Die Anatomie einer Bar: Das Hotel

Die Anatomie einer Bar: Das Hotel  

Das Hotel in Berlin Kreuzberg1 Licht und Kunst
Zwei Gabeln, ein Kochlöffel und ein Geschirrhandtuch – mehr braucht ein angenehmes lichtspendendes Kunstwerk nicht. Aus den Überbleibseln der Restaurant­ausstattung kreierte der ideenreiche Barbesitzer diese indirekte Lichtquelle von einfacher Schönheit. Aleksandar Tesla, ein befreundeter Schauspieler, Barmann und Erfinder intelligenter Sätze, platzierte darauf noch den Spruch „Das Feuer ist vernunftbegabt.“ Eine Anspielung auf einen während des Barbetriebes im Keller von Unbekannten gelegten Brand.

2 Mixgetränk mit Würze
Der Longdrink des Hauses ist Gin Tonic mit Rosmarin. Spanier sind häufig und in großen Gruppen Gäs­te der Bar, und die trinken nun mal gerne Longdrinks, besonders Cuba Libre, Whiskey Cola oder eben Gin Tonic. Wichtigste Zutat der Eigenkreation ist Rosmarin (Rosmarinus officinalis). Der Name Rosmarin stammt vom lateinischen „ros marinus“ und bedeutet Meertau beziehungsweise Tau (ros) des Meeres (marinus). Der leicht bittere Geschmack, der etwas an Eukalyptus oder Kampfer erinnert, unterstützt die milden und weichen Noten des Tanqueray-Ten-Gins. Preis: 6 Euro

3 Florale Dekoration
Lilien (Lilium) und Rosen (Rosa) sind Carsten Zoltans bevorzugte Blumen. Sie symbolisieren Lei­den­schaft und haben Präsenz. Er holt sie in regelmäßigen Abständen selbst vom Blumenladen Adalbert-, Ecke Oranienstraße. Dass er viel Geld für Blumen ausgibt, fiel dem Hotelbesitzer erst beim Besuch eines Steuerberaters auf. Was dazu führt, dass diese zukünftig im Großmarkt geholt werden und dann auf Wunsch zum Selbstkos­tenpreis erworben werden können. Sozusagen eine Secondhand-Blume aus dem Hotel.

4 Lieblingsplatz
Hier sitzt Barchef Carsten Zoltan vorzugsweise zusammen mit Freunden wie z.B. dem auf Kuba geborenen Künstler J. M. Pozo (nächste Ausstellung im April in der Galerie Scala).

5 Poster
Dieses Bild aus den Beständen des Museum of Modern Art in New York repräsentiert das menschenrechtliche und interkulturelle Engagement der Mitarbeiter und Gäste. Namen des Abgebildeten und des Fotografen sind unbekannt. Bekannt ist, dass es von einer Gruppe stammt, die in amerikanische Geschichtsbücher als „Abolitionists“ eingegangen ist. Es ging ihr um die Gleichstellung aller Menschen und die Abschaffung der Sklaverei in einer Zeit, in der Schwarze, Indianer und an­dere als Zweidrittel-, Dreifünftel-oder Dreiviertel-Menschen definiert und behandelt wurden. Verheiratet war man als schwarzes Pärchen zum Beispiel, wenn man gemeinsam über einen Besenstil gehüpft war – kein Witz! Dieses Foto war ein Flugblatt für Menschenrechte und soll dies bis heute im globalen wie im lokalen Sinne noch sein.

Recherche und Text: Susan Schiedlofsky

Das Hotel
Mariannenstraße 26a, Kreuzberg,
Tel. (auch für Zimmerreservierung) 84 11 84 33, www.dashotel.org, tgl. ab 16 Uhr,
J. M. Pozo macht Musik: Fr+Sa ab 23 Uhr, Aleks macht Musik: So, Mi ab 20 Uhr

 
von  tip-Redaktion
Veröffentlicht: 26.01.2009 , Zuletzt aktualisiert: 26.01.2009

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