Me, My Self(ie) And I - Nummer 22: Der Paketbote

Jackie A.

Alltag ist, was du daraus machst –
 oder der Paketbote. Als natural born Ossi bin ich Fan von Warensendungen aller Art und die Nachricht über ein Westpaket sorgte schon in der Pubertät für emotionale Ausnahmezustände. Da war alles rund ums Paket ein Event: das Einschlafen mit dem Zustellschein unterm Kopfkissen, tags darauf der Dauerlauf zur Post, schwitzend und außer Atem vor der Ausgabe stehen, gespannt, welches Paket am Schalter nun herausgegeben würde – hoffentlich das große schwere! Zu Hause vergingen noch mal zähe Stunden des Wartens, bis der Rest der Familie eintraf. Vor versammelter Mannschaft wurden Schnüre zerschnitten, das knisternde Papier entfernt und vorsichtig der Karton geöffnet. Nie wieder sollte ich mich so über ein Schauma-Shampoo freuen können! Längst sind die Dinge leicht zu haben, was ja durchaus praktisch ist. Sie stehen da in den Supermarktregalen rum, eine schlaffe Hand greift zu, der Gang zur Kasse folgt. Manchmal denke ich, so ein schnöder Gebrauchsartikel sollte auch mal erobert werden – so richtig mit körperlichem Einsatz. Was da an Endorphinen freigesetzt werden würde! Ähnlich muss es sich auch der Postbote gedacht haben, der letzte Woche den Paketschein einwarf. 
Der Schein blieb unausgefüllt – bis auf eine kleine krakelige Skizze. Darauf war (mit viel Fantasie) der Grundriss unseres Hauses zu erkennen, ein Weg und etwas, das er mit Holz sowie Paket beschrieb. Ich kombinierte, dass er das Paket bei einem Nachbarn am Weg hinterlegt hatte, der in einem Haus aus Holz wohnt. Also lief ich rüber zum einzigen Holzhaus an der Straße, doch unglücklicherweise hatte die Bewohnerin kein Paket für mich. Zurück auf dem Grundstück setzte Regen ein, unwirsch kickte ich einen Tannenzapfen vom Weg. Er prallte gegen einen Stapel Baumstämme am Ende des Gartens. Da wurde ich stutzig: Haus, Holz, Paket …? Eilig kraxelte ich hinters Gehölz. Bingo! Wie eine Trophäe schleppte ich das Paket ins Haus. Danke, unbekannter Bote, selten habe ich mich so über eine Bratpfanne gefreut.

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Ein kurzes Gespräch mit dem Smartphone

Jackie: Wo ist hier Holz?

Siri: Tut mir leid, aber ich kann kein Holz in deinen Kontakten finden.

 

