Mutige Visionäre bringen Delikatessen nach Berlin

Mutige Visionäre bringen Delikatessen nach Berlin  

lueskeIn Bioqualität, versteht sich, denn der gelernte Gartenbauer ist Inhaber des Supermarktes Biolüske in Steglitz. "Ich wollte schon immer Frischfisch verkaufen. Dass wir tiefgekühlten Fisch in Bioqualität haben, ist selbstverständlich. Den hat mittlerweile jeder Bio-Supermarkt." Doch dass am Morgen gefangener Ostseefisch noch am selben Tag seinen Weg in die Hauptstadt findet und schon am Abend frisch zubereitet werden kann, ist selbst in Berlin rar. Nicht ohne Stolz bezeichnet Frank Lüske seinen Hiddenseer Kutterfisch folglich als "frischesten Fisch der Stadt".
Dessen Frische ist nicht der einzige Vorzug: "Aufgrund der hohen Beifangquote und der Überfischung der Meere kann man guten ökologischen Gewissens eigentlich keinen Fisch verkaufen", weiß Lüske. Aus diesem Grund tat er sich mit Mathias Schilling zusammen, dem Eigentümer der Insel Öhe vor Rügen. Auf dem 75 Hektar kleinen Eiland werden nach Öko-Standards Salzwiesenrinder gehalten, deren Fleisch Biolüske bezieht. Über Mathias Schilling bekam Lüske den Kontakt zu zwei Kutterfischern, die das Fischereihandwerk in seiner nachhaltigsten Form betreiben. Das bedeutet: schonende Schnellnetzfischerei, bei der alles, was nicht gefangen werden soll, sofort aussortiert wird. Das ist zwar mühselig und die Konkurrenz zu den mächtigen Trawlern groß, für Frank Lüske aber die einzige Garantie, frischen Fisch in Bioqualität zu verkaufen.

Wenn die Lieferung gegen 16 Uhr in Berlin eintrifft, liegen wenige Augenblicke später, je nachdem was in die Netze gegangen ist, Flunder, Dorsch und Scholle in Lüskes Kühlwagen. „Mit einer normalen Fischtheke ist die Auswahl aber nicht zu vergleichen.“ Ebenfalls anders als an konventionellen Verkaufsständen geht der Fisch bei Biolüske im Ganzen über die Theke, denn der Inhaber ist kein Freund vom Filetieren: "Alle finden Filets toll, wollen aber nicht wissen, dass dieses Filet mal ein ganzes Tier war." Auch sonst ist man bei Biolüske bemüht, ein anderes Sortiment als die Mitbewerber anzubieten. Geht man durch die Reihen des Supermarktes, findet man neben herkömmlichen Bio-Marken vor allem Feinschmeckerkost. Im Ölregal macht seit kurzem ein griechisches Olivenöl auf sich aufmerksam, das von vier Jungunternehmern nach Berlin gebracht wird. Zwischen den herkömmlichen Ölflaschen fallen die Designerdosen von Maini sofort ins Auge.

MainiMaini, dahinter stecken die beiden Berliner Miki Hermer und Nils Wagner (Beide Foto) sowie zwei Griechen, Dionisis Bafis und Jannis Varelas. Kennengelernt haben sie sich in einer Werbe­agentur. "Dionisis war der Visionär, der uns in die ganze Sache reingezogen hat. Mit seiner Kompetenz als Designer hatte er zusammen mit Jannis den Mut zur Umsetzung seiner Idee", beschreibt Miki Hermer die Anfänge von Maini. Seit knapp zwei Jahren arbeitet das Quartett zusammen, der Verkauf läuft seit einem dreiviertel Jahr. Beklagen können sich die vier nicht. In vielen Feinkostläden und Designshops ist ihr Öl deutschlandweit vertreten. "Unser Produkt passt überall gut rein", weiß Miki Hermer, "aber im Vordergrund soll die Qualität unseres Olivenöls stehen." Die Koroneiki-Oliven für das Öl kommen von der Peloponnes, aus der sonnenverwöhnten Region Mani. „Früher hieß es Maini. Wir wollen das Moderne mit der traditionellen Art und Weise der Kultivierung und Ernte der Oliven verbinden. Daher der Name.“ Der besondere Geschmack resultiert aus der Anbauweise der ovalen Frucht: Die Olivenbäume werden gestutzt und nicht bewässert. Die gesamte Kraft des Baums geht somit in die Oliven. So entsteht ein Öl, mit dem keines der üblichen Supermarktprodukte mithalten kann. Per Hand wird das kaltgepresste Öl in recycelbare Weißblechdosen abgefüllt, die luftdicht sowie lichtundurchlässig sind und in Deutschland hergestellt werden. Mittlerweile haben auch Gastronomen das moderne Design mit dem eindrucksvollen Inhalt für sich entdeckt. "Viele Restaurants kochen mit unserem Öl", so Nils Wagner.

Produkte in Bioqualität und faire Preise für die Bauern haben auch für Maini oberste Priorität. "Manche würden sagen, das ist naiv, aber wir sagen, es ist möglich!", gibt Nils Wagner zu bedenken. Neben den grünen Dosen, die Öl von Feldern biozertifizierter Bauern enthalten, tragen auch Dosen mit gelbem Design den Schriftzug Maini. Das enthaltene Öl ist zwar genauso schadstofffrei und unbehandelt, die produzierenden Bauern sind jedoch nicht in der Lage, den kosten­intensiven Prozess der Biozertifizierung zu finanzieren. Auch bei Frank Lüske bekommt dieses Olivenöl ein gelbes Preisetikett, so wie alle Produkte, die nicht biozertifiziert sind. Der unaufhaltsamen Expansion des Marktes von Biosiegel-Produkten steht er ohnehin skeptisch gegenüber: "Bio wird immer normaler. Das ist an sich ganz gut, aber die Kunden gucken gerade wegen dieses Booms immer mehr hin, wo die Produkte tatsächlich herkommen." Denn nur weil Bio draufsteht, handelt es sich nicht zwangsläufig um gute Qualität. Frank Lüske hat lange Zeit in Bio-Supermärkten gearbeitet, bevor er seine Erfahrung in einem eigenen Unternehmen bündelte. Im Laufe der Jahre kam dann die Affinität zu handwerklich produzierten Lebensmitteln, zu Feinkost, hinzu. "Entscheidender als das Biosiegel ist für mich, was hinter dem Produkt steckt und ob es mit Liebe produziert wird." Dass auch klassische Supermärkte mittlerweile über eine breite Palette an Bioprodukten verfügen, beobachtet Lüske mit Sorge: "Das kulinarische Handwerk", bedauert er, "bleibt dabei auf der Strecke."

Text: Annemarie Diehr

Foto: Kristal Burtrum

Biolüske Drakestraße 50, Steglitz, Tel. 802 02 01 60, www.biolueske.de, Markt Mo-Sa 8-20 Uhr, Fischverkauf Do 16-20 Uhr, Fr 10-max. 14 Uhr

Maini Olivenöl www.shop.inoilwetrust.de

 
von  tip-Redaktion
Zuletzt aktualisiert: 05.10.2011

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