Im Rausch der Träume: Christopher Nolans Film wartet mit atemberaubenden Bildern und einer etwas unübersichtlichen Geschichte auf.
Gewaltig waren die Erwartungen an den neuen Film vom Regisseur von "The Dark Knight"; nach vielen faszinierenden, aber auch interessant misslungenen Arbeiten sollte "Inception" der für Christopher Nolan irgendwie überfällige Meilenstein werden. Und tatsächlich: Die Geschichte des Diebes Cobb, der mit seinem Team in die unterbewusste Traumwelt eines Konzern-Erben eindringt, um dort im Auftrag eines Konkurrenten eine Idee zu verankern, strotzt vor Originalität und unglaublichen Bildern. Konsequent verschränkt Nolan die verschiedenen Traum- und Erzählebenen, zum roten Faden werden Cobbs nur noch in der Traumwelt existierende Frau Mal und ein kleiner Kreisel aus Metall. Über weite Strecken ist "Inception" ein eigenwilliger, fesselnder Rausch. Das Ende bleibt erfreulich offen.
Doch nach einer ersten Sichtung (der deutschen Fassung, die aus Mal "Mohl" macht und aus Cobbs Partnerin Ariadne "Äriätnie") wirkt der Film auch unfertig und voller Irritationen. Den Traumwelten fehlt es an Abstraktion; anstelle von surrealen Momenten, Superkräften oder sprechenden Tieren gibt es viele Verfolgungsjagden und Schießereien mit den "Projektionen", bewaffneten Wächtern des Unterbewusstseins. Das sorgt für imposante Action-Sequenzen, wirkt aber seltsam kalkuliert, statt Burton oder Gilliam stehen Bond und Bruckheimer Pate. Das wunderbare Ensemble müht sich, der vertrackten Geschichte emotionale Erdung zu geben, an der strukturbedingten Unübersichtlichkeit ändert das wenig. "Moment", fragt nicht nur Ariadne irgendwann, "in wessen Unterbewusstsein gehen wir jetzt?"
Text: Thomas Klein
tip-Bewertung: Sehenswert
Orte und Zeiten: "Inception" im Kino in Berlin
Inception, USA/Großbritannien 2010; Regie: Christopher Nolan; Darsteller: Leonardo DiCaprio (Cobb), Ken Watanabe (Saito), Joseph Gordon-Levitt (Arthur); Kinostart: 29. Juli 2010
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