Filmkritik: "Vic & Flo ont vue un ours" im Wettbewerb der Berlinale 2013

Filmkritik: "Vic & Flo ont vue un ours" im Wettbewerb der Berlinale 2013  

Vic und Flo haben einen Bären gesehen

Man könnte bei den diesjährigen Wettbewerbsfilmen bisher den Eindruck gewinnen, die politischen Themen traditionell zugeneigte Berlinale hätte einen Unterpunkt auf der Agenda, der sich der Volksaufklärung vor den Gefahren frei im Gelände herumliegender Bärenfallen widmet. Sorgten sie in "Gold" für amateurchirugische Sägearbeiten und in der Folge eine weitere Dezimierung des Casts, so machen die Metallzähne in dem kanadischen Beitrag "Vic & Flo ont vue un ours" dramaturgisch kurzen Prozess und endgültig Schluss mit lustig.
Dabei beginnt der Film von Denis Côté mit lakonischen Humor. Es wirkt, als solle keine große Geschichte erzählt, sondern mit schrägen Genreelementen und sicherem Stilgefühl die Skurrilität des Alltags in der entlegenen kanadischen Provinz porträtiert werden. Victoria, eine spröde Frau um die 60, richtet sich nach ihrer vorzeitigen Entlassung aus dem Gefängnis im Haus ihres gelähmten Onkels ein. Wenig später stößt ihre jüngere Geliebte Florence dazu sowie der smarte, schwule Bewährungshelfer, der bei dem Duo nur Spott erntet und trotzdem zu einer Art Familienmitglied wird.
Dazwischen wird mit einem Golfcar durch die Gegend gefahren, geraucht, Bier getrunken und in die Natur geschaut. Flo ist das zu wenig und Vic zu besitzergreifend, doch bevor der Konflikt zwischen den Frauen an Fahrt gewinnt, taucht ein brutaler Racheengel aus der Vergangenheit auf. Jetzt passiert plötzlich eine Menge, dessen Motivation der Film so betont nicht erklärt, dass der narrative Minimalismus in Geheimniskrämerei kippt. Kaum anzunehmen, dass in diese Falle irgendwelche Bären aus Edelmetall tappen.

Text: Stella Donata Haag

Foto: Ian Lagarde

Chance auf den Goldenen Bären: Das tip-Bärometer

Wettbewerb Berlinale 2013
Vic & Flo ont vue un ours (Vic & Flo haben einen Bären gesehen)
, Kanada 2013; Regie: Denis Côté; Darsteller: Pierette Robitaille (Vic), Romane Bohringer (Flo), Marc-André Grondin (Guillaume), Marie Brassard (Jackie); 90 Minuten

 
von  tip-Redaktion
Zuletzt aktualisiert: 11.02.2013

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