von  Jackie A.
Zuletzt aktualisiert: 08.04.2015

Me, My Self(ie) And I - Nummer 21: Frauentagsparty

Erotischer Polizist aus Deiner Umgebung

21 Uhr. Der Wagen parkt vorm Lokal. Ein Käuzchen schreit. Der Mann fragt: „Traust du dich rein?“ „Da muss ich jetzt durch.“ - geb ich zurück. Mit schweren Schritten nähere ich mich dem Etablissement. Die Luft ist kalt, riecht nach Wald und Benzin.
Dieser Abend wird wegweisend sein: Dorfschlampe oder nette Nachbarin – wie wird die Gemeinde entscheiden? Die erste Kontaktaufnahme am neuen Wohnort wird heute bei der Frauentagsparty stattfinden. Beim Eintreten liegt meine Hand am Handy, bereit für eine SMS gezückt zu werden, Wortlaut: "Hol-mich-hier raus!" Drinnen läuft Chartmusik, frisierte Frauen sitzen an gedeckten Tischen. Einige Blicke haften auf meinen Gummistiefeln. Jetzt die Ruhe bewahren, denk' ich, werfe „Guten Abend“  in die Runde, setze mich ganz hinten an einen Tisch. Neben mir sitzen lachende Mütter an einer Tafel,  Typ Dallas Royce aus "Suburgatory". Ich bestelle das erste Getränk, als ein Mann mit Sporttasche eintrifft. In weniger als einer Stunde wird er hier einen erotischen Polizisten aus deiner Umgebung performen. Eine Auserwählte wird ihm dann verschämt die nackten Schenkel mit Bodylotion einreiben. Ich hoffe sehr, dass ich es nicht sein werde -bitte nicht!  Linda ist die Erste, die mir ihre Hand entgegenstreckt. Mit ihr und allen anderen werde ich einige Getränke später wie von Sinnen im gaststätteneigenen Stroboskopgewitter zu "Macarena" tanzen, weiß davon aber gerade noch nichts. Erst mal wird mir, der Neuen, vom Nachbartisch aus Mut zugesprochen. 
Im Dorf lebt es sich entspannt, so sagt man, und dass vor zehn Jahren ein Einstieg noch nicht so einfach war.
Inzwischen sind viele Ex-Berliner und junge Familien am Start, und die Alteingesessenen machen was draus – zumindest heute und hier. Den weiteren Abend verbringe ich zwischen 60- und 70-Jährigen, Mittzwanzigern und ihren Müttern, tanzend und kollektiv rumkrakeelend auf Laing's: "Ich bin morgens immer müde – aber abends werd ich wach!" Der Generationenmix schafft mich - so sehr, dass ich dafür sogar Helene Fischer in Kauf nehme: „Ja, für dich, Hildegard! Ich möchte danach aber The Cure hören, ok?“  Als ich das Mikrofon vom DJ ergreife, ist es längst zu spät. Eine Dorfbewohnerin sagt, ich hätte eine sehr lange Rede gehalten. Kein Wunder, es war der beste Frauentag meines Lebens.

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Ein kurzes Gespräch mit dem Smartphone

Jackie: Alles Gute zum Frauentag!

Siri: Einen schönen Sonntag, Jackie!

von  Jackie A.
Zuletzt aktualisiert: 26.03.2015

Me, My Self(ie) And I - Nummer 20: Wartenummer 1

Wartenummer eins

Ich habe es getan. Ich habe die Stadt verlassen und bin aufs Land gezogen. Dorthin, wo die Wege noch schlammig sind und man Crocs tragen kann, ohne von der Style-Polizei in U-Haft genommen zu werden. 
Ein Ort frei von Barista-Cafés und vollbärtigen Baumfäller-Looks, jedoch voller Astlöcher in Bäumenstämmen – ein verschlafenes Dorf, in dem ich die Entdeckung der Schnelligkeit machte.
Ich war auf dem Weg zum Bürgeramt, um meinen neuen Wohnsitz zu melden. Ich stieg ich in den Bus, der zwei Minuten zu früh eintraf. Weil ich die einzige Mitfahrende war, hielt der freundliche Fahrer einige Hunderttausend Tannen weiter, noch vor der Haltestelle, direkt am Eingang des Amtes. Man muss sich vorstellen, in Berlin würde der Bus statt am Bahnhof Alexanderplatz zwei Ecken zuvor beim Technikmarkt halten, weil ein Fahrgast noch schnell ein Ladekabel kaufen muss. Tumulte und aufgebrachte Bürger wären die Folge! Hier blieb die Aufregung überschaubar. Meine Schritte hallten im menschenleeren Gebäude. Am Auto
maten zog ich die Wartenummer eins – meine erste Nummer eins über
haupt. Die Bearbeitungszeit dauerte vier Minuten, und perplex über den wohl kürzesten Aufenthalt meines Lebens in einer Behörde stieg ich auf dem Rückweg in den falschen Bus ein. 
Er war vollgestopft mit pubertierenden Schulkindern, die sich YouTube-Videos reinzogen oder WhatsApp-Nachrichten zuschickten. Merkwürdig: In der tiefsten Pampa ist schnelleres Internet verfügbar als an meinem letzten Wohnort in Berlin.
Nicht, dass man hier schnelles Netz bräuchte, gegen den verbalen Infostrom meines Dorfs können VDSL 
und LTE einpacken. Ein Gespräch 
mit der richtigen Person, und der Rest erledigt sich ohne Facebook. Eine Freundin sagte, es ist der schmale Grat zwischen Distanz und Nähe, 
der darüber entscheidet, ob man ein beschauliches Dorfleben führt oder die Hölle auf Erden erlebt. Die Formel dazu lautet: Grüßen – ja, lange Ge
spräche – nein. Vergessen ist die Berliner Taktung. "Schnelligkeit ist schlafen, wenn andere noch gähnen" (frei nach Kalenderspruch).

