Heimatgefühle

„Fährst Du dieses Jahr?“. Das ist tatsächlich eine Frage, die jeder sofort versteht. Ja, ich fuhr. Jeder, der noch keine eigene Familie hat, fährt doch Weihnachten zu seinen Eltern. Der Schock kommt wie immer am Bahnsteig. Wer in die Provinz muss, fragt sich, kaum aus dem Zug gestiegen, sogleich: „Wie komme ich hier raus?“ Zumindest solange, bis Mamas fetter Entenbraten über die Tage auch den letzten Rest Rebellion in Gleichmut und Apathie verwandelt hatte. Und man entweder nur noch vor der Glotze saß oder den einzigen, in der Heimat gebliebenen Freund in dessen Kinderzimmer besuchte. Kolja Mensings überarbeitetes Buch von 2003 bietet jedoch feine Essays und liebenswerte Storys über das Leben in der Provinz, die einem den Weihnachts-Aufenthalt geradezu schmackhaft machen konnten. Beispiele: Wo, wenn nicht auf dem Land kann man stolz sein, bei den Bundesjugendspielen mitgemacht zu haben (weil man auf der Urkunde die Unterschrift des Präsidenten erhielt und damit auch „am Rande der Republik die Aufmerksamkeit höherer Staatsgewalt“ auf sich ziehe)? Wo sonst hätte das Jugendzentrum entstehen können, jene „größte autonome Massenbewegung von Jugendlichen auf dem Land“? Wer dann auch noch, wie Mensing, die „Zurück in die Zukunft“-Zeitreisen-Trilogie als Triumph der Klein- über die Großstadt verortet, der hat sein Herz noch immer am rechten Fleck. Nur eines stimmt nicht mehr, auch wenn sich die Gerüch(t)e noch immer hartnäckig halten: In der friesischen Discothek „Tunis“ wird schon lange nicht mehr barfuß getanzt. Davon hatte ich mich dieses Jahr wieder einmal selbst überzeugen können.


 
Kolja Mensing „Wie komme ich hier raus?“, Verbrecher Verlag, 180 Seiten, 12 Euro
Buchpremiere: Monarch, Skalitzer Straße 134, Kreuzberg, Di 12.1., 20.30, Eintritt: 4 Euro. 

von  Sassan Niasseri
Veröffentlicht: 07.01.2010 , Zuletzt aktualisiert: 07.01.2010

In der Hölle schmoren die Unschuldigen

In seinem brillanten, verstörenden Roman „Glister“ erzählt John Burnside eine Geschichte über verkommene Moral.
 
Die Fabrik verpestet jedes Leben in der kleinen Stadt: „Gift fließt in den Adern dieses Waldes, im Saft der Bäume, in jeder Krume des Lehmbodens.“  Und es vernichtet Leben. Jungen verschwinden spurlos. Einer nach dem anderen geht im Wald verloren, doch die abgestumpfte Bevölkerung geht der Sache nicht nach. Dabei muss man nicht erst in den Wald marschieren um den Teufel zu suchen – er findet einen auch so. Das zumindest glaubt der Polizist Morrison, der sich vom Leibhaftigen bestraft fühlt. Er hat als Einziger eine der Kinderleichen gesehen, erhängt, wie eine Weihnachtskugel am Baum. Weil er vom Fabrikbesitzer für sein Schweigen bezahlt wird, versinkt er in Depressionen. Der fünfzehnjährige Leonard, ein Streuner, wiederum gibt die Suche nach seinem verschwundenen Kumpel nicht auf; doch auch Leonards älterer Freund, der „Mottenmann“ genannte Bibliothekar John und einzige Feingeist im Kaff, weiß mehr, als er zugeben will.
 
Der Wald ist wie ein dunkler Märchenwald, und die Stadt ist eine Stadt der Sünde und Unterlassung, mit Menschen ohne Moral und Verantwortungsbewusstsein. Wer sich dann doch erhebt und auf der Suche nach dem Täter Rache übt für die Kindermorde (oder das Schweigen über die Morde), macht das nach pseudoreligiösen Vorstellungen von Sühne und Vergeltung. Die ergeben aber manchmal durchaus Sinn. Nicht umsonst, schlussfolgert eine der Figuren, landen nicht die Schuldigen, sondern die Unschuldigen in der Hölle – sonst wäre es ja keine Hölle. Aber wer will schon deshalb lieber zu den Schuldigen gehören?
 
John Burnside findet dafür eine brillante, poetische Sprache, die verstört, weil sie so mitfühlend ist und aus der gestörten Wahrnehmung seiner Protagonisten erzählt, die stets glauben ehrbar zu handeln. Daraus wird auch deutlich, wie sehr der Autor selbst an das Gute im Menschen glaubt. Aus jeder Zeile wird klar, wie sehr Burnside seine verkommenen Figuren liebt. Den sadistischen Anführer der jugendlichen Gang, Morrisons geisteskranke Frau Alice oder den rebellischen Leonard, der aus Verzweiflung über sein von Anfang an chancenloses Dasein selbst eine mörderische Tat begehen wird. Das Leben ist für ihn gelaufen: „Mehr als fünftausend Tage habe ich diese Luft geatmet, mehr als sieben Millionen  Minuten lang die Rußflocken. Man sagt, die Zukunft sei uns ins Blut geschrieben – und man muss zugeben, vor der Chemie gibt es kein Entrinnen.“ Dass er sich dennoch über sein Leben erheben wird, ist der Hoffnungsschimmer in diesem leidenschaftlich erzählten Roman.


