Adel trifft auf Erde

ParioliHotelDeRome__CatherineGBerlin ist und bleibt anders. Letztens gab es im Parioli, dem Restaurant des Hotel de Rome, ein Arbeitsessen, bei dem für das kommende Frühjahr für Galeria Kaufhof Weine ausgesucht  wurden. Insgesamt ein netter Abend. Geadelt wurde die Runde durch den aus­tralischen Zweig der Faber-Castells. Der junge Graf Anton Andreas bringt gerade eine Forellenzucht in Bayern wieder in Schwung – und der Daddy Graf Roland repräsentiert ordentlich. Schon bei der arbeitsintensiven Weinbewertung wurde der junge Mann ständig von den angeblichen Experten unterbrochen. Als Frau kennt man das und unterbricht entweder oder spricht einfach seine Sätze lauter zu Ende. Der schüchterne Graf schwieg dann irgendwann. Und der Daddy wurde beim anschließend gemeinsamen Essen vom jungen Kellner irgendwann aufgefordert mitzuarbeiten, sprich sich seinen Teller selbst zu servieren. Tja, in München wäre das garantiert nicht passiert, in Berlin gang und gäbe.

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Foto: Katherine Gericke

von  Eva-Maria Hilker
Veröffentlicht: 01.02.2012 , Zuletzt aktualisiert: 01.02.2012

Blitzlichtig

udo-lindenbergSelbst schuld! Wie kann man nur zwischen den Feiertagen richtig Bock kriegen auf den Thai-Salat im Tizian, dem Restaurant vom Hyatt? Nachdem so gut wie jeder Reiseführer Berlin als die beste Partystadt zu Silvester postuliert hat. Sie haben sich was gegönnt, die netten Menschen aus Öschelbronn oder Paderborn. Sie kommen zwischen den Feiertagen angereist, sitzen in der Hotel-Lobby und staunen über jeden, der da vorbeispaziert, mit einer Blicklänge, die auf eine ziemliche Trägheit der Erkenntnisdauer schließen lässt, ob prominent oder nicht. Jeder, der in Berlin vier Wochen verbringt, lernt,
seine Umgebung schnell und unauffällig zu scannen. Deutlich erkennbar daher die Provinz, wenn zum Beispiel Sarah Connor vorüberschwebt oder Udo Lindenberg. Nicht nur, dass dann das Handy gezückt wird, nein, zu Silvester hat man eine kleine Kamera mitgenommen und die feuert Blitze. Und wenn das mit der Prominenz nicht klappt, dann wird die Tochter vor dem Kamin, neben dem Sessel, im Sessel, am Tresen, die Mama noch dazu, der Kellner, die gesamte Familie … – das ist kein Thai-Salat der Welt wert!

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von  Eva-Maria Hilker
Veröffentlicht: 11.01.2012 , Zuletzt aktualisiert: 11.01.2012

Sonntags nie

BuchholzGasthofEs war das letzte Mal, versprochen! Es ist frustrierend. Man zuckelt mit einer motorisierten Freundin nach einem Spaziergang im Gleisdreieck-Park nach Britz. Den Gutshof (Foto), von Ex-Sternekoch Matthias Buchholz und seinem Team betrieben, will man seiner Freundin mal zeigen und etwas essen. Das geht nicht, einige andere Berliner hatten dieselbe Idee, aber klugerweise einen Tisch reserviert. Wir nicht, also Abmarsch. Macht ja nichts, denken wir. Geht es eben zum Südstern zu Andreas Staack ins Noi Quattro, soll ja jetzt noch besser sein als früher. Die Tür ist offen, nur ... der Kellner, fast schadenfroh, erklärt, dass Kochen in der Gruppe angesagt ist. Die Kochkursler bleiben unter sich. Also nach Schöneberg ins Saint Tropez? Seit Wochen verwaist, Grund unbekannt. Was bleibt? Der Italiener um die Ecke. Die Trattoria Abruzzo wird dabei neu entdeckt. Dort versöhnen schon mal gleich die Bruscette, die würzigen Salsiccia, die Rote-Bete-Ravioli und der Wein der Schwiegereltern von Lucia, der originellen Wirtin. Zwar Russin, aber italienisch eingeheiratet.

