Fantasy Filmfest mit wenig "Spaß"

Fantasy Filmfest mit wenig "Spaß"  

Let the right one in
Tip: Das Fantasy Filmfest tourt durch acht Städte. Bislang endete das Festival immer in Berlin. Diesmal ist es anders: Die Tournee beginnt in Berlin …

Rainer Stefan: Das war eine logistische Frage: Unser Berliner Büro ist einfach größer und irgendwo müssen wir die 72 Filmkopien, die wir vorab bekommen, ja lagern – in München konnte man am Ende vor lauter Kisten nicht mehr an den Schreibtisch kommen. Außerdem, nach 21 Jahren, ist es nur fair, dass die Berliner mal zuerst drankommen, auch wenn sich die Münchner total aufregen.

Tip: Welche Trends sind in diesem Jahr ersichtlich?

Rainer Stefan:
Definitiv geht es ernst und erbarmungslos zu, es gibt wenig spaßige Filme. Und die Skandinavier sind noch stärker als in den vergangenen Jahren.

Tip:
In den letzten Jahren waren Frankreich und Spanien gut vertreten – im quantitativen, aber auch qualitativen Sinne …

Rainer Stefan: Frankreich ist nach wie vor sehr stark, mit neun sehr unterschiedlichen Filmen in diesem Jahr. Das liegt daran, dass das französische Fernsehen sehr viel Genreware will. TF1 und Canal Plus produzieren dementsprechend, auch Thriller – davon hatten wir in den letzten Jahren ja auch eine Reihe kompromissloser und düsterer Vertreter im Programm. Das französische Fernsehen hat auch keine Probleme damit, Filme wie „Inside“ auszustrahlen…

Tip: …den Sie vor einigen Monaten im Rahmen der Fantasy Nights präsentiert haben…

Rainer Stefan: …und der hier große Probleme mit der FSK-Freigabe hat, während er in Frankreich ab 16 freigegeben ist und im Fernsehen läuft.
Fantasyfilmfest 2008

Tip:
Es gibt diesmal seit langem wieder einmal auch alte Filme zu sehen, nämlich ein ‚Horror-Classics Double Feature’ mit „Dracula Has Risen From the Grave“ und „City of the Dead“. Letzterer lief ja schon mal in den Festival-Anfängen, als das Festival nur in Hamburg und München stattfand.

Rainer Stefan: Ja, und das ist auch diesmal wieder die 35mm-Kopie aus meiner Sammlung. Die Technicolor-Kopie des „Dracula“-Films haben wir mehr zufällig besorgen können und deren Qualität hat uns einfach umgehauen. Auch wenn man sieht, wie schlecht heute viele Kopien sind. Das ist echt bitter, wie lieblos heute die Massenkopien gezogen werden. Man hat geradezu den Eindruck, die Zuschauer sollen zum Heimkino gezwungen werden. Wenn dazu hundert Leute kommen, sind wir superhappy, erwarten tun wir eher fünfzig.


Tip: Verglichen mit anderen, auch größeren Festivals zeigen Sie den größten Teil der Filme als 35mm-Filmkopien, digital wird nur wenig projiziert…

Rainer Stefan:
Ja, 85 Prozent sind Zelluloid. Das liegt aber auch daran, dass wir kaum Fernsehproduktionen zeigen.

Tip: Viele der Filme, die auf dem Fantasy Filmfest auf der Leinwand zu sehen sind, kommen hierzulande später nicht ins Kino, sondern nur auf DVD heraus. Haben die Lizenzgeber dann trotzdem immer 35mm-Kopien?

Rainer Stefan: Wir bekommen die Kopien selten von den Lizenzgebern, sondern vom Weltvertrieb. Für ca. 20 Filme haben wir in diesem Jahr auch selber Kopien ziehen lassen. Wir wollen so weit wie möglich noch 35mm-Kopien zeigen, auch weil viele Kinos noch nicht in der Lage sind, eine vernünftige Digitalprojektion zu gewährleisten. Das gilt gerade für die großen Kinoketten.


Tip: Sie haben auch immer wieder Filme im Programm, die mit dem Genre nicht so viel zu tun haben. In diesem Jahr „Waltz with Bashir“.


Rainer Stefan:
Das ist ein Animationsfilm, davon versuchen wir immer so viele wie möglich zu zeigen. Wir haben jetzt auch die Unterzeile weggelassen – „Fantasy“, das ist im Jahr gerade mal ein Film. Aber der Name Fantasy Filmfest ist nun einmal etabliert.
Fantasyfilmfest 2008
Tip: Auf welche Gäste dürfen sich die Zuschauer in diesen Jahr freuen?

Rainer Stefan: In Berlin wird der Regisseur des Eröffnungsfilms „Eden Lake“ da sein, außerdem der Regisseur des Jean-Claude-Van-Damme-Films „JCVD“. Dann kommt auch Ole Bornedal, der gleich mit zwei Filmen vertreten ist, der Regisseur zu „Let the Right One in“ und der von „Mom And Dad“, sowie natürlich die Regisseure der deutschen Filme. Das ist der momentane Stand.


Tip: Es gibt in diesem Jahr keine Eventfilme als Vorpremieren. Ist das generell schwieriger geworden?

Rainer Stefan: Die großen Eventfilme gehen kaum, wegen des weltweiten Starts am selben Tag. Auch ein dreiwöchiger Abstand zwischen dem Start in den USA und bei uns, wie jetzt bei „Dark Knight“, reicht nicht aus, denn unser Festival erstreckt sich ja über vier Wochen. Dass ein Film wie „Hellboy: The Golden Army“ erst vier Monate nach US-Start in Deutschland herauskommt, ist wirklich die große Ausnahme. Wir haben diese großen Filme auch in den letzten beiden Jahren schon nicht mehr drin gehabt. Was sollen die Leute zu uns kommen, wenn sie wissen, nächste Woche läuft der Film in 800 Kinos? Da können Sie ihn dann am Kinotag für 4 Euro 90 gucken.


Tip: Sie haben „Hellboy: The Golden Army“ schon erwähnt. Dessen Regisseur ist während des Fantasy Filmfestes in Berlin, um seinen Film der Presse vorzustellen. Daraus können sich Spekulationen ergeben, dass dieser Film als Überraschungsfilm bei Euch zu sehen ist?


Rainer Stefan: Nein. Das war ursprünglich mal angedacht, aber der Verleih hat sich kurzfristig entschlossen, das nicht zu machen. Das ist schade, denn Guillermo De Toro hatte ja mit dem ersten „Hellboy“-Film ein begeistertes Publikum bei uns.

Interview: Frank Arnold

Mehr Infos zum Fantasy Filmfest Berlin 2008

Cinemaxx Potsdamer Platz

Kino in der Kulturbrauerei

Webseite zum Fantasy Filmfest Berlin

Di 12. bis Mi 20. August

 
von  tip-Redaktion
Veröffentlicht: 07.08.2008 , Zuletzt aktualisiert: 27.08.2008

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Bernd Ball

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