John Burnside, „Glister“, aus dem Englischen von Bernhard Robben, Knaus, 288 Seiten, 19,95 Euro.

von  Sassan Niasseri
Veröffentlicht: 04.01.2010 , Zuletzt aktualisiert: 04.01.2010

Frohe Weihnachten


 Wichtige Preise (Bram Stoker Award, International Horror Guild Award) und ein wie immer lautes In-your-face-Vorwort von Dietmar Dath („...pazifistisches Pamphlet greift das ekelhafte Heimatfrontlärmen massenmedialer Kriegsgleichschaltung an“) trompeteten „Dawn Song“, dem neuen Roman von Michael Marano, voraus. Darin kehrt ein verführerischer weiblicher Dämon in Boston ein, der seine Opfer aussaugt und das Blut seinem dunklen Herrn zur Stärkung darreicht. Das alles geschieht zur Weihnachtszeit 1990, und wer sich über das Datum wundert, wird in „Dawn Song“ sogleich mit Allegorien zugeschüttet: Der erste Golfkrieg steht vor der Tür, die Supermacht USA zeigt ihr dämonisches Antlitz, indem es seine Bürger durch die seelenlosen Stimmen von CNN verblödet, nebenbei zu Mord aufruft, wenn die eigenen, dünnhäutigen Reservisten ungestraft durch Boston prügeln, um den „öligen Araberärschen“ auf den Straßen schon mal eins mitzugeben; außerdem befindet sich die Hauptfigur, der schwule Buchverkäufer Lawrence, in ständiger Angst vor Aids. Der Teufel, der Teufel. Es sind schlechte Zeiten, und es werden noch schlechtere Zeiten, schreit dieses Buch von jeder Seite – da wird dann auch gleich noch der Golfkrieg von 2003 vorweggenommen („Ein Opfer auf dem Altar, dem Dämon zu Ehren“). Nur erschöpft sich diese quasi-religiöse Geschichte sehr bald in einer überladenen und schwer durchschaubaren Sprache, die sich selbst genügt. Wir verabschieden uns deshalb über Weihnachten und ins neue Jahr mit einer Frage Maranos nach dem Leben im Jenseits: „Könnten nicht verfeinerte Vorstellungen von der Verdammnis dazu dienen, den Prozess der Verdammnis zu sublimieren, damit der Abstieg einer Seele zur Hölle nicht zu ihrer Vernichtung führt, sondern zur Transformation?“.



 
Michael Marano, „Dawn Song“, Suhrkamp, 572 Seiten, 14,90 Euro.

von  Sassan Niasseri
Veröffentlicht: 04.01.2010 , Zuletzt aktualisiert: 04.01.2010

Keiner läuft vor Geld davon

Frankie Machine – Wer so heißt, kann nicht einfach nur Angelverkäufer sein.
Don Winslows Roman über einen Mafiakiller im Ruhestand.

 
Frank Macchianno ist genervt von den zwei klugscheißenden jungen Killern,
die ihm ihre Philosophie erklären. Ihr Mord-Motto: „Rein geschäftlich. Ist
nichts Persönliches.“ Erhielte Frank für dieses Blabla jedes Mal zehn Cent,
wäre er jetzt wohl reich. Denn Frank ist nicht nur kalifornischer
Angelladenbesitzer, sondern er ist Frankie Machine, verdeckter Mafiakiller
im Ruhestand. Und er hasst das „Nichts-Persönliches“-Zitat, weil es jeder
Grünschnabel seit „Der Pate“ in sein Repertoire aufgenommen hat.
 
„Frankie Machine“ demontiert die Klischees, die wir von der Mafia, und auch
all die Klischees, die wir von Mobsterfrauen kennen („Mach mir nicht die
Diane-Keaton-Nummer!“). Don Winslow erzählt von einem alternden Zyniker, der
an seinen Gebrechen verzweifelt, aber auf der Flucht vor seinen Killern ein
letztes Mal beweisen wird, dass Old School einfach unschlagbar ist. Und der
so stakkatohaft seine Weisheiten raus- und die anderen kleinhaut, dass man
sich dabei bildhaft vorstellen kann, dass nur er selbst sich gefährlich
werden dürfte. Das Wer-ihn-jagt-und-warum ist daher wesentlich
uninteressanter als die Art, mit der Frankie seine Häscher (allein die
Namen! Big MacManus!) jedes Mal überlistet, und wie er sich ärgert, dass er
wegen falscher Mahlzeiten aus der Puste gerät („Jill hatte recht mit dem
roten Fleisch“).  
 
