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Berlin Streetart-Tour-Video

Noch einmal mit dem Verweis auf Bernd Sauer-Dietes tip-Fotoblog poste ich ein kleines, aber feines Filmchen, welches ich im Netz gefunden habe. Da waren wohl die Macher auf Berlin-Safari und haben die gefilmten Momente sehr atmosphärisch verpackt. Die Musik dazu heisst übrigens "Kirlian Isles II" und ist von dem Album "Kirlian Selections" des in Chicago lebenden "The Flashbulb" alias Benn Jordan, dessen wunderbare Alben in Berlin u.a. hier erhältlich sind.

Wie sieht's aus, Bernd, willst du nicht einmal eine Diashow deiner Fotografien ins Netz stellen? Die Musik spende ich dir ;)

von  Lukas Bonneberg
Zuletzt aktualisiert: 08.02.2009

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Bernd Sauer

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Neues Video von Peter Fox "Schwarz zu Blau"

Ich gebe es zu: ich mag das aktuelle Album von Peter Fox. Schon der auf der Juice-CD Vol. 79 vorab veröffentlichte Song "Fieber" mit K.I.Z. gefiel. Als ich das Album dann ins Ohr gepullert bekommen habe, fand ich es in seinem Arrangement zwar recht erfrischend, aber irgendwie auch sperrig. Aber das kennt ja jeder, diese Alben die von Mal zu Mal immer besser werden...

Peter Fox - Schwarz zu Blau

Und jetzt - kurz vor seinem von uns prophezeiten Sieg beim Bundesvision Song Contest 2009 - ist sie raus: Die Single "Schwarz zu Blau". Wunderbare Atmosphäre und ein cineastisch-ästhetisiertes Berlin, was meiner Selbstwahrnehmung doch sehr entspricht. Abgesehen davon passt es hervorragend zu den jüngsten Blogbeiträgen über Streetart in Berlin meines geschätzten Kollegen Bernd Sauer-Diete.

Also Meister Fuchs, wir freuen uns auf Ihre Performance im Schwestermedium Bewegtbild und versüßen uns die Wartezeit mit High Quality-Streams von youtube.com

von  Lukas Bonneberg
Zuletzt aktualisiert: 06.02.2009

Besserwisser-Spastentum

Auf einen Schlag ...

Okay, nicht mehr ganz frisch - weder das Video noch die VÖ "Aggro Ansage 8". Aber das ist halt so, wenn man sich in den Tiefen der so genannten "sozialen" Netzwerke herumtreibt: "Ansage 8" verfolgt einen immer noch auf Schritt und Tritt und wird einem wie Sauerbier auf den Indexseiten untergejubelt.

Allerdings ist mir jüngst erst ein kleiner Continuity-Fehler aufgefallen, der das Video, welches ansonsten ja irgendwie Aggro Berlin "as usual" ist, um ein Quentchen ungewollten Humor bereichert: In Sekunde 0:50 wird ein beeindruckender CGI-Militäreinsatz in Counterstrike-Ästhetik gegen die Aggro-Posse geflogen und irgendetwas "Explosives" wird abgeworfen. Tony D. brüllt: "ALLES - HINTER - MIR - BRENNT!"

Stimmt, große Feuerwalze und volles Hollywood Actionkino, so wie es sich Neukölln gerne aus der Videothek ausleiht. Und dort, wo gerade noch die ganze Aggro-Bande mit Sonnenbrillen im Dunkeln und Flammenwerfer in der Hand gestanden hat: ein Flammenmeer. Aber leider zu früh gefreut. Ab 1:20 min. läuft es weiter, wie man es gewöhnt ist. Alle wieder da, auferstanden von den Toten. Gleich mal zurückspulen...

von  Lukas Bonneberg
Zuletzt aktualisiert: 19.01.2009

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tip_Partytip

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Magic Colorz

Auch wenn der kleine Film, über den ich dieses Mal schreiben möchte, schon 2005 in Berlin entstand, wurde er anscheinend erst kürzlich von "Hans Meier" ins Netz gestellt und auf Generation Tapedeck von Jenz Steiner gepostet.

