Wie der Name schon sagt, versammelt das Festival 14 Filme aus aller Welt. Sie alle haben vor allem eins gemeinsam: Sie sind noch ohne deutschen Verleih.
1000 Dollar sind ein stolzer Preis für eine Taxifahrt, aber es ist auch keine ganz gewöhnliche Fahrt, die der mürrische alte Mann namens "Big Dog" William vorhat. Er heuert den aus dem Senegal stammenden Solo an, ihn aus Winston-Salem, North Carolina, in die Gegend von Blowing Rocks zu fahren. Was er dort in den Hügeln vorhat, lässt sich unschwer vermuten, aber es sind ja noch zwei Wochen Zeit, und diese Zeit nützt der aus einer iranischen Familie stammende, in North Carolina geborene und aufgewachsene Ramin Bahrani in seinem dritten Spielfilm "Goodbye Solo" (Fr 27.11., 20 Uhr (Eröffnungsfilm), Sa 28.11., 20 Uhr u. Sa 05.12., 22 Uhr) für ein eindringliches Hin und Her zwischen einem erstarrten alten Mann und seinem unwiderstehlichen neuen Freund. Es geht um nichts weniger als die Frage, wofür das Leben sich lohnt – die Antwort ist im Grunde der Film selbst, der seine philosophische Prämisse in einen immer wieder sehr komischen Tonfall persönlichen Eigensinns übersetzt.
Mit "Goodbye Solo" erweist sich Ramin Bahrani nach seinen ersten beiden Filmen "Man Push Cart" und "Chop Shop" als eine der wichtigsten Figuren des jungen amerikanischen Kinos. Die Debatte um einen neuen Neorealismus, die er schon ausgelöst hat, ist zwar manchmal ein wenig bieder in ihrer Wiederholung uralter Motive, aber unzweifelhaft setzt hier ein Filmemacher neue Wegmarken im Grenzgebiet zwischen Dokumentarismus und Fiktion. Bei dem Festival Around the World in 14 Films, das ab Ende November zum vierten Mal im Babylon Mitte läuft, wird der deutsche Regisseur Hans-Christian Schmid ("Sturm", "Die wundersame Welt der Waschkraft") die Vorstellung von "Goodbye Solo" übernehmen, eine interessante Konstellation, denn bei Schmid gibt es offensichtlich ein ähnlich gelagertes Interesse wie bei Bahrani, nur verteilt er es immer wieder überraschend auf die Filme, die er konkret macht.
Die Patenschaft für Filme ist auch in diesem Jahr ein wichtiges Prinzip des Festivals. Alle ausgewählten Beiträge verdienen nach Meinung der Kuratoren ein größeres Publikum in Deutschland, es hat sich aber kein Verleih dafür gefunden, und so werden sie eben zumindest in festlichem Rahmen präsentiert. Thematisch und ästhetisch ist die Bandbreite dabei so groß wie bei jedem richtigen Filmfestival auch. Romuald Karmakar taucht mit seinem Dokumentarprojekt über den Elektronikmusiker Villalobos auf, aus Griechenland läuft der seltsame Familienfilm "Dogtooth" von Yorgos Lanthimos (präsentiert von Stefan Krohmer), aus Rumänien wurde "Hooked" (Fr 04.12., 20 Uhr u. Sa 05.12., 22 Uhr) von Adrian Sitaru ausgewählt, der vollständig mit subjektiver Kamera erzählt wird (Präsentator: Knut Elstermann).
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