Autor Winslow, dessen Vita ihn immerhin als Privatdetektiv ausweist,
verbindet kleine Weisheiten über Mordmethoden (signiere nie deine Arbeit:
benutze eine fremde Waffe) mit Jungenträumen, in denen Abhängen mit dem Mob
so ist, als würde man für immer in der Schule abhängen: Man redet über
Mädchen und Schwänze. Die Ernüchterung erfolgt daher weniger während
Frankies Arbeit bei der Mafia als durch die Geschehnisse Ende der Sechziger,
Anfang der Siebziger in der Politik: Nixon und Watergate, Verbrechen des
Staates. Winslow verwebt Frankies Aufstieg mit der Zeit großer Mafia-Mäzene,
die Senatoren nach Belieben schmieren konnten, und bezieht Ex-Präsident
Nixon gleich mit ein. Die eigentlichen organisierten Verbrecher sitzen in
der Regierung. Frankie ist ein Krimineller. Aber ein falsches Spiel, das
spielt er nicht.


 
Don Winslow, „Frankie Machine“, Suhrkamp, 364 Seiten, 8,95 Euro.

von  Sassan Niasseri
Veröffentlicht: 04.01.2010 , Zuletzt aktualisiert: 04.01.2010

Keiner läuft vor Geld davon

Frankie Machine – Wer so heißt, kann nicht einfach nur Angelverkäufer sein.
Don Winslows Roman über einen Mafiakiller im Ruhestand.

 
Frank Macchianno ist genervt von den zwei klugscheißenden jungen Killern,
die ihm ihre Philosophie erklären. Ihr Mord-Motto: „Rein geschäftlich. Ist
nichts Persönliches.“ Erhielte Frank für dieses Blabla jedes Mal zehn Cent,
wäre er jetzt wohl reich. Denn Frank ist nicht nur kalifornischer
Angelladenbesitzer, sondern er ist Frankie Machine, verdeckter Mafiakiller
im Ruhestand. Und er hasst das „Nichts-Persönliches“-Zitat, weil es jeder
Grünschnabel seit „Der Pate“ in sein Repertoire aufgenommen hat.
 
„Frankie Machine“ demontiert die Klischees, die wir von der Mafia, und auch
all die Klischees, die wir von Mobsterfrauen kennen („Mach mir nicht die
Diane-Keaton-Nummer!“). Don Winslow erzählt von einem alternden Zyniker, der
an seinen Gebrechen verzweifelt, aber auf der Flucht vor seinen Killern ein
letztes Mal beweisen wird, dass Old School einfach unschlagbar ist. Und der
so stakkatohaft seine Weisheiten raus- und die anderen kleinhaut, dass man
sich dabei bildhaft vorstellen kann, dass nur er selbst sich gefährlich
werden dürfte. Das Wer-ihn-jagt-und-warum ist daher wesentlich
uninteressanter als die Art, mit der Frankie seine Häscher (allein die
Namen! Big MacManus!) jedes Mal überlistet, und wie er sich ärgert, dass er
wegen falscher Mahlzeiten aus der Puste gerät („Jill hatte recht mit dem
roten Fleisch“).  
 
Autor Winslow, dessen Vita ihn immerhin als Privatdetektiv ausweist,
verbindet kleine Weisheiten über Mordmethoden (signiere nie deine Arbeit:
benutze eine fremde Waffe) mit Jungenträumen, in denen Abhängen mit dem Mob
so ist, als würde man für immer in der Schule abhängen: Man redet über
Mädchen und Schwänze. Die Ernüchterung erfolgt daher weniger während
Frankies Arbeit bei der Mafia als durch die Geschehnisse Ende der Sechziger,
Anfang der Siebziger in der Politik: Nixon und Watergate, Verbrechen des
Staates. Winslow verwebt Frankies Aufstieg mit der Zeit großer Mafia-Mäzene,
die Senatoren nach Belieben schmieren konnten, und bezieht Ex-Präsident
Nixon gleich mit ein. Die eigentlichen organisierten Verbrecher sitzen in
der Regierung. Frankie ist ein Krimineller. Aber ein falsches Spiel, das
spielt er nicht.


 
Don Winslow, „Frankie Machine“, Suhrkamp, 364 Seiten, 8,95 Euro.

von  Sassan Niasseri
Veröffentlicht: 04.01.2010 , Zuletzt aktualisiert: 04.01.2010

Glücksmaschinen

Weihnachtszeit ist nicht nur die Zeit der Glühweinbuden. Sondern auch die Zeit der blinkenden und scheppernden Kirmeskarussels. Was hat der Krach mit dem Weihnachtsmann zu tun? Nichts. Aber über den Rummel nachzudenken lohnt sich. Der von Sacha Szabo herausgegebene Reader „Kultur des Vergnügens“ beleuchtet die Welt der Fahrgeschäfte vom 18. Jahrhundert bis heute. Der Rummelplatz bietet Vieles: die Chance, vor anderen Stärke zu beweisen; außerdem das „technische Generieren von Emotionen durch kinetische Energie“, sprich: Rauschgefühle, Transzendenzerfahrungen durch Geschwindigkeit.

