In der Serie "Elternsprecher" geben wir Beobachtungen weiter, von denen Familien mit Kindern ein Lied singen können. Z.B. wie sich die modischen Verhältnisse zwischen Müttern und Töchtern verschieben können
Wenn erwachsen gewordene Töchter in ihre eigene Bude ziehen, registrieren deren Mütter das oft auch mit Erleichterung: nie mehr nach T-Shirts suchen, die sich die Tochter ungefragt ausgeliehen hat. Und sich nie wieder darüber ärgern, dass das Kind Mutters sündhaft teure Pumps für den Einsatz
in der schulischen Theater AG missbrauchte – wo sie achtlos in eine Ecke gepfeffert wurden. Diese Zeiten sind vorbei.
Nun ist es das Kind, dass in seinen neuen vier Wänden den größeren Fundus an Kleidung und Accessoires hat: H&M, Mango oder Zara – die junge Frau ersteht hier ein Schnäppchen und kauft da eine Modeneuheit. Stücke, die bei der Mutter keine Chance hätten. Denn würde sie diese ebenfalls anprobieren, käme sie stets zu dem Schluss, dass sie a) an ihr zu aufgesetzt-jugendlich wirken, b) nur an perfekten Figuren wirklich schön oder c) nur eine kurzfristige Modelaune sind, die man bald schon nicht mehr sehen mag. Dabei sieht die Sache eine Saison später ganz anders aus, neue Stile haben sich durchgesetzt. Wenn die Tochter alljährlich ihren Kleiderschrank ausmistet, fällt nun stets etwas für die Mutter ab. Die Boyfriend-Jeans? Ist auch nicht viel anders als die 501er von früher. Das hüftlange Schlabber-T-Shirt? Mit ‘nem Gürtel gar nicht so schlecht. Die bauschige Pumphose? Was für ein bequemer Alleskönner! Mutter und Tochter verstehen sich jetzt bestens.
Text: Eva Apraku
Foto: plainpicture/Johner
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