Die Hölle von Henri-Georges Clouzot

Die Hölle von Henri-Georges Clouzot  

Romy Schneider in "Die Hölle von Henri-Georges Clouzot"Als Henri-Georges Clouzot, einer der großen Regisseure des französischen Nachkriegskinos, 1964 den Thriller "Die Hölle" drehte, hatte er etwas ganz Besonderes vor. Mit wagemutigem Einsatz von Bild- und Toneffekten und skandalösem Inhalt wollte er der Filmkunst seiner Zeit neue Dimensionen erschließen. Romy Schneider, damals in ihrer Blütezeit, war als Hauptdarstellerin vorgesehen, vom amerikanischen Studio Columbia Pictures gab es ein nach oben offenes Budget. Während sich die Dreharbeiten aber immer langwieriger gestalteten, erlitt Clouzot einen Herzinfarkt, und "Die Hölle" blieb schließlich unvollendet.
Im Dokumentarfilm "Die Hölle von Henri-Georges Clouzot" begeben Serge Bromberg und Ruxandra Medrea sich auf die Spuren dieses mysteriösen Films und versuchen, Clouzots Vision zu rekonstruieren. Szenen aus dem gedrehten Filmmaterial werden mit Zeugnissen über die Entstehungsgeschichte von Catherine Allégret, Constantin Costa-Gavras zusammengefügt. Dabei werden die fast pathologische Genauigkeit des Regisseurs und die zum Teil chaotischen Umstände der Dreharbeiten enthüllt.
Clouzot erzählt die Geschichte von einem Mann (Serge Reggiani), der überzeugt ist, seine Frau (Romy Schneider) habe eine Affäre. In seinen wiederkehrenden Wahnvorstellungen untermalen kaleidoskopische Lichtphänomene und experimentelle elektronische Musik seine Hysterie, wobei Clouzot sich stark an Alfred Hitchcock anlehnte. Da viele Szenen ohne Ton überliefert sind, werden die Dialoge manchmal von den Schauspielern Bérénice Béjo und Jacques Gamblin in einem Studio vorgetragen – ein Verfremdungseffekt, der das Original vielleicht schon zu stark interpretiert, aber auch neugierig macht auf das, was da verloren ging.

tip-Bewertung: Sehenswert

Text: Rebecca Schmid

Die Hölle von Henri-Georges Clouzot: Ein unvollendetes Meisterwerk und seine Geschichte; Regie und Produktion: Serge Bromberg und Ruxandra Medrea; 95 Minuten. Bonusmaterial: Seine Gefangene (1968), der letzte Film von Clouzot; eine weitere einstündige Dokumentation u.v.m.; erschienen bei arthouse Premium

 
von  tip-Redaktion
Veröffentlicht: 23.08.2010 , Zuletzt aktualisiert: 23.08.2010
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