 
Eine der ersten Achterbahnen war der „Automobilflug“ von 1906, bei dem man, bei den heutigen Sicherheitsvorkehrungen undenkbar, mit einem Gefährt nach einer Rampenfahrt 15 Meter durch die Luft flog. Für den Erfolg des Auto-Scooters wiederum hat der im Sammelband interviewte Achterbahn-Ingenieur Wolfgang Stengel eine einfache Erklärung: „Da fahren Leute mit, die noch keinen Führerschein haben.“ Die Skooter waren früher eine gefährlichere Angelegenheit als die Achterbahn. Denn beim Funkensprühen an den Stromnetzen oben fielen oft Zinktropfen herab – „die Augenärzte im Bereich der Festplätze hatten alle zu tun.“  Etwas ruhiger, aber gesellschaftlich nicht minder relevant war das einfache Kreiskarussell um 1900: Heute mit seinen Verzierungen und Malereien eher eine mobiles Kunstmuseum, bediente es als „Imaginationsmobil“ die Träume einer Art Reisegruppe, in der sich Menschen jedes Alters, Geschlechts und Standes gemeinsam und mit viel Schwung in andere Welten hineinträumten. Der Drehschwindel erzielt dabei ähnliche Glücksgefühle wie die bis heute in verschiedenen Kulturen durchgeführten Trance-Tänze.
 
Die Betreiber von Fahrgeschäften haben es heute immer schwerer, der Umsatz bricht allerorten ein. Das Blinken und Hupen ihrer Karussells ist ein Hilfeschrei.

Sacha Szabo (Hrsg.), „Kultur des Vergnügens: Kirmes und Freizeitparks - Schausteller und Fahrgeschäfte. Facetten nicht-alltäglicher Orte“, Transcript, 331 Seiten, 29,80 Euro.

von  Sassan Niasseri
Veröffentlicht: 09.12.2009 , Zuletzt aktualisiert: 09.12.2009

Festschriften für Weihnachten

Jesus

Paul ist Mitglied im kalifornischen „Jesus-Seminar", wo Theologen darüber diskutieren, inwieweit der Sohn Gottes auch nur Mensch gewesen ist. Paul ist aber nicht irgendein Paul, sondern Paul Verhoeven, Regisseur von „Robocop", „Basic Instinct" und „Total Recall". Das sollte man nicht gegen ihn verwenden. Auch wenn er in seiner klugen Analyse des Neuen Testaments gerne über „Spin", Drehbücher und Spezialeffekte schreibt, auf die die „Redakteure" der Bibel in ihrer Geschichtsschreibung zurückgegriffen hätten. Verhoeven will seiner Regisseur-Rolle nicht krampfhaft entfliehen, das macht ihn sympathisch. Sein Urteil: Jesus ist tot. Sein Geist ist vernichtet, genau wie der Geist Einsteins oder Mozarts. Eine physische Auferstehung hat nie stattgefunden.
Paul Verhoeven, „Jesus: Die Geschichte eines Menschen", Pendo, 304 Seiten, 19,95
Für: Bibelinteressierte, die sich vorstellen könnten, dass Jesus …

Die Karte meiner Träume

Wir lesen: „Das Schaukelpfad regte sich nicht.  Das Zimmer regte sich nicht." Am linken Seitenrand sehen wir die schöne Zeichnung eines Schaukelpferds, darunter der Tagebucheintrag: „Oh, es fehlt mir." Reif Larsens „Die Karte meiner Träume" ist mehr als ein Roman. Es ist das Tagebuch eines 12-jährigen Jungen, der seinen Aufbruch von einer Ranch und die Reise in die Stadt mit allerlei Zeichnungen, Karten und Diagrammen versehen hat, die widerspiegeln, was in einem jungen Menschen vorgeht, wenn ihm viele Worte fehlen. Selten wurde Adoleszenz so phantasievoll geschildert.
Reif Larsen, „Die Karte meiner Träume", S. Fischer, 435 Seiten, 22,95 Euro.
Für: Kartenleser und solche, die zwischen den Zeilen lesen wollen.


Klassiker der Filmmusik


„Sanguis bibimus, corpus edimus, tolle corpus Satani, ave!“. Nein, bei diesem Choral handelt es sich, man ahnt es schon am „Satani“, nicht um die Lobpreisung Gottes. „Ave Satani“ stammt aus Jerry Goldsmiths Soundtrack „Das Omen“. Wir erfahren vom Musikwissenschaftler Peter Moormann, dass Goldsmith „Glissandi heulen“ ließ, kombiniert mit der „Flatterzunge der Flöte“. Man muss das nicht verstehen, den Zauber der Musik verdeutlicht Moormann durch konkrete Szenenbezüge samt Notenabbildungen. „Jaws“ ist dabei, Moroders „Midnight Express“ und „Conan der Barbar“ – über James Horners unangenehm süßlichen „Titanic“-Score lässt sich streiten. Aber das ist ja gerade der Sinn eines Kanons.
Für: Cineasten. Und diejenigen, die am Klavier unter dem Weihnachtsbaum Höllisches intonieren möchten.
Peter Moormann (Hrsg.), „Klassiker der Filmmusik“, Reclam, 309 Seiten, 880 Seiten

