Arschverkehr

Nick Cave, das war nichts. Wie konnte Ihnen das passieren? In Ihren Songs gelingt es Ihnen doch auch immer, Lebensgeschichten in zwei Strophen zu erzählen, mit Empfindungen, von denen man noch nie etwas gehört hat, die man aber sofort selbst fühlen will – warum dann dieser billige Seitenhaufen von einem Roman, der kein Klischee auslässt? „Vorausgesetzt, die Arschbacken gehören dazu, bin ich ein Beintyp“, Kylie Minogue „schmettert ihren orgiastischen Lobgesang auf den Arschverkehr“ los, Kylies „Hinterbacken, diese herrlichen güldenen Kugeln“, „Alles easy, kein Problem, Vagina, Vagina“ – und deshalb ein wunder Schwanz, als hätte man es „einer Käsereibe besorgt“. Notgeilheiten, die Cave in seinem Roman „Der Tod des Bunny Monroe“ aneinander reiht. Ein sexsüchtiger Kosmetikmittelvertreter tourt nach dem Selbstmord seiner Frau – er hat sie ständig betrogen – mit dem kleinen Sohn im Auto durch die Lande. Und hat den eigenen Tod vor Augen. Der Mann will weiter wie wild bumsen? Gähn. Er ist so schmierig wie die Kosmetik, die er verkaufen muss? Gähn. Der Sohn ist erst ein Kind und dennoch erwachsener, als sein Vater jemals sein wird? Gute Nacht.

Foto: Gavin Evans

Nick Cave, „Der Tod des Bunny Monroe“, Kiepenheuer & Witsch, 320 Seiten, 19,95 Euro.

von  Sassan Niasseri
Zuletzt aktualisiert: 01.10.2009

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