Ein dunkler Tresen, eine alte Wanduhr dahinter, rustikale Einrichtung - ein bisschen wie in Omas Stube, vielleicht etwas muffig? Eine Alt-Berliner Kneipe? Zumindest spricht das Ambiente dafür.
Der Blick in die Karte wiederum widerlegt den ersten Eindruck: Mit Chilikruste gratinierter Ziegenkäse, mit Artischockenherzen gefüllte Ravioli oder confierte Gänsekeule - neue europäische Küche, so heißt es. Die Hoffnung auf innovative, junge Küche ist also groß. Gleich nach der Bestellung kommt ein Gruß aus der Küche: Feldsalat mit Roter Beete und einem schmackhaften Dressing. Eine nette, sehr willkommene Geste. Die Creme vom Hokkaidokürbis mit Garnelen ist pikant, für den empfindlichen Gaumen vielleicht zu scharf. Die Schärfe kommt auch von den darin schwimmenden Knoblauchstücken, die den Garnelen nicht nur in ihrer Größe Konkurrenz machen, sondern auch geschmacklich. Das Kürbisaroma bleibt leider auf der Strecke. Auch bei den Hauptspeisen meint es der Koch mit der Würze zu gut. Die Wachtelbrust ist zwar gut gebraten, die hausgemachte Pasta aber verkocht und in sehr salziger Sauce ertränkt. Auch die Salbeibutter an den Gnocchis ist zu großzügig bemessen. Es ist nicht, dass es nicht schmeckt, nur weckt die kreative Karte Erwartungen, die der Koch handwerklich nicht erfüllt. Vielleicht sollte sich der Gast doch am Ambiente orientieren: Europäische Küche, rustikal-reichhaltig interpretiert.