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Ein kurzes Gespräch mit dem Smartphone

Jackie: Guten Tag, Siri, schönes Wetter heute!

Siri: Nein, Jackie, es wird heute nicht sehr schön sein.

 

von  Jackie A.
Zuletzt aktualisiert: 11.03.2015

Me, My Self(ie) And I - Nummer 19: Letzter Tag in der Stadt

Das Leben in Kisten

Kisten packen. Tassen in Zeitungen einwickeln. Fotos von Wänden abhängen: mit Kokosnuss am Strand der Malediven. Arm in Arm mit den Freunden auf dem Deichkind-Wagen beim Karneval der Kulturen. Dazwischen Brandenburg II. – der verstorbene Hamster – mit einem Stück Gurke in der Backentasche. 
Ein Schnappschuss mit Mama und Schwester, Grimassen ziehend. Puzzleteile eines Berlin-Lebens landen auf der Fensterbank. Es ist mein letzter Tag in der Stadt. Ein letztes Mal Singlehaushalt-Feeling, Verabschiedung von Improvisation und Hinterhofbalkon, von kaputten Bodenfliesen, von Cocktail-Gläsern im Küchenregal – mitgebracht nach besoffenen Nächten aus Clubs und Bars. Dazu einen Bad, so klein, dass kaum zwei Leute darin stehen können. Mach’s gut, alte Nasszelle. Ich werd dich nicht vermissen! Ich entleere Schubfächer mit alten SIM-Karten, DDR-Pfennigen, Visitenkarten und vergessener Post, darunter eine Karte vom "Playboy"-Magazin: "Wir freuen uns auf Ihre Textvorschläge." Da kam wieder irgendwas dazwischen.
Die Wohnung ist fast leer, bizarre Gebilde aus Staub legen sich sanft 
auf mein Haupt. Übermorgen wird renoviert. Ansonsten hasse ich Umziehen. Man kann es natürlich auch positiv sehen: der Umzug als Chance, alten Ballast zu entsorgen und Platz für Neues zu schaffen. Das ist wie ein Spaziergang durchs Unterbewusstsein. Alte Sehnsüchte, löchrige Strümpfe, goldener Nagellack: Was ist wichtig, was kann weg? Viel mehr als gedacht ist entbehrlich, und morgen wird mein Leben in einen Kleintransporter passen. Langsam bekomme ich Muffensausen. Was, wenn sich das Landleben als Pleite erweist? Als der letzte Karton gepackt ist, fühlt es sich an wie auf dem Zehn-Meter-Brett im Schwimmbad – unheimlich! Ich habe ein Entrümpelungsteam bestellt, die sollen den Rest mitnehmen: Waschmaschine, Regale, Bett und Fernseher, meine Ängste und die Neurosen stell ich einfach dazu. Ohne Ballast springt es sich besser. Also Augen zu und Sprung in ein Neues!

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Ein kurzes Gespräch mit dem Smartphone

Jackie: Gib mir die Route nach Zeschdorf!