Bonbon aus Wurst

Keiner hat ihn je besser charakterisiert als Friedrich Küppersbusch: „Helge Schneider siedelt an der Nahtstelle zwischen selbstgedrehtem Joint und Vaters Korn“  (oder so ähnlich). Schneider vereint die Coolness des Rebells mit dem Traditions- und Heimatbewusstsein der Elterngeneration aus dem Ruhrpott, in der statt „Jazz“ noch „Jatz“ gesagt wurde. Noch besser als die Buch-Autobiographie ist deshalb das Hörbuch, in dem Schneider unbeschreiblich lustig den Jazz-Proletarier, Superstar, Schlittenunfallkind, gehörnten Ehemann und Sprachinvaliden gibt, so dass man ihm den ausnahmsweise schlechten Witz („Ihr Vater war Graf. Pornograf“) gerne nachsieht. Er ist eben einfach besser „wie“ alle anderen.
Helge Schneider, „Bonbon aus Wurst“, Roof Music, 19,95 Euro


Handbuch der Fantasykunst


John Howe hat Humor. „Zeichnungen können mit so ziemlich allem angefertigt werden, was man halten kann“, schreibt er in „Handbuch der Fantasykunst“, in dem er Schritt für Schritt anleitet, wie man ein surreales Bild malt. Nur: So großartig malen wie der „Herr der Ringe“-Filmillustrator, das kann man nicht so einfach lernen. Die Fantasie muss man erst mal haben. Eine schöne Werkschau ist der Bildband, mit seinen Türmen, Wäldern und Fabelwesen allemal. Howe macht die Illusion glaubhaft. Oder, wie Terry Giliam im Vorwort schreibt: „Er versteht das Moos. Er weiß, dass Steine eine Seele haben.“
Für: Rollenspiel-Freaks, „Herr der Ringe“-Fans, Nerds und solche, die schon im Kunstunterricht gerne Grenzen übertreten haben.
John Howe, „Handbuch der Fantasykunst“, Heel, 121 Seiten, 19.95 Euro.


Jenseits

Welche Vorstellungen haben Kinder vom Jenseits? Was träumen wir, wenn wir Angst haben? In ihrem Graphic Novel „Jenseits“ erzählen Fabien Vehlmann sowie Marie Pommebuy und Sébastien Cosset alias Kerascoet die märchenhafte, mit vielen versteckten Bedeutungen versehene präsexuelle Geschichte von einer Gruppe Kinder, die sich in einem Wald ihre Zeit mit Versteckspielen versüßen, und sei es in der Augenhöhle einer toten Riesin. Man versteht nicht alles, aber was man sieht ist hinreißend.
Kerascoet & Fabien Vehlmann, „Jenseits“, Reprodukt, 96 Seiten, 18 Euro
Für: Märchenleser, die eben nicht immer verstehen wollen, wofür genau jedes Symbol steht.


Die Arena
 
Der Inhalt von „Die Arena“ liest sich zunächst so, als hätte Stephen King beim „Simpsons“-Kinofilm abgeschrieben: Eine Stadt – aber nicht Springfield – wird durch eine Kuppel komplett von der Außenwelt abgeschnitten, keiner kommt mehr raus. King sagt, und das glauben wir dem sonst so schnellen Schreiber ausnahmsweise mal, er habe seit Jahrzehnten an der „Arena“ gearbeitet. Ist auch egal. Er, der den Teufel in so Unterschiedlichem wie Autos, Bernhardinern, Gemälden und Clowns entdeckte, wird uns mit seiner Parabel über unfreiwillige Quarantäne sicherlich erneut überraschen. Vielleicht ja auch mit Reflektionen über das Alter, denn darin wird er immer besser.
Stephen King, „Die Arena“, Heyne, 1280 Seiten, 26,95 Euro.   
Für: Eremiten, Schweinegrippe-Ängstliche und Besserwisser, die King mit Homer Simpson vergleichen wollen.

Der Krieg des Achill

Im Kampf um Troja hat Achilles seinen Widersacher Hektor getötet. Denn Hektor brachte zuvor Achilles Vetter Petroklos um. Achilles hatte also seine Revanche. Triumphiert er?  Keineswegs. Die „Ilias" ist keine Heldengeschichte, sondern die Geschichte der Toten, der sinnlos Getöteten, ja, eine Anklage gegen den Krieg überhaupt. So interpretiert Caroline Alexander, die bereits den epischen Stoff der "Meuterei auf der Bounty" bearbeitete, Homers Sage neu. Der tragische Hektor, er hatte nie eine Chance.
Caroline Alexander, „Der Krieg des Achill: Die Ilias und ihre Geschichte", Berlin Verlag, 318 Seiten, 24,90 Euro.
Für: Geschichtsinteressierte, die sich nicht immer nur mit Sandalenfilme weiterbilden möchten.

