Türsteher in Berlin

Türsteher in Berlin  

sven_d_tresorSteve D. (52), Türsteher und Empfangschef im Tresor Club

"Ich war jung und brauchte das Geld!" So beantwortet Steve die Frage nach seinem Job. Der Resident-DJ des alten Tresors arbeitet seit Mai 2007 in der Nachfolge-Location als Türsteher. Er erlebte schon Razzien, erhielt Morddrohungen, bekam es mit Dealern zu tun. Schlimmer jedoch fand er den Besuch seiner damaligen Exfreundin. Die wollte ihren Geburtstag ausgerechnet im Tresor feiern. Auch harte Männer haben Liebeskummer. Mittlerweile sind beide aber wieder vereint. Auch denkwürdig: jene Nacht, in der Angelina Jolie und Brad Pitt mit zwei Männern in schwarzen Anzügen aufkreuzten. "Lieber hätte ich aber Penélope Cruz willkommen geheißen." Die kann ja noch kommen. Der Schauspieler und Musiker der Band Recyver Dogs – Steve: "Pink Floyd für Arme" – schätzt die Mitarbeiter an der Tür, die ihn nie im Stich lassen würden, liebt die Tresor-Musik und den ständigen Umgang mit Menschen. Seine Arbeitszeiten mag er dagegen weniger: "Von Mitternacht bis morgens um sechs Uhr, das kann ganz schön anstrengend sein." Denn eigentlich ist Steve ein Frühaufsteher.

sarah_tapeSarah (25), Türsteherin im Tape

An der Clubtür hört die weibliche Solidarität auf. "Frauen sind aggressiver als Männer", stellt Sarah fest. "Es gab schon einige, die mich angerempelt haben, auf mich loswollten oder einfach durchgerannt sind, wenn sie nicht reindurften." Das Berliner Nachtleben kennt die Frau an der Tape-Tür bestens. Sie ist Clubberin, war in sieben Locations Barfrau, machte bei illegalen Partys die Kasse. Seit zweieinhalb Jahren beobachtet sie das nächtliche Treiben im Tape, beschützt von ihren Jungs im Hintergrund, ausgestattet mit der Macht über das "Rein!" oder "Raus!". Zugeknöpfte Hemdenträger haben bei ihr schlechte Karten. Auf Endlosdiskussionen lässt sich die gelernte Hairstylistin generell nicht ein. Unerwünschte Gäste speist sie mit einem knappen "Es passt einfach nicht" ab. "Einige trifft es persönlich hart", sagt Sarah. "Mir bleibt aber keine Wahl, denn genau das ist mein Job: sicherzustellen, dass die Leute drinnen zusammen funktionieren."

marko_alexander_week_endMarco Alexander (40), Türsteher im Week-End

Marco spricht mit fast jedem Gast, der in den zwölften Stock am Alex möchte. Danach entscheidet er, wer seinen Fuß auch wirklich reinsetzen darf. "Die Leute müssen offen und freundlich sein. Spießer haben schlechte Chancen. Paris Hilton erfüllte alle Kriterien und musste trotzdem draußen bleiben, weil Marco keine Lust auf ihre Leibwächtergefolgschaft hatte, die für einen Drink der millionenschweren Hotelerbin die halbe Bar blockiert hätten. Der ehemalige Cookies-Türsteher gehört beinahe zum Inventar und befindet seit Eröffnung des Week-Ends, wer den Club von innen sehen darf. Das brave Mitte-Publikum macht wenig Ärger, Rangeleien stehen nicht auf der Tagesordnung, und die Polizei rückt nur im Notfall an. Diskussionen und Drohungen an der Tür bleiben dennoch nicht aus, wenn Marco Gäste nach Hause schickt, die seiner Meinung nach einfach nicht reinpassen. Uneinsichtigen Leuten weist er freundlich den Weg oder schiebt sie einfach nach draußen: "Handgreiflich werde ich dabei aber erst, wenn Leute es werden."

sven_petersen_mariaSven Petersen (40), Türkoordinator im Maria am Ostbahnhof

Sven hat zwei Familien: seine Liebsten daheim und das Maria am Ostbahnhof. Nach vielen gemeinsamen Jahren an der Clubtür sind aus Kollegen gute Freunde geworden. Feiern geht der Chefkoordinator schon lange nicht mehr: "Der Zauber des Nachtlebens ist verflogen. Mehr Party, als am Wochenende mit meinen Jungs zusammen zu arbeiten und dabei gute Musik zu hören, brauche ich nicht." Sven sortiert bereits im Vorfeld aus, indem er die wartenden Gäste von der Tür aus beobachtet. Zweifelhafte Kandidaten, die beispielsweise mit Thor-Steinar-Klamotten in den Club wollen, schickt der hauptberufliche Kleinunternehmer gnadenlos nach Hause. Nicht vergessen kann Sven den Tag, an dem sich ein Gast auf Droge das Leben nahm. Erst versuchte er es mitten im Club. Als sie ihn davon abhielten, sich eine zerschlagene Flasche in den Hals zu rammen, und ihn nach draußen beförderten, sprang er in die Spree. So dramatisch geht es zum Glück eher selten zu. Svens letzter Disput mit einem Gast liegt bereits zwei Jahre zurück. Und Handgreiflichkeiten kommen für ihn schon lange nicht mehr in Frage: "In 90 Prozent der Fälle lässt sich Gewalt vermeiden", sagt er.