Siri: Tut mir leid, ich kann nicht nach Orten in Albanien suchen.

 

von  Jackie A.
Zuletzt aktualisiert: 11.03.2015

Me, My Self(ie) And I - Nummer 18: Erste Nacht

Jackie im eigenen Haus

Mit Rollmatratzen unterm Arm stehen wir in der brandenburgischen Pampa. Schnee rutscht vom Dach des zukünftigen Wohnsitzes. Der Partner fragt: "Willst du?" – hält mir den Schlüssel hin. Das erste Mal die Tür aufschließen, den Rucksack im Flur abstellen. Wir gehen durch die Räume, erst still, dann aufgeregt kommentierend. Leiter und Farben stehen noch im Weg. "Ich glaub das alles nicht", sagt K., seine Stimme hallt. "Wahnsinn!", geb ich zurück. 
Das muss man ja erst mal alles begreifen: raus aus Berlin, rein ins Scheunenhaus mit Internet-, Wald- und Wildschweinanschluss. Erste Amtshandlung: die Spülung vom WC drücken – funktioniert! Es gibt eine "Walk-in"-Dusche und eine Wanne. 
Er möchte erst duschen, dann baden und anschließend noch mal duschen. Vorher noch schnell die Box im Wohn
zimmer anschließen. Wir tanzen Discofox zu Fatboy Slim, galoppieren übermütig durchs Haus. "Juhuu!"- 
und „Wow!“-Ausrufe, dann plötzliches Innehalten. Wenn K. im Schlafzimmer steht und ich im Wohnzimmer, ist die Entfernung so, dass wir laut rufen müssen. Ist das Haus zu groß? Zumindest kommen wir nicht unvorbereitet. Wir haben Walkie-Talkies besorgt. Vom Grundstück kann man so problemlos in die Küche funken: "Jackie an Klaus+++Jackie an Klaus+++Bitte Kaffee aufsetzen+++Over and Out."
Später im Dachzimmer rollen wir unsere Matratzen aus. "Gute Nacht, Jackie!" "Gute Nacht, Klaus!" – Einschlafen Hand in Hand. Am nächsten Morgen aufspringen und nachschauen, ob alles nur ein Traum war. Die ersten Stunden sind unreal, wie in Tagträumen, nur viel besser. Weil man nun 
die Wärme unter den Fußsohlen spürt. Weil das Holz duftet, die Apfelbäume vorm Fenster im Wind knarzen und 
wir hier ständig Neues entdecken. "Wahnsinn" und "geil" werden die meistgesprochenen Worte des Tages sein. Der Möbelwagen kommt nächste Woche. Freut euch mit uns! Man weiß ja nie, wie lange das Glück bleibt.

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Ein kurzes Gespräch mit dem Smartphone

Jackie: Wo ist mein Hausschlüssel?

Siri: Wenn du die aktuelle iOS-Version installierst, kann ich die helfen.

 