The Rest is Noise

Strauss, Mahler und das Fin de Siecle. Gershwin. Berlin den Zwanzigern. Gestische Musik? Zwölftonmusik! Appalachian Spring, Radikale Rekonstruktion: Boulez und Cage. Ligeti. Bepop. Sonic Youth. 687 Seiten umfasst „The Rest is Noise – das 20. Jahrhundert hören" von Alex Ross, dem Musikkritiker des „New Yorker".  Nun, wer Ross' These „Das überkompakte Zwölftonmaterial von Weberns Klaviervariationen mutiert im Laufe von ein oder zwei Generationen zu La Monte Youngs „Second Dream of the High-Tension Line Stepdown Transformer" bereits versteht, muss das Buch nicht lesen. Ansonsten: Pflicht.
Alex Ross, „The Rest is Noise", Piper, 687 Seiten, 29,95 Euro.
Für: Musikhörer, die sich an Neue Musik noch nicht recht herangetraut haben.

Endloses Bewusstsein

Wenn jemand kurz vor dem Sterben ist, feuern die Gehirnneuronen, was das Zeug hält: So, erklären Neurologen, entstehen Nahtoderfahrungen á la „Ich sehe das Licht“. Was aber, wenn Nahtoderfahrene nach ihrer Rückkehr ins Leben von Dingen berichten, die sie gar nicht wissen dürften? Etwa von einem himmlischen Treffen mit dem verstorbenen Opa, den sie nun exakt beschreiben, aber nie kennen gelernt hatten? Genau das bringt einen zum Nachdenken. Anhand wissenschaftlicher Befunde – vor allem Interviews – erklärt der Kardiologe Pim van Lommel, dass es ein Bewusstsein gibt, das nicht körpergebunden und dauerexistent ist. Das kann Gott bedeuten. Wer nicht daran glaubt, erhält dennoch einen faszinierenden Einblick in den schmalen Korridor, der vom Leben zum Tod führt.
Pim van Lommel, „Endloses Bewusstsein: Neue medizinische Fakten zur Nahtoderfahrung“, Patmos, 456 Seiten, 24 Euro.


Vom Fleck weg

Haushaltstipps stehen zwar in jeder Hausfrauenzeitschrift, selten aber waren sie so stilvoll – mit schicken Schwarz-Weiß-Zeichnungen von so banalen Dingen wie beispielsweise Schrubbern – illustriert als auch praktisch kategorisiert wie in Erica Matiles (Sammlung) und Cecilé Grafs (Gestaltung) Ratgeber mit „1000 Tipps und Tricks für unser tägliches Leben". Die Haushaltstipps sind jahrzehntelang erprobt, ökologisch sinnvoll und beziehen Recycling mit ein. Heute wird ja alles weggesprüht und powergecleant, damals waren man auf Einfallsreichtum angewiesen. Weiße Wäsche waschen? "Diese wird strahlend weiß und fleckenfrei, wenn man ihr beim Waschen Zitronenscheiben beifügt". Wer sagt's denn. Geht auch ohne "Weißer".
Erica Matile, „Vom Fleck weg", Salis, 206 Seiten, 19,90 Euro.
Für: ökobewusste Hausmänner/-frauen, die nicht immer alles aus der "Für Sie" ausschnippeln wollen.

J Robert Oppenheimer

Was für ein Wurf. Knapp 30 (!) Jahre haben die Autoren Kai Bird und Martin J. Sherwin an ihrer Biografie über den "Vater der Atombombe" recherchiert, Interviews mit der Familie geführt, sowie tausende FBI-Aktien und Verhörprotokolle ausgewertet. Der Physiker wurde in den Fünfzigern in seiner Heimat USA als Antikommunist denunziert, weil er die noch schlimmere Waffe, die Wasserstoffbombe, ablehnte.  20 Jahre lang überwachte ihn der Geheimdienst, ohne ihn als Spion überführen zu können. Das spannende Porträt zeigt Oppenheimer als knallharten Strategen („Was ist, wenn die Nazis sie als Erste haben"?), der nach Hiroshima und Nagasaki zum ebenso leidenschaftlichen Befürworter der Atomwaffenkontrolle wurde. Das machte ihn verdächtig.
Kai Bird, Martin J. Sherwin, „J. Robert Oppenheimer: Die Biographie", Propyläen-Verlag, 672 Seiten, 29,95 Euro.
Für: Atombombengegner (sie werden bestätigt) und Atombombenbefürworter (sie werden eines Besseren belehrt).

von  Sassan Niasseri
Veröffentlicht: 01.12.2009 , Zuletzt aktualisiert: 01.12.2009

Er starb für Öl, Geld und Macht


 
Footballstar Patrick Tillmann zog in den „Krieg gegen den Terror“ in
Afghanistan. Er starb durch die Schüsse seiner Kameraden. In „Auf den
Feldern der Ehre“ erzählt Jon Krakauer seine Geschichte.
 