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von  Eva-Maria Hilker
Veröffentlicht: 21.11.2011 , Zuletzt aktualisiert: 21.11.2011

Kill your Darlings

TocaRounge_c_DianeVincentDiese Tafelspitze verursacht ein wenig Schmerzen. Als Fan lässt man ja nichts neben seiner Bewunderung gelten, das wissen nicht nur leidgeprüfte Fußballfans. Und wenn man mal nicht so ganz zufrieden ist, dann hängt man eher den Mantel des Schweigens darüber und hat schlechte Laune. Aber im Journalismus, auch im Foodjournalismus geht das nicht. "Kill your Darlings" heißt eigentlich, dass man seine Lieblings-Bonmots einmal und nie wieder verwenden soll. Aber eben auch, dass man bei Favoriten ehrlich bleiben muss. Also ist das Toca Rouge dran. Manchmal treibt einen ja die Sorge um, dass man nichts mehr auf der altbewährten Karte findet, was nach dem zigsten Mal noch schmecken könnte. Denn Chef Guang Feng wechselt äußerst selten das Angebot. Aber Seven Seconds, die eigenwillgen Wraps, gehen immer. Das aber nur am Rande bemerkt. Beim letzten Mittag­essen – Garnelen mit Schinken auf einer Süßkartoffel, eigentlich genial – waren die Avocadostreifen steinhart. Und die Küchencrew hat das garantiert gemerkt, aber unerbittlich das harte Zeug servieren lassen. Die Gäste für dumm verkaufen – das ist nicht nur für Fans nicht in Ordnung.

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Foto: Diane Vincent

von  Eva-Maria Hilker
Veröffentlicht: 17.10.2011 , Zuletzt aktualisiert: 17.10.2011

Doch ein Dessert

mourFou_SchwarzwDer Beruf des Food-Journalisten oder Gastrokritikers ist kein reines Zuckerschlecken. Da kann es schon mal passieren, dass man drei Mal die Woche essen gehen muss, also unterschied­liche Restaurants testen und sich nebenbei alles akribisch merken sollte, was man in mehreren Gängen pro Abend zu sich genommen hat. Letztens zeigte ein stadtbekannter Kollege erste Ausfallerscheinungen. Nach einem Drei-Gänge-Menü behauptete er mit Inbrunst und der größten Überzeugung, dass er an diesem Abend niemals und auf gar keinen Fall ein Dessert zu sich genommen hätte. Er ist ein Fan von Süßem, das nur mal am Rande bemerkt. Detailliert wie ein Kriminalist beschrieb er die Situation, wie der Kellner den abschließenden Kaffee serviert hätte, aber ein Dessert? Auf gar keinen Fall. Es hat dann sehr viel Überzeugungs­arbeit gekostet, und schließlich musste er zugeben, dass er doch das Dessert hatte. Aber wie es geschmeckt hat, daran konnte er sich trotz aller Be­mühungen nicht mehr erinnern. Na ja! Er musste auch nicht die Kritik schreiben. Das hat dann die Begleitung übernommen – mit Rücksicht auf seinen neurologischen Zustand.

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von  Eva-Maria Hilker
Veröffentlicht: 13.09.2011 , Zuletzt aktualisiert: 13.09.2011

Saure Gäste

zitroneEndlich ein paar Sonnenstrahlen und das auch noch am Samstag. Also ab geht’s auf den Wochenmarkt, und danach zu Miss Zucker, Yoghurt-Eis löffeln. Die Schlange ist lang, die Wartezeit länger als sonst. Das Maschinchen macht nicht so wie es soll. Nur kleine Becher wandern übern Tresen, mehr schafft das technische Wunderwerk nicht. Zur Entschädigung gibt es mal einen Espresso oder eine Zuckerstange. Der Service ist – Nomen est Omen – einfach zucker. Und trotzdem wird von einigen Gästen gemotzt. Das macht nur schlechte Stimmung – und Käthe, eine der geduldigsten Inhaberinnen, ist bestürzt über so viel Missmut. Deshalb müssen gut gelaunte Liebhaber des eiskalten Fruchtbechers immer schön dagegenhalten, gegen die, denen Wochenende und Sonnenschein nicht genug ist.

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von  Eva-Maria Hilker
Veröffentlicht: 25.08.2011 , Zuletzt aktualisiert: 25.08.2011

Es ist wieder passiert!

ermelchen_pixelio.deIm Kreuzberger Il Casolare oder auch im I Due Forni in Prenzlauer Berg werden Gäste sehr, sehr schlecht behandelt. Doch das tut dem Ansturm auf diese Pizzabäckereien keinen Abbruch. "Die Pizzen sind o.k. und günstig" oder "da kann man gut mit Kindern hingehen", so die fadenscheinigen Argu­mente, die alle benutzen, um beim nächsten Mal gleich wieder schlecht behandelt zu werden. Wer die Truppe im I Due Forni in Höchstform erleben möchte, sollte am späten Freitagabend vorbeischauen. Dann wird man nach einer langen Wartezeit angeraunzt, dass es die Vorspeisen, die auf der Tafel annonciert werden, nicht mehr gibt und dass man auf die Pizza mindestens 45 Minuten warten muss. Und bis dahin? Der Kellner lässt sich erweichen zum Angebot von Polenta und Salat – den muss man hier traditionell selbst zerpflücken, die Tomaten mit dem eigenen Messer klein schnippeln und das Ganze mit Essig, Öl, Salz und Pfefferpulver abschmecken. Erstaunlicher­weise dauert die Pizza dann gar nicht so lange. Ist das also eine Masche, um den Gästen als Vorspeise die Reste aus der Speisekammer schmackhaft zu machen? Wie gesagt: eine gute Adresse für Masochisten.