von  Jackie A.
Zuletzt aktualisiert: 17.02.2015

Me, My Self(ie) And I - Nummer 17: Die Küche

Me, My Self(ie) And I - Nummer 17: Die Küche

Was für Alexander Gerst die Raumstation war, ist für deutsche Paare die Küche. Sie ist Innovationszentrum und Krisenherd, in dem Mixaufsätze unvorhergesehen die Umlaufbahn verlassen und mühselig aus Teig geformte Liebesbekenntnisse bei 240 Grad im Umluftofen in sich zusammenfallen. Da ist es nur konsequent, dass Fotos zerklüfteter Mars­oberflächen denen ungeputzter Herd­innenräume so ähnlich sind.
Wie auf der ISS entscheidet in der Küche ausgeklügelte Technik über wissenschaftlichen Erfolg beziehungsweise die Harmonie in der Beziehung. Und was für die einen der Sicherungsbolzen beim Testflug im Weltall ist, ist für andere die E-Herd-Kontrollleuchte während der Zubereitung eines Friedensmenüs nach dem Ehekrach. Ich gebe zu, meine These ist jung. Sie entstand während komplexer Vorträge von Verkäufern im Elektrofachmarkt. Mein Partner und ich arbeiten unter Hochdruck am Erfolg unserer Beziehung. Das Wichtigste allerdings, so lernten wir, fehlte bislang: moderne Küchengeräte. So wurde uns bei Saturn die Genialität von Pyrolyse, einer Herdreinigungsfunktion, erläutert und bei Innova vor Gefahren gewarnt, zum Beispiel zu kurze Rotations­arme in Geschirrspülern, die aufgrund schlechter Reinigungs­ergebnisse die Harmonie am Esstisch für Jahre stören könnten. Voller Sorge reservierten wir gleich eine Vielzahl von Geräten, darunter einen Kühlschrank, genauer gesagt einen "Smart Fridge" mit Hydro-Fresh- und ChillerBox, No-Frost und Air-Fresh-Filter, Anti-Fingerprint, Touch-Control, Super-Silent-Funktion und integriertem WLAN, plus akustischer Alarm-Kühlschranktür mit Vario-Zone. Er ist der erste seiner Art, der Selfies vom Innenraum machen und verschicken kann. Einen Twitter-Account hat er noch nicht, aber ein eigener Fotoblog oder eine Kolumne an dieser Stelle wären denkbar. So wird aus unserer Küche in Kürze ein Kommunikationszentrum und eine Pärchenschutzkapsel, vielleicht auch mehr. Wie sagte Alexander Gerst? "Wir Menschen sind Entdecker seit jeher und haben bisher alles erreicht, wenn sich die technischen Möglichkeiten ergeben haben."

Jackie A.

Ein kurzes Gespräch mit dem Smartphone: 

Jackie: 
Wie funktioniert ein Kühlschrank?

Siri: 
Ein Kühlschrank erzeugt Kälte, das heißt, er entfernt Wärme!

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von  Jackie A.
Zuletzt aktualisiert: 28.01.2015

Me, My Self(ie) And I - Nummer 16: Sehr geehrtes 2015

Jackie A.

Sehr geehrtes 2015,

wie ich Ihrem Jahreshoroskop entnehmen musste, planen Sie, schwierige Phasen und komplexe Probleme für die bundesdeutsche Bevölkerung direkt in die erste Jahres
hälfte zu legen. Wegen aktueller Terminschwierigkeiten (verzögerter Hausbau, Schwiegermutter hat sich angemeldet) möchte ich Sie bitten, dies nochmals zu überdenken bezieh
ungsweise Ihre Uranus- und Pluto-Tyranneien in die zweite Jahreshälfte, also nach Fertigstellung meines Eigenheimes, umzulegen. 
Weiterhin musste ich lesen, dass mit einer Entspannung der politischen und wirtschaftlichen Situation das gesamte Jahr über nicht zu rechnen ist und dass Sie Unruhen und poli
tische Umbrüche auch in meinem direkten Lebensraum Berlin-Brandenburg umsetzen möchten. Natürlich kann ich Ihr Anliegen nachvollziehen, bedürftigen Bundesbürgern eine Lektion in Demut zu erteilen und ideologisch Verstrahlte und zunehmend Rechtsorientierte mit einem kosmischen Arschtritt raus aus der BRD-Komfortzone und rein ins Uranus-Trainingscamp zu kicken. Ich finde Ihren Plan sogar gut! Dennoch sehe ich Optimierungsbedarf. Bei Durchsicht Ihrer Dokumente ist mir aufgefallen, dass regionale Unterschiede bezüglich der Bedürftigkeit 
an kosmischen Schlägen nicht berücksichtigt wurden. In Zeiten, in denen Nachhaltigkeit und Energieersparnis nicht nur auf der Erde ein Thema sein sollten, möchte ich Sie auffordern, auch kosmische Energien zielorientiert, nämlich ausschließlich da, wo’s nützlich wäre, einzusetzen. Gerne erkläre ich mich bereit, eine Karte auszuarbeiten, in der die regio
nalen Schwerpunkte für Pluto- und Uranus-Attacken markiert sind (vor
wie-gend Gebiete in Bayern und Dresden). Damit könnten Sie nicht nur effizienter arbeiten, Sie hätten zusätzlich sogar noch Leistung übrig für Bonus-Weltwunder wie Polarlichter über Bernau, Pyramiden auf dem Tempelhofer Feld oder Schneefall in Form von Popcorn. Ich hoffe, mein Vorschlag erreicht Sie noch rechtzeitig, ich sende ihn per Lampion ins All.

