise anders kennen. Auf die Frage, warum er der Küche denn nicht Bescheid sagt, haucht er in noch schüchternerer Manier: Er sei in der Minderheit. Also scheint auch noch schlechter Teamgeist zu herrschen. Als ob mittelmäßige Küche an diesem Abend nicht schon genug wäre.

von  Eva-Maria Hilker
Veröffentlicht: 17.08.2010 , Zuletzt aktualisiert: 17.08.2010

Der Food-Journalist

Facil_SchnitgerVor ein paar Tagen rief ein junger Mann im Büro an und wollte mal etwas grundsätzlich erklärt bekommen. "Ich habe da eine Idee." Er will über die Gastronomie schreiben, ob er das denn ohne deren Erlaubnis dürfe? Darf er nach den journalistischen Regeln, eine Tatsachenbehauptung wie "Der Fisch war schlecht, und ich habe darunter körperlich gelitten" muss belegt werden. Also der Fisch muss wissenschaftlich analysiert, das Leiden als Folge des schlechten Essens ärztlich bewiesen sein. Und schon die nächste Frage: Ob denn die Gastronomie das Essen für den Schreiber zahlen würde? Das tut die Gastronomie schon mal, und für manche Food-Journalisten ist das auch ganz selbstverständlich. Korrekt ist das nicht, und deren veröffentlichte Kritik wird sowohl von Kollegen wie auch Restaurantbetreiber nicht mehr richtig ernst genommen. Es gilt das Motto "Wes Brot ich ess, des Lied ich sing." Aber wer übernimmt denn dann die Kosten, wieder die Frage. Tja, das ist auch wieder so ein Ding. Meistens der Journalist selbst, manchmal noch der Verlag. Die Idee des jungen Anrufers hatten schon mehrere, z.B. der legendäre Manuel Werner. Er lässt sich seine TV-Beiträge bezahlen. Die Frage ist nur, lässt sich so noch seriöser Food-Journalismus machen? Kann sich der Leser auf die Meinung des Kritikers dann noch verlassen und gutes Geld ausgeben für ein empfohlenes Restaurant? Wir journalistischen Gutmenschen glauben ja, dass sich Qualität und Seriosität durchsetzt, und zahlen tapfer, werden aber auch mal bei der Rechnung zum Wein eingeladen, das ist doch noch o.k., oder?

Foto: Harry Schnittger

von  Eva-Maria Hilker
Veröffentlicht: 03.08.2010 , Zuletzt aktualisiert: 03.08.2010

Spielplatz

spielenDie Hitze macht alle ein wenig dünnhäutig, das vorab als versöhnliche Geste. Zurzeit sind Familien einfach anstrengend, wenn der arbeitende Mensch mal einen Espresso oder einen Eiskaffee zu sich nimmt, um danach wieder in das tropische Klima des Büros zu verschwinden. Das geht nur mit Nerven aus Stahl. So haben dann aufgedrehte Kinder im Alter von drei Jahren eine unbändige Freude, bei Albrecht’s am Winterfeldtplatz die paar wenigen Stufen hinauf und hinunter zu hüpfen. Obwohl es mit der Koordination der Beine noch nicht ganz klappt. Was der sorgenvolle Gast schon die ganze Zeit über erwartet hat: Einer fällt prompt auf die Nase. Diese Hüpfaktionen finden mit Getöse statt. Denn die oberste Stufe hat eine locker sitzende Abdeckung, die ein Aufstampfen zum lauten Knall führt. Für zwei der älteren Jungs sind irgendwann das Eis oder die Cola attraktiver als die Treppenstufen. Frisch gestärkt geht es danach weiter. Die Eltern – resigniert, aber gleichzeitig kampfbereit – blicken nur scharf in die Ecke der Kinderlosen. Es ist verboten, den Kindern das Spielen zu verderben – so das Signal. Warum Erziehungsberechtigte ein schreiendes Kind einfach ins Auto verbannen und in den Kindersitz schnallen dürfen? Eltern neigen zu absurdem Verhalten, das wissen wir aus unserer Kindheit. Aber muss man in familienfreundlichen Bezirken den Spielplatz ins Café verlegen? Dann lieber zum Kaffeetrinken ins Berio oder Impala. Da trinken vorwiegend Schwule, und die haben noch nicht so viele Kinder.

