"The Autobiography of Nicolae Ceausescu"

"The Autobiography of Nicolae Ceausescu"  

The_Autobiography_of_Nicolae_CeausescuUnter den kommunistischen Führern des 20. Jahrhunderts war Nicolae Ceausescu einer der schillerndsten – ein größenwahnsinniger Provinzfürst, der geschickt die beiden Blöcke des Kalten Krieges gegeneinander ausspielte. Weil er eine gewisse Distanz zu Moskau hielt, konnte er sogar zu einer Art Hoffnungsträger für den Westen werden. Und während dieser Zeit wirtschaftete er das Land in einer Weise hinunter, dass es sich bald 25 Jahre nach der Revolution nur mühsam davon erholt.

Andrei Ujica, der 1992 schon gemeinsam mit Harun Farocki in „Videogramme einer Revolution“ das umfangreiche Material aus den historischen Tagen um Weihnachten 1989 analysiert hat, ist nun für „The Autobiography of Nicolae Ceausescu“ in die Archive gegangen und hat aus zahllosen Stunden, in denen der „Conducator“ im Mittelpunkt steht, einen großen Film über die Macht montiert.
Von 1967 bis 1989 war Ceausescu an der Staatsspitze, und während dieser Zeit ließ er sich bei nahezu allen öffentlichen Auftritten filmen. Diese Bilder verwendet Ujica nun in einer verblüffenden Weise zu einer Untersuchung der totalitären Herrschaftsmechanismen, die sich als den demokratischen gar nicht so unähnlich erweisen.

Ceausescu als Lenker der Welt und Ceausescu als Vater der Nation, bei großen Reden und inmitten des Trubels, bei Volksfesten, Trauermärschen, Landpartien – immer dient alles dem einen Zweck, die Figur des ersten Mannes im Staat so universal wie möglich zu machen. Der eigentümliche Charakter dieses Filmes liegt darin, dass er sich wie ein Kippbild lesen lässt: Bis zu einem gewissen Maß wird sogar die Faszination nachvollziehbar, die von Ceausescu auch einmal ausgegangen sein muss, zugleich steht er durch die markante Eingangssequenz aus dem „Prozess“ von 1989 von Beginn an auch über die ganzen drei Stunden von Ujicas Film hinweg „unter Anklage“. „The Autobiography of Nicolae Ceausescu“ ist ein Schlüsselfilm über das 20. Jahrhundert, in dem das Filmbild als Machtinstrument entdeckt wurde und in dem es dazu dienen konnte, dass ein Individuum sich „autobiografisch“ mit dem Gemeinwohl verwechseln konnte.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Icon_Production_2010
tip-Bewertung: Sehenswert 

Autobiografia lui Nicolae Ceausescu - The Autobiography by Nicolae Ceausescu
im Kino in Berlin

Rumänien/Frankreich 2010;
Regie: Andrei Ujica; 185 Minuten;
FSK k.A.;
Kinostart: 24. Mai

 
von  tip-Redaktion
Zuletzt aktualisiert: 23.05.2012

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