Hochachtungsvoll,

Jackie A.

Ein kurzes Gespräch mit dem Handy: 

Jackie
Frohes neues Jahr!

Siri
Ich richte mich nicht nach linearen Strukturen der Zeit, aber dir auch alles Gute!

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jackie@tip-berlin.de

Jackie A. liest Jackie A. - Der Podcast: Me, MySelf(ie) And I - Folge 16: Sehr geehrtes 2015

 

von  Jackie A.
Zuletzt aktualisiert: 14.01.2015

Me, My Self(ie) And I - Nummer 15: Heiligenschein

Jackie A.

Ist in diesem (bisher so) schneelosen Winter noch Platz für Weihnachtlichkeit oder ist uns im Angesicht von Dresdener Pegida-Amöben, IS-Barbarei und sprücheklopfenden CSU-Profilneurosen die Kulanz abhandengekommen? Ich habe den Test gemacht und bin nur mit Nachthemd und einem Heiligenschein bekleidet durch Berlin gezogen. Und weil hier immer auch Beweisfotos benötigt werden, verband ich einen Einkauf im Fliesenmarkt mit einem Christkind-Fotoshooting, welches mein Mann für mich an wichtigen Knotenpunkten der Stadt mit dem Handy durchführen musste. So fuhren wir mit Bus und U-Bahn und schoben uns mit Menschenmengen durch 
die Unterführung am Alexanderplatz – immer schwebte dabei der Heiligenschein über meinem Kopf. Das Faszinierende daran war die gänzlich unfaszinierte Zurkenntnisnahme: 
keine Sprüche, kein Fingerzeig, kein Lachen, kein kindlicher Aufschrei. 
Der Aufzug fügte sich problemlos 
ins Stadtbild, sodass ich bald schon 
die eigene Verkleidung vergaß. Frei schwebte ich über die Kantstraße, korrigierte beiläufig am Tisch im Schwarzen Café den Sitz meiner Aura-Bedeckung. Wegen der erwähnten Küchenfliesen nun besuchte ich ein Fachgeschäft. Der Verkäufer argumentierte lang und breit. Zum favorisierten Fliesentyp mit Fischmotiv scherzte er, ob ich denn auch Anglerin wäre, auf meinen Heiligenschein ging er nicht ein. Nur bei der Bezahlung wurde er ernst und bestand auf Vorkasse. In einem Lampengeschäft führte eine Verkäuferin Tischleuchten vor, dazu wurden Prosecco und Pralinés gereicht. Mein Verdacht einer bevorzugten Behandlung löste sich auf, als ich feststellte, dass auch Heiligenscheinlose mit Drinks durch den Laden spazierten. Auf dem Heimweg drückten dann die Musterfliesen im Rucksack sowie die persönliche Enttäuschung schwer. Jaja, die Berliner sind ja so tolerant – aber null Reaktion auf das Christkind war nun auch nicht okay! Ich stieg in die U2, die Türen schlossen sich. 
Es roch nach Bier und alten Turnschuhen. Plötzlich krakeelte es: 
"Ey, Weihnachtsengel!" Eine Gruppe besoffener Eisbären-Fans freute sich jetzt leider sehr.

