Irgendwie mythisch erzählt Lucia Puenzo in ihrem Film von einer lesbischen Liebe in Buenos Aires.
"Ich sollte hier sein", sagt Lala mit reichlich Verzögerung, die ihre Konfusion anzeigt. "Reden wir nicht über das, was hätte sein sollen", antwortet Ailín mit merkwürdiger Großzügigkeit. Die beiden jungen Frauen treffen sich im Innenhof eines Gefängnisses in Buenos Aires. Ailín, das arme Hausmädchen aus Paraguay, ist dort, weil Lalas Vater (Richter, reich, zynisch) tot ist und ihre Besucherin Lala verschwunden war. "Wenn du mich rausholen willst, kannst du gleich wieder gehen", entgegnet Ailín noch. Ein Rätsel mehr.
"Das Fischkind", nach "XXY" der zweite Film Lucía Puenzos, erzählt von der lesbischen Beziehung des reichen, argentinischen Oberschichtenkindes Lala zur Angestellten Ailín. Es geht um Klassengesellschaft, Frauenliebe, heterosexuellen Hausmädchensex, Inzest, Zwangsprostitution und die Mythen Lateinamerikas. Zumindest irgendwie. Und irgendwie auch nicht. Puenzos Adaption ihres eigenen Romandebüts ist läppisch, der Plot überladen, die Düsternis der Inszenierung wirkt eher angestrengt als spannend. Es gibt ein paar folkloristische Pittoresken, die Figuren weinen viel.
Lucrecia Martel ("La ciénaga") oder Jorge Gaggero ("Cama adentro") haben jedoch die Dekadenz von Buenos Aires besser eingefangen, Rodrigo Moreno ("El custodio") mehr zur kommunikativen Leere gesagt und Lisandro Alonso (u.a. "Los muertos") deutlicher dem Selbstverständnis dieser Gesellschaft etwas entgegengesetzt. Lucía Puenzo bleibt die Liebe der Mädchen. Nun ja.
Text: Lennart Laberenz
tip-Bewertung: Zwiespältig
Orte und Zeiten: "Das Fischkind" im Kino in Berlin
Das Fischkind (El niño pez), Argentinien/Spanien/Frankreich 2009; Regie: Lucía Puenzo; Darsteller: Inés Efron (Lala), Mariela Vitale (Ailín), Pep Munné (Brönté); Farbe, 96 Minuten
Kinostart: 7. Januar