Essen ist das neue Pop - Clemens Niedenthal kommentiert

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Essen ist das neue Pop - Clemens Niedenthal kommentiert  

Clemens Niedenthal

Ich bin in einem Lehrerhaushalt aufgewachsen. Also: keine Comics, immerhin gab es bei der Oma „Mecki im Schlaraffenland“. Eine Gegend, in der die Trauben sofort nachgewachsen sind, just wenn sie gepflückt wurden. Und hat man einem Schwein in die Schweinshaxe gebissen, wuchs der knusprige Schenkel einfach nach. Just so lebte es sich 2014 als Gastroredakteur in Berlin. Kaum hatte man seinen Teller leer gegessen, machte ein paar Ecken weiter schon ein neuer Laden mit neuen Tellern auf. Mehr Street Food. Mehr Beef. Mehr Weinbars. Mehr vegan. Mehr gute Bäcker (endlich!). Noch mehr guter Kaffee. Mehr Craft Beer. Und zum Glück mehr Bezirke, in denen man gut oder zumindest anständig essen kann. Essen also ist das neue Pop. 
Was nichts anderes meint, als dass es zum zentralen Thema der urbanen Alltagskultur geworden ist. Vielleicht, um eine steile These zu wagen, hat es 
gar die vakante Position der Popmusik besetzt. Was mich wiederum zu folgender Prognose führt: Das große Thema des kommenden Jahres wird das der Verfeinerung sein.Nicht mehr immer mehr, sondern immer pointierter. Billy Wagner könnte mit seinem Restaurant Nobelhart & Schmutzig exemplarisch für diese Ent­wicklung stehen. Wenn es so kommt, bliebe Essen kein Trend, sondern ein wirklich nachhaltiges Vergnügen.

 
von  tip-Redaktion
Zuletzt aktualisiert: 06.01.2015

tip Ausgabe 11/2016

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