Was ist hier zu sehen? Jugendliche laufen vermummt durch Berlins Straßen und besprühen Wände, Autos und Züge mit Graffitis. Sie klettern über Baugerüste und in U-Bahnschächte, um ihre Schriftzeichen anzubringen. Das ist eigentlich nichts Neues und Unbekanntes. Filme wie diese bekommt man in Berlin in jedem Graffitishop. Früher wurden sie sogar in der Nacht auf Musiksender viva zwo (r.i.p.) gezeigt. Doch eine Sache ist in diesem Fall anders - es fehlt das "Corpus Delicti". Denn dort, wo eigentlich der Farbauftrag an der Wand und die Dose in der Hand sein sollte, sieht man... nichts! Ist dies etwa das HipHop-Pendant zur rockistischen Luftgitarre?

Einige werden sich jetzt über den Film aufregen. Man kann ihn auch einfach nur lustig finden. Was ich hierbei jedoch besonders bemerkenswert finde, ist die Selbstironie, die hier bei den handelnden Akteuren mitschwingt. Gerade die Dosen sind es ja, neben den Skizzenbüchern der Sprüher, die als zentrales Beweismittel vorgebracht werden, wenn es vor Gericht geht. Und eben diese existieren hier nicht. Keine Beweismittel, keine Spuren, keine Anklage. Im Vorfeld: anscheinend auch kein Interesse, höchstens irritierte Blicke. Phänomenal finde ich die Einstellung, in welcher der BVG-Mann in seiner Bude auf dem Bahnsteig sitzt und sich die ganze Aktion gelangweilt anschaut, sowie die Aufforderung des Fahrkartenkontrolleurs in der S-Bahn.

Liest sich der Abspann der Mitwirkenden fast wie ein "Who is Who" der Berliner Sprüherszene, so kann man davon ausgehen, dass sie den Kern ihres nächtlichen Handelns routiniert und glaubwürdig in diesem Film übertragen haben. Sie bomben die Züge, klettern auf den Dächern der Häuser entlang und machen Train-Action. Wenn man mal einen der Beteiligten aus dem Schlaf brüllen würde: ich bin mir sicher, das dieser mir auch total verpennt und im Halbschlaf ein mannshohes Silberpanel mit seinem Pseudonym malen könnte, in Sekunden schnelle und präzise proportioniert.

Die einstudierten und kontrollierten Bewegungen beschreiben den Schriftzug des einzelnen Sprühers auf das Genauste. Man kann den Schriftzug für einen kurzen Moment förmlich sehen, ebenso wie er mit seinem Urheber Sekunden später wieder verschwinden. Ohne behaupten zu wollen, davon wirklich etwas verstanden zu haben, aber: wo Jean Baudrillard in seinem "Aufstand der Zeichen" davon sprach, dass es tausende mit Markers und Sprühdosen bewaffnete Jugendliche genüge, "um die urbane Signalethik durcheinanderzubringen, um die Ordnung der Zeichen zu stören", stört es anscheinend niemanden, wenn diese Jugendlichen dasselbe tun, was sie sonst machen - nur ohne "Markers und Sprühdosen". Vermummt komische Bewegungen in der Luft zu machen und sich dabei an der Regenrinne festzuklammern, kratzt in diesem Land anscheinend keine Sau. Und das ist für mich das eigentlich Symbolische in diesem Film, auch wenn die typischen Symbole dieser Handlungen - die gesprühten Bilder - hier gar nicht mehr auftauchen.

Ich finde das genial. Die letzte Einstellung sagt es noch einmal laut und bildlich: "Terrorclowns reclaim the streets!" Krasseste Action. Wie würde unsere Stadt wohl heute aussehen, wenn sie mit Zaubertinte gebombt hätten, die erst viel später sichtbar wird ...?!

von  Lukas Bonneberg
Zuletzt aktualisiert: 10.10.2008

Metaebene

"Der Nächste bitte!"