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Foto: Ermelchen / pixelio.de

von  Eva-Maria Hilker
Veröffentlicht: 27.07.2011 , Zuletzt aktualisiert: 27.07.2011

Kampftrinker

HeinzMinkiKreuzberg hat es im Augenblick nicht ganz leicht. Touristen aus aller Welt besuchen diesen Bezirk und genießen unter anderem das berühmte Nacht­leben. Ein Nachteil ist, dass stramme Jungs aus dem englischsprachigen Raum auch tagsüber dem Genuss von alkoholischen Getränken nicht abgeneigt sind. So letztens bei Heinz Minki, einem idyllisch gelegenen Biergarten. Eine Gruppe goss sich via Schlauch und Trichter den Alkohol direkt in die Kehle. Das wurde mit reichlich Urlauten begleitet. Kaum jemand traute sich in die Nähe der Kampftrinker, die meisten Gäste hatten jegliche Lust verloren, im Garten länger zu bleiben. Eigentlich hätte man erwartet, dass der Wirt die Jungs zur Ordnung ruft, aber das wäre ohne Konsequenzen geblieben. Was ist nun perspektivisch sinnvoller? Welchen Gästen sollte ein Gastronom nun den Vorzug geben? Beide Gästegruppen gleichzeitig an einem Ort vertragen sich nämlich nicht. Setzt man auf die­­-je­nigen, die regelmäßig und in Maßen konsumieren, oder auf die Besucher, die einmal etwas erleben wollen, großen Umsatz machen und danach nie wiederkommen? Es wird spannend bleiben in Kreuzberg.

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von  Eva-Maria Hilker
Veröffentlicht: 20.06.2011 , Zuletzt aktualisiert: 20.06.2011

Schlechter Empfang

gesundLindenberg ist in Berlin ein Begriff. Hier kauft die Gastronomie, und zwar diejenige, die auf Qualität ihrer Produkte achtet. Nun hat eine Modernisierung der alten Adresse des "Frische­paradies" im Westteil stattgefunden. Und es wurde zum kleinen Empfang gebeten. Eingeladen waren Gastronomen und Foodjour­nalisten, zudem machte die News die Runde, dass der Sous-Chef von Christian Lohse (einziger Zwei-Sterne-Koch Berlins), den Küchen­bereich übernommen hat. Die Neugier war also groß, doch der Anspruch der Gastgeber eher klein. Keiner fühlte sich bemüßigt, die Gäste zu empfangen, erst nach einigen Unsicherheiten wurde man zur Theke gebeten, um eine kleine Suppentasse lauwarme Bouillabaisse mit kaltem Fisch serviert zu bekommen. Es gab nur ein Schlückchen Mineral­wasser zu trinken. Danach wurde die kleine Wasserflasche sofort hinterm Tresen versteckt. Um den Rest dem nächsten Gast anzubieten? Zu feiern hatte das Team von Lindenberg wohl nicht viel an diesem Tag.

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von  Eva-Maria Hilker
Veröffentlicht: 09.05.2011 , Zuletzt aktualisiert: 09.05.2011

Darauf einen Drei- Achtel-Schnaps

BiergartenEin Wahnsinns-Wetter und nix wie raus nach Brandenburg. Nach einer wunderbaren Radtour eine wohlverdiente Pause in einem netten Landgasthaus – so die Idee. Acht hungrige Städter nehmen im Garten des Schwanenkrugs in Schönwalde Platz. Und was passiert? Eine Walküre von Kellnerin gibt die schnoddrige Brandenburgerin, und eine Landperle gibt die Zicke. Unsere Wal­küre bringt forsch Schnitzel mit Letscho, was auf der Karte als "Hähnchenfilet à la Toskana" angekündigt wurde, dazu Herzoginnenkartoffeln. Den Filettopf bezeichnet einer der Ausflügler spontan als "Zeug in einer hellen Sauce". Und das Buttermilcheis als Dessert enthält kein Tröpfchen Buttermilch. Zum Abschluss fragt die Zicke mit Leidensmiene, wie es geschmeckt hat und überreicht die Rechnung. Nach dem Hinweis, dass man nicht so ganz zufrieden ist, gibt’s immerhin eine kleine Entschädigung: drei Schnäpse für acht Radler.

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von  Eva-Maria Hilker
Veröffentlicht: 20.04.2011 , Zuletzt aktualisiert: 20.04.2011
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tip Ausgabe 04/2012

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