Provinz

Vor
zehn, zwanzig Jahren waren freie Theater wie das TAT in Frankfurt, das
Berliner Hebbeltheater
oder Kampnagel in Hamburg aufregender als die Stadttheater. Jetzt managt
Brigitte Fürle die Berliner «spielzeit.europa» bei den Berlinber
Festspielen. Früher holten die Festival-Macher die Welt nach Berlin. «Heute ist
Berlin die Welt», glaubt Brigitte Fürle. Das spart Geld. Und es spart der
Festivalmacherin die Mühe, Entdeckungen zu machen. Fürle lädt die Berlinerin
Sasha Waltz zur diesjährigen Spielzeit Europa gleich mit 2 Produktionen ein,
die man beide schon andernorts in Berlin sehen konnte. So demonstriert das hoch
subventionierte Festival seine eigene Überflüssigkeit. Die Spielzeit Europa
Fürle produziert des weiteren das neue Stück der Ersten Solistin am
Staatsballett, Nadja Saidakova. Saidakovas Kunst wird von ihrem Dienstherrn
Vladimir Malakhov in ein kleines Format mit dem bösen Namen «Shut
up and dance» versteckt.

Von
Sasha Waltz weiß jeder, dass sie in Berlin zu wenig
Geld bekommt. Dafür kennt sie jeder, das ist nicht schlecht für Brigitte Fürle.
Namhafte Künstler machen volles Haus – und genau das ist offenbar Fürles
Hauptintereresse und ihre einzige Strategie: Mit der Prominenz der Künstler
Publikum ins große Haus der Berliner Festspiele locken. Kombiniert man die
Heimischen mit
den Weltläufigen, stellt etwa den chinesischen Choreografen Shen Wei aus New
York an die Seite von Sasha Waltz, könnte es noch mehr Geld geben: aus
guten deutsch-chinesischen
Handelsbeziehungen. So wird gedacht. «Jahrelang», sagt Brigitte
Fürle, «haben wir die Amerikaner gepäppelt, Robert Lepage oder Robert Wilson,
jetzt sind wir dran.» So klingt offensiver Provinzialismus.

 

Arnd
Wesemann 

 

von  Peter Laudenbach
Veröffentlicht: 21.11.2009 , Zuletzt aktualisiert: 21.11.2009
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