 

"Erst wenn der letzte Beat gerodet,
der letzte Flow vergiftet,
der letzte Beef gefangen ist,
werdet ihr feststellen,
daß man Rap nicht essen kann."

 

Zeiten kommen, Zeiten vergehen. So sieht's aus. Ich habe das Gefühl, dass wir hier gerade wieder einmal vor einem kleinen Paradigmenwechsel stehen. Da bröckelt etwas… zumindest in der deutschen HipHop-Welt.

Marcus Staiger hat's bereits auf Myspace geschrieben, ich verweise auch gerne noch einmal darauf: Manuellsen ist der nächste, der die Schnauze voll hat (checkt seinen Abgesang auf http://www.pottweiler.de, dort "Ihr bringt mich dazu"). Schon vor ein paar Wochen meldeten die Zentralorgane der Szene, dass das Optik-Camp (für alle, die es nicht wissen: das war der Brüter des allseits respektierten Kool Savas) dicht gemacht hat und abgeschrieben wurde. Hat sich in den Zeiten der illegalen Downloads einfach nicht gerechnet. Manuellsen scheint es ebenso ergangen zu sein bei Samy Deluxes Label "Deluxe Records". Allerdings ist der Mann aus dem Pott - im Gegensatz zur Optik Army - sauer auf alle, nur nicht auf sich selbst (siehe Aufnahme).

Ich glaube, da kommen noch mehr. Während Markus Staiger auf die Veränderungen in der Musikindustrie grundsätzlich verweist, möchte ich gar nicht so weit gehen, sondern frage eine Nummer kleiner: Was passiert wohl noch in nächster Zeit, wenn noch mehr, durch diese Ereignisse demotivierte Rapkarriere-Anwärter endgültig feststellen werden, dass sie mit HipHop nichts dauerhaft zu essen bekommen? Da purzeln die Gangster von den Bäumen wie Regentropfen. Marktbereinigung. Who's next? - Ersguterjunge?! Bushido ist doch mehr Geschäftsmann als alle anderen. Sagt er zumindest immer, dann wird er wohl auch hier kühl rechnen… time will tell.

Mir erscheint es irgendwie logisch, dass die wirtschaftliche Misere der Musikindustrie genau im HipHop-Bereich so "auf die Straße" durchschlägt. Seit jeher eine Sparte der großen Worte und großer Gesten haben sich hier in den letzten Jahren so wahnsinnig viele Jungs versammelt, die ihre Attitüde mit eben ihrer vermeintlichen Inkompatibilität zum Rest der Gesellschaft legitimierten. Was ich damit meine? - Ich weiss nicht, wie oft ich mir in den letzten Jahren über meinen Kopfhörer anhören musste, das da jemand rappt, "weil er keine andere Wahl hat, weil er sonst nichts kann und weil das Leben ihn gefickt hat und er jetzt endlich alle anderen ficken kann, weil er jetzt ganz oben ist". Es waren aber viel zu viele!

In kaum einem anderen Musikgenre ist der individuelle Erfolg so offensichtlich in die Repräsentation "billiger Massenkonsumgüter" umgemünzt worden wie im HipHop. Jedes beliebige Musikvideo zeugt davon. "Guck auf die Goldkette" und "Ich bezahl meinen Laptop jetzt in bar" - die Teilhabe und Rückkehr in die gesellschaftliche Mitte führt beim Rap immer noch über industriell gefertigte Statussymbole. Ja, ich weiß, das sind keine neuen Gedanken - und ja, ich weiß, Rap repräsentiert nun einmal seit jeher die "Unterschicht" mit ihren Wertvorstellungen. Aber es sind halt meine Gedanken dazu - und mein Themenblog.