Ein kurzes Gespräch mit dem Handy: 

Jackie
Wie viele Tage sind es noch bis Weihnachten?

Siri
Ich habe 118 Orte gefunden, die mit Weihnachten übereinstimmen, davon ist keiner in deiner Nähe.

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jackie@tip-berlin.de

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von  Jackie A.
Zuletzt aktualisiert: 30.12.2014

Me, My Self(ie) And I - Nummer 14: Morning Gloryville

Guten Morgen!

Friedrichshain, "Technostrich", 
7 Uhr. Auf einem Banner steht "Guten Morgen", davor tanzen Hunderte viel zu muntere Menschen. Jemand im Bademantel ist auch dabei, streckt mir energetisch seine Partyfäuste entgegen. An der Espressobar bestelle ich einen Doppelten, den brauche ich jetzt dringend. Seifenblasen und Lichtreflexe umkreisen mein immer noch müdes Haupt. Eine DJ-Frau im 80er-Jahre-Aerobic-Outfit legt humorvolle Dancemusik auf. Ich beobachte Hula-Hoop-bereifte Start-up-Mitarbeiter, Teenager in Pokemon-Kostümen, tanzende Spanierinnen, Hipsterbärtige – aber auch gestandene Damen wie Doris, die mit den Kollegen von Rossmann oder Edeka hier vor Arbeitsbeginn noch schnell zum Raven gekommen sind. Etwas weiter hinten recken Yogaanhänger auf Matten gerade ihre Gesäße gen Morgenlicht: "Namasté!" 
Die erste Veranstaltung von Morning Gloryville- Rave You Way into the Day war ein schwerer Schock für mich. Eine Party, die um 6.30 Uhr früh beginnt und um 10.30 Uhr endet, die statt Drogen bzw. Alkohol, Fair-Trade-Cappuccino und Yoga anbietet – was würde David Bowie dazu sagen? Ich tat das, was ich häufig tue, wenn ich ratlos bin, und tanzte einen Moment vor mich hin. Dann beschloss ich, die Party weniger als Rave, sondern mehr als Alternative für einen Zumba- oder Fitnesskurs zu sehen. Und siehe da: Mit dem neuen Blickwinkel lief es richtig gut. Mit dem Bademantelmann tanzte ich zu "Born To Be Alive" im House-Remix. Von der allgegenwärtigen "YAY!-Wir-beginnen-den-Tag-so-fröhlich-wie-es-geht!"-Grundstimmung war ich bald infiziert. So kam ich auf der Tanzfläche immer wieder ins Gespräch und selbst noch so alberne Antanz-Moves wurden mit internationalem "Hallo" begrüßt. Die letzten Bedenken ließ ich mir der Länge nach ausgestreckt aus dem Nacken massieren – und zwar kostenlos. Auf Wunsch wurden Gäste auch mit Glitzer überstreut, was später im Supermarkt noch Würdigung fand: "Dit sieht ja juht aus, mal wat anderet", befand einer mit wenig Zähnen vorm Spirituosenregal bei Aldi. Kann man von einem Donnerstagmorgen mehr erwarten? Ganz ehrlich? Ich glaube nicht!

Ein kurzes Gespräch mit dem Handy: 

Jackie
Ich will nicht so früh aufstehen!

Siri
Tut mir leid, Jackie, ich bin nicht berechtigt, Aktivitäten zu entfernen.

