Noch eine Opernbühne

Seltsamer Termin neulich: Die Deutsche Oper eröffnete ihre neue Experimentalbühne, die Tischlerei, mit einer eher überflüssigen Premiere. Dass die Inszenierung nicht fertig wurde und weit hinter den Möglichkeiten der Regisseurin Nicola Hümpel und ihrer Compagnie Nico & the Navigators blieb, dass am Gebäude bis zuletzt gebaut wurde – geschenkt. Das ist der berlin-typische Charme des Provisorischen.
Interessanter ist die Frage, die Peter Uehling in der „Berliner Zeitung“ stellt: Wie will die Deutsche Oper die Bespielung ihrer neuen, mit 1,5 Millionen Euro vom Land Berlin finanzierten Nebenspielstätte auf Dauer sichern? Mit der nächsten Tarif­erhöhung kommt auf die Bühnen ein gewaltiger zusätzlicher Finanzbedarf zu. Er wird kaum in voller Höhe vom Subventionsgeber aufgefangen werden. Allein bei der Opernstiftung schlägt die Tariferhöhung mit 19 Millionen Euro zu Buche. Alle Akteure bereiten sich schon mal diskret auf Verteilungskämpfe vor. Mittel, die sich eine Institution zusätzlich sichern kann, könnten andernorts fehlen. Das bedeutet: Wenn der Deutschen Oper nicht das Wunder gelingt, die Bespielung ihrer neuen Nebenbühne komplett von Sponsoren finanzieren zu lassen (um deren Gelder auch andere Bühnen werben), steht der teure Neubau in Zukunft sehr oft leer. Oder man entzieht anderen Kulturinstitu­tionen Mittel, um der Deutschen Oper ihre Nebenbühne zu gönnen. Für Künstler aus der Freien Szene, aus der auch Nico & the Navigators kommen, für kleine Bühnen, die sich mit vielen Ideen und minimalen Mitteln Publikum und Renommee erspielt haben, wie die Neuköllner Oper, das Radialsystem, die Halle oder der Heimathafen Neukölln, muss die Eröffnung ­dieser neuen Opernbühne wie ein Affront wirken.

von  Peter Laudenbach
Zuletzt aktualisiert: 06.12.2012

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