von  Lukas Bonneberg
Zuletzt aktualisiert: 26.01.2009

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Elektronerd

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Ton tragend

K'Naan - The Dusty Foot Philosopher

Darf ich eigentlich mein TIP-Blog für eine banale Plattenrezension missbrauchen? Ich meine, wenn es um Musik geht, dann könnte ich mich ja auch an die Musikredaktion wenden und eine kleine Rezension schreiben… Aber hey! Dies ist mein Blog, mein Raum, und wer glaubt, ich hätte keinen Grund für diesen Blogeintrag, der möge doch einfach weiter klicken. Schließlich geht es in diesem Blog um Musikbegeisterung und HipHop-Kultur und um ein Album, das bereits drei Jahre alt ist.

K'Naan - The Dusty Foot PhilosopherVor einigen Monaten bin ich über einen amerikanischen College-Podcast auf das Album "The Dusty Foot Philosopher" des Rappers K'Naan aufmerksam geworden. K'Naan ist ein Vertreter des in deutschen Gefilden zur Zeit medial recht unterrepräsentierten Felds des "Conscious Rap". Er wurde geboren in Mogadischu und konnte mit seiner Familie 1991 noch knapp dem Bürgerkrieg entfliehen, der die Hauptstadt von Somalia erreichte. Heute lebt er in Kanada.

Abgesehen davon, dass jemand mit einer solchen Biografie von mir 150 Prozent mehr Respekt bekommt als jeder deutsche Gangsterrapper, erscheint mir die musikalische Melange, mit der K'Naan seine reflektierten und sozialkritischen Texte umgibt, sehr interessant und besonders. Über Musik zu reden, ist bekanntlich genauso gut möglich, wie über Architektur zu tanzen. Aber K'Naan hat jedoch genau Letzteres geschafft und lässt mich seitdem durch die Berliner City schweben und all den Obdachlosen ein Lächeln schenken und eine Spende in den Plastikbecher legen. Denn seine Texte und seine Musik erinnern mich jedes Mal daran, wie gut es mir eigentlich geht. Und dieses meine ich in einem positiven Sinne und nicht aus einer übergestülpten Betroffenheitsmentalität heraus.

In schlimmen Momenten klingt seine Musik wie Weltmusik von Peter Gabriel, in den (Gott sein Dank) überwiegenden, guten Momenten ist "The Dusty Foot Philosopher" ein musikalisches Kleinod, welches mir die globale Bedeutung von HipHop mit seinen vielfältigen lokalen Ausprägungen vor Augen führt. Die Beats und Instrumentierung stehen für eine musikalische Ausgewogenheit aus afrikanischen und nordamerikanischen Elementen, traditionelle Instrumente greifen in Elektronik, und bisweilen zaubert er eine schönere 70er Jahre-Rockästhetik hervor, als 50 Kleingruppen mit Gitarren im Volkspark Friedrichshain ("If Rap Gets Jealous"). K'Naan erscheint mir als Weltenschreiter, der die Grätsche zwischen den Kulturen, die sich auch in seiner Biografie spiegelt, wunderbar unprätentiös meistert.

Afrika, Amerika - warum scheint es solche Phänomene nie in deutscher Ausprägung geben zu können? Sind wir Deutsche zu  engstirnig, als dass wir eine solch' weltoffene Mischung musikalischer Stile zelebrieren könnten und nur verbissen und ohne Groove auf unsere Djembé in der Trommelschule einschlagen? Doch auch Berlin hat musikalische Weltenschreiter. Ich möchte an dieser Stelle den Prenz'lberger Damion Davis nennen, der mir musikalisch wie textlich eine ähnliche künstlerische Freiheit und Vielfältigkeit anstrebt wie K'Naan - und dabei seine deutsche Identität ins globale HipHop-Universum trägt.