sven_m_panorama_barSven Marquardt(46), Türsteher im Berghain/ Panorama Bar

Wer an Sven Marquardt vorbei will, muss zweierlei mitbringen. Erstens: Geduld, um die Wartezeit in der ewig langen Schlange vorm Berghain durchzustehen. Zweitens: den richtigen Style. Druffis, stark alkoholisierte Partygänger, Oberzicken und Männergruppen, die einen Junggesellenabschied im weltbekannten Technotempel anpeilen, müssen draußen bleiben. "Mir gefällt eine Mischung aus gegensätzlichen, interessanten Leuten", sagt der ganzkörpertätowierte Fotograf. Er hat elf Jahre Türerfahrung, angefangen beim Suicide in Mitte, danach im Ostgut. Seit fünf Jahren beschützt er das Berghain in Friedrichshain. Auch wenn dem Einfallsreichtum abgewiesener Gäste keine Grenzen gesetzt sind und sie in neuer Begleitung oder einem anderen Outfiteinen zweiten Anlauf starten, um zur Kasse vorzudringen: Bei rigorosen Türhütern wie Sven haben Nervensägen keine Chance.

andre_h_karreraAndré H. (34), Türsteher im Bang Bang Club (Karrera Klub)

André zieht mit den Karrera-Klub-Partys von Club zu Club und hütet die Türen vom Magnet, Rosi’s, Kaffee Burger, Postbahnhof und Bang Bang Club. Seine Gäste sind für ihn seine Familie, für die er da ist, wenn mal was passieren sollte. Das klingt sanft. Aber André kann auch anders. Einmal gab es eine Keilerei zwischen zwei "family members", die aufeinander losgingen. Andrés Strategie: Fixieren, vor die Tür setzen – Problem beseitigt. So einfach läuft es nicht immer, manchmal muss André auch einstecken. Der letzte Tritt gegen seinen Kopf hat gesessen. Das passiert zum Glück selten. Ansonsten hat der schweigsame Türsteher seinen Traumjob gefunden: "Die vielen netten Begegnungen mit Menschen überwiegen." Wenn das keine Entschädigung ist.

heinz_m_white_trashHeinz Müller, Selektor im White Trash Fast Food

Wer einen Fuß über die Schwelle setzen will, sollte ihm mit Respekt begegnen: "Ich entscheide, wer rein kommt und wer nicht“, sagt Heinz knapp. Der leidenschaftliche Biker und Manager des Strandmarkts war früher Türsteher vom Rio und in der Bar 25. Er versucht Handgreiflichkeiten zu vermeiden, sofern es eben geht. Bei Schlagringen, Waffen, sexueller Belästigung und Gewalt hört der Spaß allerdings auf. Beispiel gefällig? Heinz erzählt von zwei Typen im White Trash, die einem Mädchen ins Gesicht geschlagen hatten. Einer der beiden kam vier Wochen später wieder, wurde dank Kameraaufzeichnungen erkannt und festgehalten, bis die Polizei anrückte. Zwischen 22 und sechs Uhr hat der gelernte Schriftsetzer alle Hände voll zu tun. Und das heißt nicht nur, Gewalt zu vermeiden. Zu seinem Job gehört auch, aufzupassen, dass niemand Getränke reinschmuggelt oder mit falschem Stempel den angesagten Mitte-Club betritt.

Texte: Anne Koch

Fotos: Meike Gronau, Betty Myller

Bang Bang Club Neue Promenade 10, Mitte, Tel. 60 40 53 10, www.bangbang-club.de

Berghain Am Wriezener Bahnhof, Friedrichshain, www.berghain.de

Maria am Ostbahnhof
An der Schillingbrücke, Friedrichshain, Tel. 21 23 81 90, www.clubmaria.de

Tape Heidestraße 14, Tiergarten, www.tapeberlin.de, www.myspace.com/tapeberlin

Tresor Club Köpenicker Straße 70, Mitte, Tel. 69 53 77 13, www.tresorberlin.com

Week-End Club F.U.N. Alexanderstraße 7, 12. + 15. Stock, im Haus des Reisens, Mitte, www.week-end-berlin.de

White Trash Fast Food Schönhauser Allee 6/7, Prenzlauer Berg, tel. Reservierungen: 50 34 86 68, www.whitetrashfastfood.com

 
von  tip-Redaktion
Zuletzt aktualisiert: 19.05.2009

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