Foto: Rolf van Melis (www.pixelio.de)

von  Eva-Maria Hilker
Veröffentlicht: 21.07.2010 , Zuletzt aktualisiert: 21.07.2010

Konditionelles Tief

Renate-FrankeManchmal machen einem die Kollegen Gastro-Kritiker das Leben nicht gerade einfach. Da schreibt einer der zuverlässigsten unter ihnen eine Hymne auf den neuen Küchenchef vom Horvath. Man empfiehlt dieses Restaurant dann auch noch unbesehen guten Freunden weiter. Und was passiert? Der Abend muss wohlwollend formuliert als konditionelles Tief vermerkt werden. 45 Minuten Wartezeit für jeden Gang. "Hätten wir nicht ständig Brot nachgeliefert bekommen, wir wären verhungert." Die Portionen gerade mal gabelbissengroß, im kleinen Käsefondue als Dessert schwammen Fettaugen. Genug davon. Die eigene Erfahrung muss gemacht werden. Kann ja nur besser werden!? Dann aber auch noch der nächste gescheiterte Eigenversuch: ein Restaurant in Moabit. Kam beim Kollegen auch ganz gut weg. Die WM jedoch scheint dort im kulinarisch schwierigen Industriegelände sämtliche Zurückhaltung in Sachen Deko ausgeräumt zu haben. Die ganze Häuserfront mit Fahne bestückt, Papiertischdecken in Deutschlandfarben – wir haben den Besuch auf nach der WM verschoben. Man fragt sich dann, war der Kollege ganz woanders essen?

Foto: Renate Franke (www.pixelio.de)

von  Eva-Maria Hilker
Veröffentlicht: 06.07.2010 , Zuletzt aktualisiert: 06.07.2010

Parkplatz gesucht

kinderwagenGerade jetzt im Sommer, wo jeder Gastronom und jedes Elternpaar auf Entspannung hoffen, spitzt sich wieder ein unlösbarer Konflikt zu. Es dreht sich um das obligatorische Utensil von jungen Eltern, um den Kinderwagen. Der braucht Platz. Bei sommerlichen Temperaturen findet sich für dieses Gefährt im gastronomischen Outdoor-Bereich auch immer eine Lösung. Bedauerlicherweise ist dieses Jahr das Wetter unberechenbar, und so müssen die Wagen immer häufiger mit in den Gastraum. Das nicht nur, weil der Wagenklau umgeht. Für diesen Fall haben weise Erziehungsberechtigte immer ein Fahrradschloss dabei. Eltern wollen und sollen auch ihr Kind nicht aus den Augen lassen. Doch nun ist auch im neuen Toca Rouge in Mitte – nur ein einziges Beispiel von vielen – Schluss mit dem Fuhrpark. In dem neuen Raum einen Kinderwagen irgendwo unterzustellen würde die größtmögliche Herausforderung an das des Service-Personals stellen. Im Schöneberger Sissi käme das Wiener Schnitzel überhaupt nicht mehr aus der Küche. Im Prenzlauer Berg hatten ja schon mal zwei waghalsige Gastronomen die Idee, für Kinderwagen samt Eltern einen Extra-Raum zu installieren. Diese Idee wurde sehr böse und lange als intoleranter Ausschluss interpretiert. Was also bleibt allen Beteiligten übrig? Eine kluge Mutter und Kollegin weiß Rat: nur da essen gehen, wo sie weiß, dass da genug Platz ist. Wie zum Beispiel in der Peking Ente oder im Winterfeld. Oder eine Rückwand suchen und sich mit Wagen dorthin zurückzuziehen.

Foto: Dieter Schütz (www.pixelio.de)

von  Eva-Maria Hilker
Veröffentlicht: 24.06.2010 , Zuletzt aktualisiert: 24.06.2010

Fehltritte am Nachbartisch

SpaghettiJedem seine Droge – so ein Grundsatz unter Erwachsenen. Aber manche Koksnase kann einem das beste Essen verleiden, den charmantesten Service verprellen und ein angenehmes Gespräch am Nachbartisch im Keim ersticken. Letztens hatte mal wieder mal so ein blondes Riesenbaby seine Selbstwahrnehmung verschnupft. Lautes Auftreten, das ein lästiges, aber normales Symptom. Aber dann unangekündigt völlig neue Gerichte kreieren, die dann die Küche gefälligst mal so schnell kochen soll? Hm! Den zarten Hinweis des Kellners, dass die Speisekarte ja direkt vor ihm auf dem Tisch liegt, verpeilen und mit glasigem Blick in eine unendliche Dimension zoomen? Man hofft nur, der Mann findet zurück in das profane Restaurant und zu den recht einfachen Umgangsformen. Ersteres tut er. Denn als die Begleitung etwas aus der Karte bestellt, ordert die Weißnase sofort wie bei einer Auktion gleich die dreifache Menge und noch eins drauf und dann noch das … Es ist schlimm, sehr schlimm, nicht nur für die Begleitung. Höhepunkt ist jedoch – für alle Gäste hörbar – die Beichte der Fehltritte: mit wem und mit wie vielen er seine große Liebe ständig betrügt. Nebenbei intoniert er ständig "bitte noch mehr Chilis" in Babysprache. Doch keine Sorge: Sollte Ihnen das mal passieren, einfach abwarten. Lautstarke Riesenbabys können nämlich nicht relaxen und sind schnell wieder weg.

von  Eva-Maria Hilker
Veröffentlicht: 08.06.2010 , Zuletzt aktualisiert: 08.06.2010