Ein Wermutstropfen scheint, dass "The Dusty Foot Philosopher" in Deutschland nahezu nicht erhältlich ist. Ich habe meine CD aus Kanada via Internet bestellt, da ich nicht bereit war, die überteuerten deutschen Preise zu bezahlen. Obwohl die Musik auch 30 Euro wert wäre, wenn ich wüsste, dass der Künstler das Geld bekommt. Aber da dies nun einmal nicht so ist, hat sich das Warten - auch im musikalischen Sinne - gelohnt.

Anspieltipp auf YouTube: K'Naan - Strugglin'

von  Lukas Bonneberg
Zuletzt aktualisiert: 26.01.2009

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Heimspiel

Töchterchen (9) sitzt im Arbeitszimmer am Computer und klickt sich durch unseren Lieblingssender "YouTube", als plötzlich ein akustischer Dolch mein rechtes Trommelfell durchstößt:

Sido: "Hey, hallo Kinder!"
Kinder: "Hallo Sido!"
Sido: "Hi Anna, Hi Thorsten und die anderen! Levent, leg' das Handy weg! OK! Soll ich euch mal 'ne Geschichte erzählen?"
Kinder: "Jaaaaaa!"
Sido: "Dann hört zu jetzt…!"

Es ist also soweit - "Augen auf!" hat anscheinend auch den Kreis der Witch-Leserinnen an der Tischtennisplatte auf dem Schulhof erreicht. Der Medienpädagoge in mir erwacht und gerät auch gleich ins Trudeln.

Ich: "Ah, Sido! …und, was denkste?"
Sie: "Eleni hat es auf ihrem mp3-Player."

Mein Gehirn rattert hart: "…wenn sie jetzt die weiteren Vorschläge auf der rechten Seite abmaust, kommt sie auf 'Halt Dein Maul (Dirty Version)', 'Schlechtes Vorbild', und ein paar Klicks weiter landet sie garantiert beim 'Arschficksong' !" Was dann…?! Sollte ich sofort intervenieren? Ein pädagogisches Unter-vier-Augen-Gespräch von Vater zu Tochter einfordern? Mich mit einem ungeübten Hechtsprung auf die Tastatur werfen, mit der Plauze den Bildschirm verdecken und "STROMAUSFALL!" brüllen? Oder gleich präventiv verkumpeln, was ja bekannter Maßen das größte Abschreckungspotential besitzt: "Geil, du hörst auch Sido?! Ich auch! Toller Musikgeschmack, meine Tochter. Wollen wir ins Wohnzimmer gehen und gemeinsam sein erstes Album anhören? 'Mein Block' finde ich auch total schau!"

Sido und der Kinderchor singen inzwischen die Hook:

"... Mama mach die Augen auf.
Treib mir meine Flausen aus.
Ich will so gern erwachsen werden und nicht schon mit 18 sterben.
Heey... Papa mach die Augen auf.
Noch bin ich nicht aus'm Haus.
Du musst trotz all der Schwierigkeiten Zuneigung und Liebe zeigen."

"Sido ist doch ein Fuchs!", schießt es mir durch den Kopf. Dass er mit diesem Song den schwarzen Peter der sozialen Verantwortung an die deutsche Elternschaft weitergereicht hat, habe ich ja bereits in meinem vorletzten Blogeintrag vermutet. Und jetzt stehe ich da und muss feststellen, dass ich in die Enge getrieben wurde. Aus den Boxen schallt die Aufforderung nach einer verantwortungsvollen Elternrolle, der Inhalt dieses Songs ist nicht einmal diskutabel, dahinter lockt der Orkus des abgefuckten Beleidiger- und Straßenraps, und ich kann nicht einmal mehr sagen, ich hätte nichts davon gewusst. Na super.

Während ich noch über derart Vielschichtigkeit sinniere, höre ich meinen Mausklick des Schicksals. Das Lied bricht ab und es schallt aus den Lautsprechern "Guten Tag, Guten Tag, ich will mein Leben zurück!" von "Wir sind Helden".

Sie: "Die haben alle diese komische Maske getragen."