Die Einsicht kam, aber sie kam zu spät. Die einzige Rechtfertigung für den
Krieg, schreibt Patrick Tillman in sein Tagebuch, ist die imperiale Laune
der USA. „Aber ich habe freiwillig zugestimmt, in diesem Spiel
mitzuspielen.“ Er wolle kein Held sein. Wenig später hat Tillmann seinen
ersten Kriegseinsatz in Afghanistan. Er stirbt im Kugelhagel seiner
Kameraden, die ihn, als er hinter einem Felsen Position bezog, für einen
Gegner hielten.
 
Für die Propagandamaschinerie der US-Streitkräfte hat sich der Fall Tillman
damit von einem Coup in einen Albtraum verwandelt. Denn Tillman war kein
Unbekannter, sondern Amerikas prominentester Soldat. Ein Footballstar, der
einen Millionenvertrag ablehnte, um nach dem 11. September in den „Krieg
gegen den Terror“ zu ziehen. Zunächst hatte Verteidigungsminister Rumsfeld
Tillmans Entscheidung zum Kriegsdienst als Propaganda für einen
Patriotismus, der keine Klassenschranken kennt, benutzt. Nun standen die
PR-Strategen im Weißen Haus vor dem Problem, dass ihr bekanntester Soldat
ausgerechnet durch „Friendly Fire“ ums Leben kam. Das ließ sich nicht
vertuschen, auch wenn die Armee Beweise vernichtete und zunächst den Taliban
die Tötung in die Schuhe schob.
 
Der scheinbar ehrenvolle Tod wurde zur PR-Tragödie, Tillmans Tod ein
weiteres Kapitel der unrühmlichen Bush-Politik, die sich in Kriegszeiten
noch mehr als sonst in ihren Lügen verhedderte.
 
Der Journalist Jon Krakauer erzählt die Geschichte Patrick Tillmans vor dem
Hintergrund der Ereignisse vor und nach dem 11. September, so, wie ihn
Familie, Kollegen und Vorgesetzte beschrieben, er zitiert aus seinem
Tagebuch. Er liebte sein Land, so simpel wie klar war seine Botschaft, das
Millionenangebot der NFL spielte keine Rolle. Minutiös und detailgetreu bis
hin zur Art der benutzen Waffen, Funksprüche sowie der Patrouillenroute
berichtet Krakauer von Tillmans Einsätzen. Dabei gelang ihm das sensible
Porträt eines Mannes, der idealistisch, intelligent, verantwortungsbewusst,
aber voller Zweifel war, wie sinnvoll Gewalt ist. Und der ahnte, dass sein
Dienst in die falschen Hände spielt, sein Tod als Propaganda ausgeschlachtet
werden würde. Er wolle nicht, schrieb er, dass sie ihn später durch die
Straßen tragen.
 
„Wenn ich an diesem Tag getötet worden wäre“, sagt der Soldat Mel Ward,
„hätte nie jemand erfahren, was wirklich passiert ist, weil ich nicht
berühmt bin. Ich bin nicht Pat. Ihr ganzes Leben hätte meine Frau
angenommen, ich sei gestorben, wie es ihr mit einer verlogenen Geschichte
aufgetischt wurde.“ Tillmans Tod war nicht umsonst. Er hat etwas bewirkt:
Nach der Aufdeckung der Affäre stieg sein Kamerad Ward aus der Armee aus.
 
Jon Krakauer, „Auf den Feldern der Ehre – Die Tragödie des Soldaten Pat
Tillman“, aus dem Amerikanischen von Michael Bayer, Piper Verlag, 320
Seiten, 19, 95 Euro.

von  Sassan Niasseri
Veröffentlicht: 01.12.2009 , Zuletzt aktualisiert: 01.12.2009

Wer bombt da?

Ein Bombenanschlag erschüttert Berlin, aber den Ur-Berliner lässt das kalt.
„Hatami? Der is keen Fanatiker, wenn Se dit globen“, sagt Einer, der über
seinen festgenommenen WG-Mitbewohner auf der Wache aussagen muss. Der Satz
verrät, dass es in Ralph Gerstenbergs Kriminalroman „Feuer im Aquarium“, dem
dritten mit Kommissar Oeser, nicht nur um das Whodunit geht, dessen erste
Spur zu Islamisten führt. Gerstenbergs Buch erzählt vor allem von den
Menschen dieser Stadt. Im obigen Beispiel vom gesunden Einschätzungsvermögen
Alteingesessener, das über rassistische Vorurteile hinausgeht. Es schildert
aber auch die Einsamkeit: Wie ein alternder Kommissar im Dienst schlagfertig
ist, sich als Verliebter aber lieber an die überschaubare Kleinwelt seines
Aquariums als an seine Nachbarin heranwagt. Nicht zuletzt geht es darum, wie
Leute verschiedener Regionen gemeinsam für eine Sache kämpfen: Ein
paralleler, aber nicht unabhängiger Erzählstrang handelt vom Arbeitslosen
Henry Palmer, der mit anderen Kleindarstellern aus allerlei Gegenden als
Kanonenfutter auf bayerischen Übungsschlachtfeldern für US-Soldaten
arbeitet. Als es ihnen zu viel wird mit dem Abgeballertwerden, wollen sie
gegen jede Vereinbarung den Aufstand proben.
 
