Schauspielerin Susanne Bormann im Tischgespräch

Schauspielerin Susanne Bormann im Tischgespräch  

susanne_bormann_c_esther_suave_hipiFrau Bormann, ständig kommen Kollegen wie z.B. Pierre Sanoussi-Bliss vorbei, um Brot und Brötchen zu kaufen, Sie werden umarmt und scheinen gut vernetzt zu sein. Ist Berlin die Stadt der unkomplizierten Kontakte?
Ich freue mich, Kollegen auf Veranstaltungen oder einfach wie jetzt beim Bäcker zu treffen. Ich schätze das kollegiale Verhältnis unter den Schauspielerinnen meiner Generation. Es gibt in Berlin viele junge  Produzenten und Regisseure wie Dietrich Brüggemann, Christian Schwochow und Florian David Fitz, die in Eigeninitiative Projekte auf die Beine stellen. Vieles entsteht über persönliche Kontakte und Zusammenhalt.

"Russendisko" läuft gerade in den Kinos. Was hat Sie an dem Film gereizt?
Die Rolle der Hanna. Hanna ist ein außergewöhnlicher Charakter. Sie hat sich etwas Kindliches bewahrt. Es gibt bei ihr keinen Unterschied zwischen ihrem Innenleben und dem, was von außen sichtbar ist. Mit unbefangener Offenheit geht sie auf Menschen zu. Im Erwachsenenalter verliert man das oft  durch  Verletzungen und Zurückweisungen. Man beginnt sich zu schützen. Hanna macht das nicht und behält trotzdem ihre Würde.

Ab April sieht man Sie als Kommissarin in der Serie "Die letzte Spur". Insgesamt in sechs Folgen – hat man damit ausgesorgt?
Anfangs hatte ich Angst. Ich habe noch nie unter solchem Zeitdruck gearbeitet. Es gab wenige Drehtage. Man musste sich sehr gut vorbereiten, was auch nicht immer möglich war, da wir hintereinander weg gedreht haben, immer zwei Folgen parallel. Ich habe mir Listen gemacht, um den Überblick zu behalten.

Wie gefällt Ihnen das Ergebnis?
Anfangs habe ich mich gefragt, ob man in der kurzen Zeit Qualität produzieren und ich meinem Anspruch gerecht werden kann. Aber ich bin vom Ergebnis positiv überrascht. Zumal wir Schauspieler nicht gemeinsam gecastet wurden. Das ist ein bisschen, wie die Katze im Sack zu kaufen, es kann ja sein, dass man sich mit seinen Schauspiel-Kollegen gar nicht versteht. Da ich die Regisseurin Judith Kennel bereits von einem Tatort-Dreh kannte, habe ich ihrer Entscheidung vertraut und das hat sich ausgezahlt.

Ist das Ablehnen eines Angebots nicht immer auch eine existentielle Frage?
Klar. Ich habe mich aber auch schon einmal für ein Jahr eingeschränkt und von wenig Geld gelebt, weil ich eben nicht alles drehen wollte, was mir angeboten wurde. Doch kann es natürlich jedem Schauspieler passieren, dass er etwas dreht, was er lieber keinem erzählen möchte.

Gibt es eine Traumrolle?
Ich fände es toll, in Fremdsprachen zu drehen. Man kann sich wirklich frei machen von seiner Sozialisation, die natürlich immer mit der Sprache verhaftet ist. Allein durch einen neuen Dialekt ergibt sich etwas anderes. Als ich in „Mörderischer Frieden“ eine Serbin gespielt habe, fand ich es erstaunlich zu merken, wie sich durch den serbischen Akzent der ganze Habitus verändert.

Interview: emh

Foto: Esther Suave / HIPI

Bäckerei Alpenstueck Schröderstraße 1, Mitte, Tel. 21 75 16 45, www.alpenstueck.de

 
von  tip-Redaktion
Zuletzt aktualisiert: 16.04.2012

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