In manchen Momenten ist alles doch nur Pop ohne Diskurs. Danke dafür.

von  Lukas Bonneberg
Zuletzt aktualisiert: 26.01.2009

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Diggin' The Crates Of Culture

Tape Scatching - The Lost Level Shit

Wir über 30-jährigen, die ihre Jugend vornehmlich in den Achtzigern und bis in die Mitte der Neunziger Jahre verbrachten, erinnern uns oftmals romantisierend an die wunderbare Zeit der Compact Cassette. Welcher Junge hat nicht für die Dame seines Herzens Mixtapes in liebevoller Kleinarbeit erstellt. Alles sollte perfekt sein: das Cover, die Schrift und - ganz besonders - die Auswahl der Lieder. Die Auswahl, die richtige Reihenfolge und die Stimmung der Lieder waren enorm wichtig, denn darin lag die kodifizierte Botschaft, die wir Pickelfressen nie im Leben über unsere Lippen gebracht hätten - die Botschaft der Liebe.
Bevor wir Kinder des Kohl-Dynastie in unsere verschwurbelte Andoleszenz stolperten, hatten wir natürlich auch schon Hörspielkassetten. Unsere Eltern wussten sehr wohl, dass sich dieses Medium langlebiger in den Händen ihrer Brut gestaltete, als das empfindliche Vinyl. Und Hand auf's Herz: welcher echte Junge hat nicht einmal seinen kleinen, schmutzigen Zeigefinger rhythmisch auf die Antriebsnabe seines Kassettenrekorders gepresst, nachdem er vorsichtig die Schutzklappe abgebrochen hatte?

Dass man diese Technik perfektionieren, und zudem als eigenes Stilmittel in das HipHop-Universum integrieren kann, hat mir DJ Ramsey aus Scottsdale, Arizona auf meinem Lieblingssender "YouTube" gezeigt. Leichthändig verbindet er beide Welten: die nahezu unkaputtbare Kassettensammlung der Kindheit und die experimentierfreudige Phase der Jugend. Allerdings bekommt hier das Wort "Mixtape" eine ganz andere Bedeutung, da es bei Ramsey seine ursprüngliche Funktion verliert. Er "mixt die Tapes". Wo Vinyljunkies noch zwei 1210er zuhause stehen haben, die aktuelle Kultur maximal mit "Final Scratch" und Laptop den einst elektromechanischen Prozess emuliert, schlägt DJ Ramsey in eine fast vergessene Kerbe der Mediengeschichte: Scratching und Mixing mit zwei Kassettenrekordern und einem Numarkmixer.

Auch in Berlin sieht man ja immer wieder hippe Neopunks mit einem Kassettenprint auf dem Shirt oder der Tasche, die retrospektive "Tape Culture" wird seit einigen Jahren auch in unserer Stadt kultiviert. Aber das "Tape Scratching" hat in Berlin wohl noch nicht Fuß gefasst (wer mich eines besseren belehren kann, bitte melden ;)) Cool.

Neugierig geworden? Check: http://www.youtube.com/watch?v=088AWsTtTFU

von  Lukas Bonneberg
Zuletzt aktualisiert: 26.01.2009

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Moderne Vaterfiguren im deutschen HipHop

Ja, auch ich habe mittlerweile das Video zu Sidos neuesten Atomschlag "Augen Auf" gesehen und fühle mich nur wieder einmal in meinen Thesen bestätigt. Wie es schon in der allwissenden Müllhalde des Internets geschrieben stand, munkelt die Welt, dass Sido Abitur gemacht haben soll. Und nicht nur das, sondern er soll auch noch (wie bei dem demnächst abgewickelten rbb-Produkt "Polylux" getratscht und bei Radio Fritz im O-Ton von Sido bestätigt wurde) eine Erzieherausbildung (oder war es eine zum Kinderpfleger…?) abgebrochen haben. Und er hat einen - mittlerweile wohl schulpflichtigen - Sohn, über den er auf seinem zweiten Album eine herzzerreißende Ballade getextet hat, die sogar Grundschülern Pipi in die Augen treibt. Und jetzt das: "Augen Auf" appelliert Sido und gibt damit den Schwarzen Peter des vermeintlichen Deutsche-Jugend-Verderbers weiter an eine wunderschön disperse Gruppe dieser Gesellschaft, die in ihrer Vielfalt sich garantiert nicht dazu äußern wird: die liebenden Eltern, zu denen nun ja auch Sido zählt. Das ist straighter "pädagogischer Straßendiskurs" und zeugt von praktischen Wissen über die deutsche Blitzableitermentalität.