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Jackie A. liest Jackie A. - Der Podcast: Me, MySelf(ie) And I - Folge 14: Morning Gloryville

 

von  Jackie A.
Zuletzt aktualisiert: 17.12.2014

Me, My Self(ie) And I - Nummer 13

Jackie A. auf der Baustelle

Seit dem Frühjahr bin ich Bauherrin. Auf der Baustelle arbeiten 3 bis 4 Sächsische Arbeiter und ein Schwedische Bauleiter. Wenn ich die Baustelle betrete, versuche ich stets für gute Atmosphäre zu sorgen. Ich koche dann manchmal Kaffee und bringe Bockwürste, Knoppers und Äpfel mit. Dabei trage ich immer meine Latzhose sowie einen Zollstock in der Brusttasche. Ich benutze ihn eigentlich nie aber er soll meinen neuen Kompetenz-symbolisierenden Bauherrinnen-Look unterstützen.  Mit den Bauarbeitern fachsimple ich dann über Wand- und Bodenbeläge, stütze dabei ein Bein lässig auf einem Bretterhaufen ab. Nur die wichtigen Fragen vergesse ich noch. Zum Beispiel, ob unser Dach abgedichtet wurde.  - Meine Güte, das verdammte Dach! Der Mann vom Containerservice hat nämlich angerufen. Er war stinksauer, weil Dachpappe in den Baumüllcontainer geschmissen wurde. Dachpappe gehöre aber in den Sondermüll, wie er mir schreiend am Telefon mitteilte. Und weil der wiederum teuer zu entsorgen sei, versuchten ihm Bauarbeiter aus ganz Berlin und Brandenburg das Zeug irgendwie unterzujubeln. Von unserer Baustelle wurden demnach stolze 
16 Pakete, Material für ein ganzes Dach, entsorgt. Nach diesen News konnte ich erst mal nicht mehr schlafen. Mein Partner und ich grübelten, wie sowas passieren konnte und vor Allem, womit denn jetzt eigentlich unser Dach abgedichtet wurde, 
wenn doch das gesamte Material 
im Container gelandet war. Nichtmal die Bauleitung hatte auf diese spannende Frage eine Antwort. Wir lagen dann die halbe Nacht wach und vermuteten am Ende Schlimmstes. Dass die Handwerker vergessen hätten, 
die Dachpappe zu verbauen, und, als es zu spät und das Dach fertig war, die Pappe einfach weggeschmissen hätten ...
unfassbar! Man kennt das ja aus diesen TV- Hausbau-Shows: Haus kaputt- Geld weg- Existenz am Arsch. Über die Jahre würde jetzt Feuchtigkeit unser Haus zerstören und wegen chronischer Reparaturkosten würden wir erst in die Insolvenz rutschen und dann, verarmt und obdachlos, in ein Bushaltestellenhäuschen ziehen müssen. Das galt es zu verhindern! Also fuhren wir mitten in der Nacht zur Baustelle. Eilig stieg ich auf eine sehr hohe Leiter, um das Dach zu kontrollieren. Ich sah da schon verschiedenens Material konnte aber trotz Kompetenzlatzhose keine Einschätzung vornehmen. Dank Google konnte immerhin eine wasserdichte Folie identifiziert werden, so dass unser Haus mir schon irgendwie abgedichtet schien. Als wir morgens nochmal wiederkamen, erklärte uns ein Bauarbeiter, dass die alte Dachpappe verschlissen gewesen und von ihm vorsorglich gegen neue ausgetauscht worden sei. Vielleicht hätten wir ihn ja einfach früher mal fragen sollen. Es wurde ja nichts vergessen, sondern höchstens falsch entsorgt. Wobei, eines ja doch: die Apfel, die ich mitgebracht hatte. Die lagen, inzwischen ganz schrumpelig vor Sorgen, noch immer auf der Fensterbank...

Eine Frage ans Handy: 

Jackie
Was ist dein Lieblingsbaustoff?

Siri
Mein Lieblingsbaustoff ist ... na ja, wie soll ich es in deiner Sprache ausdrücken? Eine Form der Intelligenz – aber mit mehr Dimensionen.

Kommentare: 
jackie@tip-berlin.de

Jackie A. liest Jackie A. - Der Podcast: Me, MySelf(ie) And I - Folge 13: Dachpappe

 

von  Jackie A.
Zuletzt aktualisiert: 04.12.2014
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