Kindermuseen in Berlin

Kindermuseen in Berlin  

Labyrinth_Tutmirgut__Labyrinth_Kindermuseum_Berlin"Nicht berühren!" oder "Ab­stand halten!": In Museen herrscht normalerweise ein klarer Benimmkodex, der von den er­wachs­enen Besuchern auch weitgehend akzeptiert ist. Nur Kinder kommen mit den eng begrenzten Regeln üblicherweise nicht klar. Nur gucken, nicht anfassen? Es sind Vorschriften, die dem kindlichen Wesen völlig widersprechen. Ganz anders in den fünf speziellen Berliner Kindermuseen, wie etwa dem Kindermuseum Labyrinth im Wedding. Hier kann der Nachwuchs seiner Neugier freien Lauf lassen und die Exponate nicht nur anfassen, sondern auch mit ihnen spielen oder experimentieren. In der aktuellen Labyrinth-Ausstellung "Alle anders anders" – es geht darin um den Umgang mit dem vermeintlich Fremden – können die kleinen Besucher beispielsweise ausprobieren, wie ein Blinder mit den Händen zu "sehen" oder sich ohne Lautsprache zu verständigen.

Mit derart praxisnahen Einblicken und Erfahrungsmöglichkeiten bieten Kinder- und Jugendmuseen eine wichtige Ergänzung zur Wissensvermittlung in der Schule, findet Yvonne Landau vom Bundesverband Kinder- und Jugendmuseen. Kindermuseen stellten einen angstfreien Lernraum dar, in dem die Kleinen ohne Druck von außen selber bestimmen könnten, was sie wissen und wie sie an Dinge herangehen möchten. Das Learning by Doing rege zum Nach- und Weiterdenken an. Die Idee zu Kinder- und Ju­gend­museen kommt aus den USA. Inzwischen handelt es sich sogar um den Museumstyp mit dem weltweit stärksten Wachstum. Im deutschsprachigen Raum werden diese Einrichtungen seit den frühen 1990er Jahren vermehrt gegründet: 67 Kinder- und Jugendmuseen sind inzwischen regis­triert, darunter Museen, die sich auf naturwissenschaftliche oder kulturgeschichtliche Themen spezialisiert haben. Trotzdem mangelt es hierzulande, ganz anders als in den USA oder in Österreich, an öffentlicher Akzeptanz. Statt durch Steuergelder müssen sie sich überwiegend aus Drittmitteln finanzieren.FEZ Sag, was war die DDR

Inhaltlich hat man sich in den Berliner Kindermuseen dem Ziel verschrieben, in temporären oder dauerhaften Ausstellungen die gesundheitliche, soziale und kulturelle Bildung von Kindern zu fördern und ihnen zu helfen, auf spielerische Art und Weise die Zusammenhänge unserer komplexen Welt zu begreifen. So kann der Nachwuchs in der Dauerausstellung "Villa Global" im JugendMuseum Schöneberg durch insgesamt 14 Zimmerchen "reisen": Eingerichtet sind die Räume jeweils nach polnischem, russischem, türkischem, ghanaischem oder italienischem Vorbild – den Ländern, aus denen die eingewan­derten Berliner Nachbarn kommen. Das JugendMuseum Schöneberg hat sich seit 1995 dem Thema Geschichte verschrieben. Wobei der Schwerpunkt auf der Geschichte Berlins und seiner Bewohner im Allgemeinen sowie dem Stadtteil Schöneberg im Besonderen liegt.

Eine weitere kulturhistorische Ausstellung war z.B bis Dezember 2009 im Kindermuseum im FEZ zu sehen. Die Besucher der interaktiven Ausstellung "Sag, was war die DDR?" bekamen einen Einblick in das Leben, wie es einst in dem sozialistischen Staat Alltag war. Denn auch die Kinder alteingesessener Ostberliner Familien dürften 20 Jahre nach dem Mauerfall einen gewissen Informationsbedarf haben. Machmit_KindermuseumSeinen Fokus hat das Museum des Kinder- und Jugendzentrums auf gesellschaftlich relevante Themen gelegt. So gehörten in der Vergangenheit Ausstellungen über Leben und Tod, Geld und Einkaufen, Gesundheit und Familie zu seinem Programm. Doch auch solche Kinder, die wissensmäßig nicht jedes Mal in der Tiefe schürfen wollen, fühlen sich in den Berliner Kindermuseen wohl. Die meisten dieser Einrichtungen kommen nicht nur dem kindlichen Erkenntnis-, sondern auch dem Bewegungsdrang entgegen. So bietet das Labyrinth Kindermuseum auf seinen zwei Etagen genügend Platz für große Sprünge. Und das MACHmit! Museum lockt mit einer riesigen, bekletterbaren hölzernen Konstruktion. Langweilige Regentage dürften damit ihren Schrecken für Klein, aber auch für Groß verloren haben.

Text:Merle Radtke
Fotos: Labyrinth Museum, Machmit! Museum

Kindermuseum im FEZ-Berlin
(ab 7 Jahre),
Mi 15-18 Uhr, Sa 13-18 Uhr, So 10-18 Uhr, Tel. 53 07 11 11, Eintritt: 3 €, Familienkarte 8 €, www.fez-berlin.de

Labyrinth Kindermuseum Berlin (3-14 Jahre),
Fr+Sa 13-18 Uhr, So 11-18 Uhr (Sonder­öffnungszeiten in den Ferien), Tel. 800 93 11 50, Eintritt: 4,50/4 €, www.labyrinth-kindermuseum.de

MACHmit! Museum für Kinder
(ab 5 Jahre),
Di-So 10-18 Uhr, Tel. 74 77 82 05, Eintritt: 4,50/3 €,
www.machmitmuseum.de

Jugend Museum Schöneberg
Mi+Do 15-18 Uhr, Sa+So 14-18 Uhr, Tel. 75 60 61 63, Eintritt frei
www.jugendmuseum.de

In Vorbereitung neuer Ausstellungen derzeit geschlossen:

JuniorMuseum im Ethnologischen Museum,
Arnimallee 23, Zehlendorf, Tel. 83 01-255,
www.juniormuseum-berlin.de

Neues Universum e.V.
c/o Xantener Straße 7, Charlottenburg, Tel. 883 11 03, www.neuesuniversum.de

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von  tip-Redaktion
Veröffentlicht: 13.07.2009 , Zuletzt aktualisiert: 07.04.2010
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