SidoAber was hat das zu bedeuten? Hat Sido einfach keinen Bock mehr darauf, im gesamtgesellschaftlichen Raum als Role Model für den deutschen "White Trash" zu gelten? - Schon möglich. Hat sein heutiges Leben nahezu nichts mehr mit dem des postpubertären Drogen-Snacker von 2004 zu tun, der eine Maske trägt, wie MF DOOM schon im Jahre des Herren 1997? - Naheliegend. Gibt es Anzeichen, dass die Figur des "Sido" ihren popkulturellen Zenit überschritten hat und auf das Rentenalter zuschreitet? - Offensichtlich. Erzähl' mir einer, dass zur Produktionszeit von "Maske" anno 2003 schon klar war, dass uns in den folgenden Jahren ein akustisches Tryptichon erwartet, welches Max Beckmann nicht hätte besser malen können. Respekt an Aggro Berlin, aber eine solche Voraussicht grenzt schon an den Blick in die Kristallkugel oder die Genialität eines sozialistischen Fünf-Jahres-Plans.

Von "Maske" über "Ich" zum genial-inspirierten Albumtitel "Ich und meine Maske", auf dass es auch dem letzten Nonchecker im Dipset-Wix einleuchte: Sido geht! Und wäscht seine Hände in Desinfektionsmittel bevor er in die bundesdeutschen Pop-Analen Einzug nimmt. Die Trilogie ist vollendet, die silberne Maske wird medienwirksam auf dem Reinickendorfer Friedhof verscharrt und deutscher Gangsterrap kann endgültig den Arsch zumachen. Ich glaube, Sido in jüngster Zeit vermehrt als Produzent auf diversen VÖs verzeichnet gesehen zu haben… Willkommen in der Welt der Verantwortung tragenden Vollzeiterwachsenen!

Im Gegensatz zu vielen seiner gleichaltrigen Geschäftskollegen, hätte es Sido meiner Meinung nach dann endgültig richtig gemacht - Es gibt nichts Neues mehr zu sagen. Das Leben verläuft (schon rein genetisch determiniert) in immer ruhigeren Bahnen und langsam nervt es, aus dem Koffer zu leben und die Erwartungen von hormonüberschwemmten Teenies in mit Schweißnebel getränkten Konzerthallen zu erfüllen, egal wie Scheiße man sich gerade fühlt. Also Scheinwerfer aus und runter von der Bühne und die eigenen Resourcen noch einmal gewinnbringend konvertieren. Ab hinter's Mischpult und die persönlichen Erfahrungen doppelt vergolden, ohne sich die Nächte um die Ohren schlagen zu müssen. So hat es Theresa Orlowski auch gemacht, allerdings mit ihrer Rosette, falls Ihr wisst, was ich meine. Und jetzt behaupte noch irgendjemand, der Mann hätte nicht die Qualität zum Abitur gehabt… Ich werde Sidos drittes Album käuflich erwerben. Es könnte ja sein letztes sein.

von  Lukas Bonneberg
Zuletzt aktualisiert: 26.01.2009

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Sido geht steil…

Jau, Sido ist schon ein Phänomen! Das neue Album sehe ich sowohl technisch als auch inhaltlich als Weiterentwicklung. Auf jeden Fall das beste Pferd im Aggro-Stall. Der Rest… naja, da fallen mir…Lesen »

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