Alla buona - ganz einfach

Alla buona - ganz einfach  

LavanderiaEinfachen, unkomplizierten Alltag wollten die italienischen Kellner im Restaurant Winterfeld eigentlich erst später – nach der Fußball-WM. Mit dem Ausscheiden der Squadra Azzurra – der italienischen Nationalmannschaft – ist die Stimmung leicht getrübt. Doch die Sympathien gehören immerhin auch Deutschland – sowohl fußballerisch als auch gastronomisch. Bei der Entscheidung, ein italienisches Lokal in Schöneberg zu eröffnen, steckte viel pragmatische Überlegung dahinter. "Die Besitzer haben sich klar für ein Konzept entschieden, das sich gut vermarkten lässt", erklärt Oberkellner Silvio Trofa. Das heißt: Auf der einen Seite die solide italienische Küche, die wie eh und je zweifelsfrei des Deutschen liebstes Essen ist. Auf der anderen Seite konstant moderate und faire Preise, die den größten Erfolg versprechen, also fast jeden und immer ansprechen.

Und das gute Preis-Leistungsverhältnis in dieser modernen Trattoria und ist eine gastronomische Erfrischung zu den eher stolzen Alternativen, die es sonst in der Stadt gibt. Einer der ersten war Bruno Bonfini. "Ich hatte keine Lust mehr auf das ganze Schickimicki", brummt er. Zum Beispiel keine Lust mehr auf eine Weinflasche, die es in seinem Charlottenburger Restaurant mal locker auf fast 200 Mark brachte. Der Italiener Bonfini machte vor 13 Jahren einen klaren Schnitt. Er ging nach Mitte und ließ die Preise im Berliner Westen zurück. "Ich wollte eine anständige solide Küche mit normalen Preisen. Wie in Italien eben." Seitdem folgt Bonfini traditionellen toskanischen Werten - obwohl er sich ein wenig Glamour aus alten Tagen bewahrt hat. Es sind Schauspieler der A-Riege, die heutzutage an den karierten Tischen seiner kleinen Trattoria sitzen. "Viele Politiker, Bankiers, Musiker." Für die und alle anderen serviert der Senior-Chef italienische Klassiker, die unprätentiös und ohne Experimente, aber gekonnt und aus besten Zutaten zubereitet sind. Die Pasta ist natürlich selbst gemacht, die Gnocchi sind jeden Tag frisch. Teiggerichte starten bei sieben Euro, Fisch- und Fleischgerichte übersteigen bei weitem nicht die magische Zwanzig-Euro-Grenze.

BonfiniDiesem Konzept folgen neuerdings immer mehr Restaurants, die sich auf cucina italiana spezialisieren – zur Freude von Liebhabern des Stiefelstaat-Essens. Die müssen nun nicht mehr automatisch über 20 Euro für eine Orata grigliata hinblättern oder 13 Euro für einen Teller Linguine. "Wenn ich früher als Kellner Pasta zu solchen Preisen serviert habe, dann war mir das ziemlich peinlich", stellt Buchi Tmava fest. Der gebürtige Albaner hat vor einiger Zeit das Restaurant Maroni eröffnet, in dem selbst gemachte Tagliatelle mit Scampi gerade mal um die acht Euro kosten – übrigens das teuerste Pastagericht. Auch die Pizzen – groß, aus dem Steinofen, mit frischen Zutaten belegt – beginnen bei 4,90 Euro. Und das an einem der zurzeit belebtesten Plätze Berlins – der Admiralsbrücke in Kreuzberg. Im Maroni sitzen die Gäste auf einer großen Terrasse, geben sich der schönen Abendsonne hin und freuen sich über so viel angenehme Normalität. "Ich persönlich bin italophil aus mir nicht bekannten Gründen", wundert sich Andreas Hoffmann bei der Frage, warum er und seine Frau Renate vor Kurzem ein italienisches Restaurant eröffneten. "Darum haben wir vor sechs Jahren ein kleines kaputtes Häuschen in der Nähe von Rom gekauft."

Dort hat das Ehepaar die bäuerliche Küche der Gegend kennengelernt und sich entschlossen, diese nach Berlin zu importieren. "Mit fairen Preisen, vielen Vorspeisen, guter Pasta, Fisch und Fleisch2, so der Italienliebhaber. In einer ehemaligen Wäscherei in einem Neuköllner zweiten Hinterhof gibt es nun die Lavanderia Vecchia, in einem weiß gekalktem großer Raum, durch den Wäscheleinen gezurrt sind und in dem weiße Tische und Stühle neben einer offenen Küche auf Gäste warten. Von Dienstag bis Samstag jongliert der Koch mehrere Stunden lang mit den Töpfen, um Besucher – Reservierung erbeten – mit einem Menü zu beglücken, das nur schlappe 39 Euro kostet. Wein und Wasser inklusive, sowie Kaffee und Digestivo, den es später an der kleinen Bar gibt – samt freundlichem Schnack. "Unser Konzept funktioniert so gut, weil wir super Köche haben", erklärt Andreas Hoffmann bescheiden. Und hat damit die Seele jeder guten Küche erkannt. Nicht verwunderlich, dass die Hoffmanns den Abend-Koch schon mit in die Nähe von Rom genommen haben, um ihm zu zeigen, wie das auf dem italienischen Land funktioniert. Nämlich eigentlich ganz simpel: Qualität und Einfachheit leise und unaufdringlich unter einen Hut bringen.

Text: Wiebke Heiss

Foto: Nina Zimmermann

Adressen:

B. Bonfini Memhardstraße 3, Mitte, Tel. 24 72 66 70; U+S-Bhf. Alexanderplatz

Lavanderia Vecchia Flughafenstraße 46, 2. Hof, Neukölln, Tel. 62 72 21 52, www.lavanderiavecchia.de; U-Bhf. Boddinstraße

Maroni Grimmstraße 1, Kreuzberg, Tel. 691 91 78, www.maroni-berlin-kreuzberg.de; U-Bhf. Kottbusser Tor, Südstern, Bus M41

Winterfeld Winterfeldtstraße 58, Schöneberg, Tel. 26 07 55 47, www.winterfeld-berlin.de; U-Bhf. Nollendorfplatz

 
von  tip-Redaktion
Zuletzt aktualisiert: 25.07.2012

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