Kiezkompatible thailändische Küche
Große Auswahl im Ca Thai
Bierbank oder Plastiksitz, Terrassenmöbel oder Klappstuhl - schön von weitem rattert es im Kopf, wenn man auf den kleinen Biergarten an der Hasenheide zuschreitet. Der offene Vorgarten eines unscheinbaren Wohnhauses verwandelt sich dort seit einigen Wochen in einen lauschigen doch krude zusammen gewürfelten Außenbereich thailändischer Küche. Im Kiez beobachtet man die immer größer werdende Blumenpracht und die stetig wachsende Lampionbatterie mit ebenso wachsendem Interesse. Jeder zweite Passant bleibt am kleinen Aushang des nutzlosen - weil freistehenden - Gartentores stehen, liest, schaut und gesellt sich schließlich dazu oder verabredet sich mit seiner Begleitung für den nächsten Tag. Im Vorgarten selbst ist soviel Platz, dass die unterschiedlichen Sitzmöbel und Tische in angenehmen Abstand zueinander - nach Feng Shui-Grundsätzen? - angeordnet stehen können. So ist statt Beziehungsstress oder Lästereien nur ein angenehmes Gebrabbel vom Nachbartisch hörbar.
Nachdem man sich unter der großen schatten spendenden Linde für eine Sitzgelegenheit entschieden hat, dauert es etwas, um die 110 thailändischen Gerichte der Karte nur zu überfliegen. Die groben Rechtschreibfehler der Karte wurden innerhalb der letzten Wochen stetig ausgebessert und die stellenweise etwas holprige Ausdrucksweise des Personals wird durch überbordende Höfflichkeit wett gemacht und gehört zum Erlebnis Ca Thai einfach dazu. Neben den übliche Huhn-, Enten- und Rindfleischgerichte, findet sich in der Karte eine große Meeresfrüchterubrik, unter der Spezialitäten wie ein ganzer Tilapia, der so genannte Thaifisch, versammelt sind. In der Rubrik „Gebratenes und Gebackenes" findet man exotische Gerichte wie kross frittierte Schweinerippchen in Rotweinsoße und süß-saurer Chilisoße. Vor diesen thailändischen Geschmackserlebnissen der besonderen Art empfiehlt sich eine der vielen Vorspeisen, zum Beispiel thailändische Fischbuletten oder in Palmblättern frittiertes Hühnerfleisch. Auch die Suppen schmecken vorzüglich und werden frisch zubereitet. Eine Peperoni zeigt an, ob Gerichte an sich scharf zubereitet werden oder nicht. Grundsätzlich kann aber jedes Gericht in der bevorzugten Schärfe gekocht werden und wenn man nicht auf scharf steht, sollte man es auch wirklich dazusagen. Alle Gerichte können zudem fleischlos oder mit Tofu bestellt und verzehrt werden. Ein Satz, der durch den unermüdlichen Einsatz der Nachbarschaft, seit kurzem auf der ersten Seite der Karte steht. Egal ob man im Garten mit Blick auf die Straße oder im Restaurant mit Blick auf das Portrait des hoch verehrten thailändischen Königspaares Platz genommen hat, der Charme des liebevoll zusammengestellten Chaos wirkt authentisch und die unkomplizierte und unaufgeregte Atmosphäre passt zum Kiez.
Susan Schiedlofsky
Beste Vorspeise: „Neuh Tord" also kross frittiertes Rindfleisch mit Sriracha-Soße
Bestes Training: Fehlersuche in der Karte
Beste Deko: Elefantenteekanne