Bin wieder Single oder zurück im Geschäft, wie Betroffene nach Abschluss des typischen vier- bis sieben- jährigen Beziehungszyklus manchmal sagen. Da steht man dann Abends mit seinen zerplatzten Träumen an der Bar, hat diesen Dackelblick drauf, beschimpft ein bisschen die Bedienung, weil angeblich zuviel Eis und zuwenig Kohlensäure im Prosecco ist und tut sich auch sonst recht leid. Vielleicht aber hat die Exbeziehung zuvor großen Mist gebaut und statt des Kummers herrscht nun ein Gefühl der Wut und Empörung vor.
- Das wäre ja ein Glücksfall, denn ist im Gegensatz zur irgendwie lähmenden Trauer ist Wut ein Gefühl, dass einen gut voran bringen kann. Wütende Menschen haben Punk- und Death- Metal- Bands gegründet, gingen in die Politik oder schrieben ihren ersten Bestseller in Form eines zutiefst missgünstigen Enthüllungsromans mit dem Ex als Hauptakteur. So gesehen hatte ich wohl Glück.
Das ich Single bin, habe ich am Computer erfahren. Gleich auf der Startseite einer großen Internetcommunity stand unter der Rubrik „Höhepunkte“ der Name meines Freundes, daneben ein kleines, rotes Comic-Herz und neueste Statusmeldung „ist jetzt Single“ - darunter Kommentare von verschiedenen Leuten, wie: „What?“, “ Ey Alter, geil“ oder „Bist du Samstag im WMF?“ Unsere Trennung kündigte sich schon länger an, aber diese Ansage im World Wide Web kam dann doch überraschend.
Nach zur Redestellung von F. - in Wahrheit ein passabler Mensch- war schnell klar, dass es sich um ein Versehen handelte. Er wollte das wohl unauffällig im Profil abändern, hatte dabei aber, wie wahrscheinlich ein paar tausend andere Nutzer auch, die Privatsphäreeinstellungen des Anbieters nicht wirklich im Griff. Um sauer zu werden reichte es trotzdem. Ich schrieb der Community-Geschäftsführung eine sehr böse Email und möglicherweise kamen noch andere derart geschockte Singles auf diese Idee- jedenfalls war die Rubrik „Höhepunkte“ zwei Tage später verschwunden. Übrig geblieben sind praktische Dinge, wie der Partykalender oder die Chatfunktion, letztere nutze ich nun besonders häufig. Chatfunktion an: „Ey XY, alles fit? Bin wieder Single- wann gehen wir Kaffee trinken?“
XY: „Hahaha - Samstag?“ - noch nie hatte ich so viele Verabredungen, wie an den letzten drei Wochenenden.
Allerdings lief die Akquise bisher nicht sehr erfolgreich. Einmal erkannte ich die Verabredung nicht, weil die ein Profilfoto von 1978 benutzte, dann war sie witzig hatte aber keine Frontzähne mehr, ein anderes Mal attraktiv nur leider viel zu ichbezogen und gleich mehrmals traf ich Personen, die gerade, wie man selbst, ihre kürzlich gescheiterte Beziehung verarbeiten. Dann unterhält man sich stundenlang über die Expartner und abgehakte Lebensentwürfe, über das alleine Wohnen, jammert im Kanon, trinkt viel, schimpft mit dem Barmann, weil der Wein angeblich korkt und schaut sich irgendwann im Laufe des Abends auch mal tiefer in die Augen- und da ist er dann, der beleidigte Dackelblick. Willkommen zurück im Geschäft.