"Casa de los Babys" im Kino

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"Casa de los Babys" im Kino  

"Casa de los Babys" im Kino in Berlin"Wenn der Nebel sich lichtet" hieß der letzte Film von John Sayles, der in Deutschland in die Kinos kam. Das ist mittlerweile zehn Jahre her. Also muss man auch den Nebel um Sayles erst einmal ein wenig lichten, indem man ihn als einen der wichtigs­ten Regisseure des US-Inde­pen­dent-Kinos vorstellt: Seit sei­nem Regiedebüt im Jahr 1980 hat sich Sayles seine Unabhängigkeit bewahrt und arbeitet nach dem Streit mit dem Studio, das ihm den Schnitt seines dritten Films "Baby, It’s You" wegnahm, außerhalb Hol­lywoods. Finanzieren kann er dies durch Drehbucharbeiten, oft auch als ungenannter script doctor (etwa für Ron Howards "Apollo 13"). Zu Sayles’ besonderen Talenten gehören das Schreiben prägnanter Dialoge ebenso wie die Fäh­igkeit, Ensemblefilme zu schaf­fen.
Das gilt auch für "Casa de los Babys", den er bereits 2003 drehte. Sechs Amerikanerinnen warten in einem ungenannten lateinamerikanischen Land darauf, Babys zu adoptieren und diese mit in die USA nehmen zu können. Die Motive dafür sind ganz unterschiedlich: Skipper (Da­ryl Hannah) hat drei Fehlgeburten hinter sich, Gayle (Mary Steenburgen) leidet an einem Alkoholproblem. Aus dem Rahmen fällt die Älteste, Nan (Marcia Gay Harden), die sich fortwährend über die Zustände im Hotel beklagt und versucht, mit Bestechung und Drohungen schneller zum Ziel zu kommen. Die Frauen, die bis auf eine Ausnahme kein Spanisch sprechen, verbringen die Zeit des Wartens am Hotelpool, beim gemeinsamen Essen oder – seltener – bei Ausflügen. Das Land und dessen Einwohner bleiben ihnen weitgehend fremd, aber das stört sie nicht.
Auf unaufdringliche Art zeigt Sayles auch die andere Seite: einheimische Mütter, die ihre Kinder fortgeben mussten, Straßenkinder sowie jene Menschen, die von der Anwesenheit der Amerikanerinnen profitieren. Dazu gehören die Hotelbesitzerin und ihr Bruder, der örtliche Anwalt sowie ihr Sohn, der sich beim Essen und Trinken mit seinen Freunden in einem guten Restaurant jedoch wortradikal gibt.
Das hoch emotionale Thema hat Sayles aufreizend undramatisch in Szene gesetzt, quasi semidokumentarisch beobachtend. Am Ende friert das Bild einfach ein. Antworten sollte man von diesem Film nicht erwarten.

Text: Frank Arnold

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: "Casa de los Babys" im Kino in Berlin

Casa de los Babys, USA/Mexiko 2003; Regie: John Sayles; Darsteller: Maggie Gyllenhaal (Jennifer), Marcia Gay Harden (Nan), Daryl Hannah (Skipper); Farbe, 95 Minuten

Kinostart: 31. Dezember

 
von  tip-Redaktion
Zuletzt aktualisiert: 30.12.2009

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