Filmkritik: "Layla Fourie" im Wettbewerb der Berlinale 2013

Filmkritik: "Layla Fourie" im Wettbewerb der Berlinale 2013  

Layla Fourie

Es beginnt vielversprechend: Layla Fourier, alleinerziehende Mutter eines kleinen Jungen in Johannesburg, bewirbt sich bei einem Security-Unternehmen auf eine Stelle als Polygrafistin, d.h. sie will Lügendetektor-Tests durchführen. Gefragt, was sie an dieser Arbeit reizt, antwortet Layla, Lügen würde nur zu weiteren Lügen führen und, wären alle aufrichtig, die Welt wäre ein besserer Ort. Wahr, aber schwierig, wie sich im weiteren Verlauf von Pia Marais' Wettbewerbsbeitrag "Layla Fourie" in extenso erweisen wird. Auf dem Weg zu Laylas erstem Auftrag nämlich geschieht auf nächtlicher Straße ein Unfall. Und ehe sie sich versieht und obwohl sie es gar nicht will, verstrickt Layla sich immer tiefer und auswegloser in ein Geflecht von Lügen. Ein Geflecht, das interessanterweise, je weiter es sich erstreckt, umso mehr unerquickliche Wahrheiten ans Licht bringt: über den in den Unfall verwickelten Mann, über dessen Frau und dessen Sohn, über Layla und ihren Sohn sowie über den gegenwärtigen Zustand der südafrikanischen Gesellschaft. Wer von euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein. Also wird am Ende auch kein Stein geworfen.
Das Problem ist nur, dass "Layla Fourie" als eine Art Thriller konzipiert ist und, je mehr dramaturgische Konventionen er wahrhaftig erfüllt, desto unglaubwürdiger wird. Flöten geht die Gewissensnot der Titelfigur, geht der gesellschaftliche Kommentar zu Mißtrauen und Angst, und macht erstunkenen Konstrukten Platz, die zwar die Handlung genregemäß vorantreiben, aber nicht ins Ziel führen.

Text: Alexandra Seitz

Foto: Pandora Film

Chance auf den Goldenen Bären: Das tip-Bärometer

Wettbewerb Berlinale 2013
Layla Fourier
(Deutschland / Südafrika / Frankreich / Niederlande 2013); Regie: Pia Marais; Darsteller: Rayna Campbell, Kapule Hendricks, August Diehl; 108 Minuten

 
von  tip-Redaktion
Zuletzt aktualisiert: 12.02.2013

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