Die Wurst bleibt

CurrywurstWas für ein Wirbel um Konnopkes Currywurst! Huch halt, da herrscht ja trotz jahrelanger Berliner Tradition grammatikalisch die englische Regelung des Genitivs, es heißt ja "Konnopke’s Imbiß". Jedenfalls zeigt sich hier mal wieder, was Berliner Eigensinn alles bewegen, sorry, bewahren kann. Denn Konnopke soll da bleiben, wo er schon immer war: auf dem Mittelstreifen in der Schönhauser Allee. Da sei Inhaberin Waltraud Ziervogel vor.Das Bezirksamt hat da nichts zu melden und der zuständige Stadtrat auch schon lange nichts mehr zu lachen. Auch im Urlaub nicht, denn bis dorthin reicht der kämpferische Geist der honorigen Dame Ziervogel. Und es wird wahrscheinlich eine ewige Legende bleiben, der unerschütterliche Widerstand der Waltraud Ziervogel, mal schnell ein Gedenk-Graffiti an die Wand, denn für diese Kämpferin in Sachen Wurst gilt auch bei Graffitis nicht die normale Strafgesetzmäßigkeit. Bei dieser Currywurst ist sowieso nichts mehr normal. Es muss beim Verzehr dieser doch etwas labbrigen Angelegenheit mit einer unspektakulären Currysauce einem Kreis von Insidern ein Licht aufgehen oder es muss einfach etwas ganz Besonderes in ihnen vorgehen. Eigentlich gilt es schon als Verbrechen zu erklären, dass diese Variante der Berliner Spezialität nicht allen schmeckt. Objektiv betrachtet gibt es in Berlin sehr viel raffiniertere und zeitgemäße Varianten. Aber wahrscheinlich ist es der ungebrochene Kampfeswille Berlins, der hier stückchenweise goutiert wird.

Foto: Harald Wanetschka (Pixelio.de)

von  Eva-Maria Hilker
Veröffentlicht: 25.05.2010 , Zuletzt aktualisiert: 25.05.2010

Tafelwein

weinEs kommt vielleicht nicht so häufig vor. Doch manchmal fragt ein Gast eben, ob es neben der Karte noch ein anderes Angebot an Speisen oder Getränken gibt. Vielleicht ist es Unentschlossenheit, vielleicht, weil ihm der Wein an diesem einen Abend, in diesem einen Restaurant zu teuer erscheint. So geschehen im Maison Blanche in der Körtestraße. Auf der Homepage steht allerdings: "Für jedes Portemonnaie sollte etwas dabei sein." Deshalb eben die höfliche Frage nach einem günstigen Rotwein, der nicht auf der Karte zu finden ist. Die mimische Reaktion der Kellnerinnen erklärt deutlich, dass man auf solche Gäste gerne verzichten würde, trotzdem bekommen wir einen Wein serviert. Es herrscht eine eiskalte Stimmung zwischen Gast und Service. Eine weitere, nett gemeinte Frage des Gastes, was das denn nun für ein Wein sei, wird obercool mit "Ein Vin de Table" beantwortet. Aber auch ein einfacher Tischwein ist von Winzern gemacht, und die Trauben kommen auch aus einer Weingegend. Aber im Maison Blanche gilt scheinbar die Regel: Wer einen einfachen, günstigen Wein trinkt, ist nicht ernst zu nehmen!

Foto: Marko Greitschus (pixelio.de)

von  Eva-Maria Hilker
Veröffentlicht: 11.05.2010 , Zuletzt aktualisiert: 11.05.2010

Sonnenbad

sonnenscheinEndlich Sonne — und plötzlich erinnert sich und weiß jeder in Berlin, wo man draußen sitzen kann. Und wie jedes Jahr tut das der Gastronomie wieder mal "weh". Übersetzt heißt das: Man ist noch nicht richtig vorbereitet, der Service muss sich erst noch eingrooven in den Ablauf des Open-Air-Betriebes. Doch den Gästen ist das erst mal irgendwie egal. Die gewohnte Anspruchshaltung schmilzt in der Sonne zu ganz einfachen Wünschen. Nur etwas trinken, eine Kleinigkeit essen, man wartet auch etwas länger, ist ja nicht so schlimm, man genießt den Frühling. Auch bleiben die Sonnenanbeter nicht lange an einem Ort. Sie wandern mit dem Sonnenstand. Entspannte erste Sonnenbäder mit Wanderbewe­gungen gab es im Weinbergsweg und am Winterfeldtplatz. Die ersten Liegestühle am Capital Beach Nähe Hauptbahnhof wurden ständig nach der Sonne ausgerichtet. Die Stadt atmet auf — hoffentlich wird es ein guter Sommer für alle, für die Gäste und die Gastronomie.

von  Eva-Maria Hilker
Veröffentlicht: 13.04.2010 , Zuletzt aktualisiert: 13.04.2010
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