Kunst und Museen in Berlin

Expressionale am Potsdamer Platz

Vom Eros des Expressiven: Ein neuartiges Ausstellungskonzept reizt einen ziemlich deutschen Stil aus

GroszImmer wieder schlägt der Expressionismus in Berlin hohe Wogen. Regelrechte Sturmfluten löste er aus, als vor zwei Jahren Ernst Ludwig Kirchners Gemälde Berliner Straßenszene von 1913 an die in den USA lebenden Erben eines jüdischen Kunsthändlers zurückgegeben wurde.

Für umgerechnet 900.000 Euro hatte 1980 das Land Berlin dieses Bild für das Brücke-Museum erworben, das zu den wichtigsten Ikonen des Großstadtexpressionismus zählt.

Nun nimmt das USB-ArtConsult- Unternehmen gleich einen ganzen Stil unter seine Fittiche und widmet sich unter dem Titel „Expressionale“ der zutiefst deutschen Ausdruckskunst, die aber keineswegs bei den 1910er und 20er Jahren stehen bleibt.

ScharlIn den eigens dafür hergerichteten Kunstkolonnaden am Potsdamer Platz spannt sich dabei der Bogen von einem Macke-Aquarell vom Thuner See (1913) über George Grosz‘ sarkastischen „Diamantenschieber“ (1920) bis hin zu Gerhard Marcks pathetischem „Befreitem“ (1962) und Rolf Händlers dämonisierter „New Yorker U-Bahn“ (1993).

Tatsächlich wird ein erheblicher Spagat über fast ein Jahrhundert hinweg vollzogen – zusammengehalten von der expressiven Klammer. Dabei folgt das Ausstellungskonzept einer neuartigen Mixtur aus musealen und kommerziellen Werkschauen. Der Besucher kann sich also nicht nur meditativ in die Ur- und Abgründe des Expressiven versenken, er kann anschließend auch Kunst erwerben. Vor allem sollte er eine gute Kondition haben, bündelt doch die Expressionale gleich sieben Einzelausstellungen – und dies über drei Monate hinweg.

Text: Martina Jammers

Kunstzentrum Park Kolonnaden
Potsdamer Platz 10, Tiergarten, (Gabriele-Tergit-Promenade)
Di-So 10-22 Uhr
25.5.-24.8.2008
Eintritt: 6/3 Ђ
weitere Infos unter www.expressionale.de

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