Die Figuren sind Menschen mit Vorahnungen. Sie wissen, dass sie nicht ewig
davonlaufen, sondern sich irgendwann den Dingen stellen müssen. Und sei es
nur dem Mann im Spiegel. Der schärfste Kritiker. „Wohin willst Du? Wenn der
Typ nur verlegen grinst oder mit den Achseln zuckt, hat man ein Problem.“.
 
Ralph Gerstenberg, „Feuer im Aquarium“, Grafit, 288 Seiten, 9,50 Euro

von  Sassan Niasseri
Veröffentlicht: 01.12.2009 , Zuletzt aktualisiert: 01.12.2009

Das göttliche Spiel


In der Sport & Crime-Komödie „Coma“ erzählt John Niven von einem Versager, der nach einem Unfall als Golfgenie erwacht.

Golf ist wie Sex, heißt es: Man muss nicht gut darin sein um Spaß zu haben. Das sagt sich auch Gary Irvine, der sich in einem schottischen Kaff vergebens mit dem Ballspiel abmüht und den seine Kollegen als „Golfmongo“ verspotten. Als er auf dem Platz von einem Ball an der Schläfe getroffen wird, fällt er ins Koma, aus dem er dreifach verändert erwacht: Er trifft jeden Ball perfekt; er muss zwanghaft öffentlich masturbieren; das Tourette-Syndrom bricht bei ihm aus, was zu Verbalattacken mit sexuellem Inhalt führt. Als Gary eine Einladung zu den Golf Open erhält, wo sich die weltbesten Spieler messen, tangiert das sein Umfeld auf vielfältige Weise: Seine geldgeile Ex-Freundin interessiert sich wieder für ihn, Ebenso eine Boulevardreporterin, die den neuerdings genialen, aber sensationswirksam kranken Emporkömmling porträtieren will, sowie der Großdrogendealer Ranta. Der möchte Geld eintreiben von Garys Bruder Lee, der auch ein Loser ist, nur nicht im Golfen, sondern im Abwickeln allerlei Kleingangsterei.


In „Coma“ erzählt John Niven die eigentlich sympathische Geschichte kleiner Leute, die in allem was sie tun, doch immer „Amateurs“ (Originaltitel) bleiben. Sie sind auch alle ein wenig hohl. Wie in einem dieser britischen temporeichen Guy-Ritchie-Filme texten sich die Ganoven gegenseitig zu, in ihren Dialogen wird hochgeschaukelt, was die Nerven hergeben. Umso überflüssiger, als hätte Niven seinem Humor nicht getraut, sind die Extras seiner Hauptfigur Gary. Unbeschreiblich plump, wie Niven ihn ausschmückt. Die unfreiwilligen Ficken-Fotze-Schwanz-Verbalattacken nutzen sich früh ab, die befürchtete Masturbationsszene als Höhepunkt des Golfturniers ist vorhersehbar.

 Diesen Pubertätsquatsch hätte Niven nicht gebraucht. Schließlich sind seine Gedanken zum Golfsport an sich unterhaltsam genug. Nicht immer tiefsinnig, aber unterhaltsam. Golf, philosophiert einer der kleinbürgerlichen Loser, ein Videothekar, sei „ wie Kokain, Kurzurlaube und Turnschuhe bloß eine weitere Facette eines Spätkapitalismus, der sich einzig aus dem Blut der Armen speist“. Nicht zuletzt ist es bei Niven ein gefährlicher Sport, den er genauso aufregend beschreibt. Ein Sport mit einem Parkour voller gähnender, unbespielbarer Abgründe, in denen unzählige verzweifelte Golfer ihre geistige Gesundheit ruiniert haben. Auch das wird deutlich: Beim Golf geht es härter zu, als es aussieht.

John Niven, „Coma“, aus dem Schottischen von Stephan Glietsch und Alexander Wagner, Heyne 2009, 12 Euro

von  Sassan Niasseri
Veröffentlicht: 13.11.2009 , Zuletzt aktualisiert: 13.11.2009
Zeige Treffer pro Seite
tip Berlinale App

tip Berlinale App

Jetzt kostenlos im itunes- Store downloaden.

tip Ausgabe 04/2012

tip Ausgabe 04/2012

Berlinale Komplett: Die Highlights des Festivals auf 36 Seiten || Claudia Pech- stein und ihr erstaunliches Comeback || Sönke Wortmann über seine Regiearbeit am Grips Theater || S-Bahn Irrungen und Wirrungen: Ein Tag am Ostkreuz || Booklet: Berlinale komplett - Alle Reihen, alle…

Jetzt neu! Die Speisekarte 2012!

Jetzt neu! Die Speisekarte 2012!

Heimatküche: Neudeutscher Hochgenuss || Lebensart: Verliebt in Vegan || Kuschelrunde: Die neuen Sexbars mit Niveau || 1000 ausgewählte Empfehlungen || Die 40 besten Neueröffnungen.