Carsharing - Modelle in Berlin

Carsharing - Modelle in Berlin  

c_MGMEin Smart setzt in die Parklücke in der Käthe-Niederkirchner-Straße im Bötzowviertel und kommt unter einem Kirschbaum zum Stehen. Ein kräftiger Herr im Blaumann steigt aus dem Pkw-Winzling, beugt sich vor die Windschutzscheibe und hält ein Kärtchen davor. Dann geht er seiner Wege. So einfach sieht Car-Sharing aus.
In begehrten Wohngegenden wie Prenzlauer Berg braucht man nicht weit zu laufen, bis schon das nächste Auto zum Teilen einlädt. Cambio etwa hat drei Stellplätze auf der Hufelandstraße, einen Schlüsselwurf weiter in der Pasteurstraße buhlen Autos von Greenwheels und Flinkster – das Angebot der Deutschen Bahn – um Kundschaft. Gerade biegt ein espressobrauner Mini Cooper um die Ecke, auf dessen Flanke DriveNow“ steht. Nach den klassischen Car-Sharing-Firmen, die auf dem Prinzip der festen Station basieren, an die das Auto zurückgebracht wird, sind in Berlin neue Modelle nachgerückt. Großkonzerne wie BMW
(DriveNow) oder Daimler (Car2Go) bieten Autos, die man im „One-Way“-Modus fahren kann. Statt der üblichen Monatsmiete bezahlt man nur den konkreten, dafür etwas teureren Nutzungspreis.

DriveNow-IDIn Berlin tummeln sich mit sieben klassischen Car-Sharing-Anbietern so viele Firmen wie nirgends sonst. Besonders in den Hochburgen des neuen Bürgertums – Kreuzberg, Friedrichshain und Prenzlauer Berg –, dort wo mehr Bioläden als Banken zu finden sind und private Baugruppen die Lücken im Straßenbild gefüllt haben. Im Bötzowkiez ist man folglich mitten im Eldorado dieser auf Nachhaltigkeit bedachten Lebenskultur. Und Car-Sharing gehört längst dazu.
Aber ist es wirklich so einfach, wie es ausschaut? Im Prinzip ja. Und mit Internetseiten wie der des Bundesverbands Carsharing (www.carsharing.de) herrscht auch kein Mangel an glaubwürdigen Informationsstellen. Die meisten Berliner Anbieter sind hier gelistet. Eine aufmerksame Vorbereitung aber ist bei allen Anbietern vonnöten. Der Weg führt zuerst in ein Büro. Im Falle von Cambio – mit rund 50 Fahrzeugen an 15 Stationen in den typischen zentralen Bezirken – liegt es in der Gneisenaustraße. Hier kann man sich gegen Vorlage von Personalausweis und Führerschein eine kleine blaue Karte aushändigen lassen. „So viel Auto, wie ich will“ steht drauf. Mit ihr lässt sich später an der Station ein Schränkchen öffnen. Ein Display-Quadrat erfragt eine PIN-Nummer, ein Schlüsselboard öffnet sich. Jetzt wechselt der silberne Fiesta seinen Benutzer. Zumindest für zwei Stunden, die zuvor auf der Webseite als gewünschte Buchungszeit eingetippt wurden. Hat man sich verschätzt und es dauert länger, ruft man eine Hotline an.

Die Fahrt im Teilzeit-Mobil vergeht angenehm – wie das nun mal so ist bei Autos, die oft Neuwagen sind. Der Rund-Trip in den Wedding und zurück dauert etwa fünf Stunden und schlägt mit circa 21 Euro zu Buche. Mit Karte, PIN und Schlüsseln hält man später zwar einiges in den Händen, um das Auschecken an der Station zu regeln. Für Menschen, die selbst ihre EC-Kartennummer leicht vergessen, ist da schon etwas Disziplin gefragt. Dafür entschädigt der per Halteverbot reservierte Parkplatz. Ein wahres Goldstück in den beliebten Kiezgegenden!

Das Grundprinzip von Cambio und Co beruht darauf, in bestimmten Vierteln ein möglichst dichtes Netz an Stationen zu pflegen und langsam auszudehnen – statt das Angebot weit über das Stadtgebiet bis in die Außenbezirke zu streuen. Nur wenn bis zur nächsten Station keine 500 Meter zu laufen sind, lässt sich die Kernidee wirklich umsetzen. Wer außerhalb des S-Bahn-Netzes wohnt, hat wenig von dem neuen Teilungs-Boom und fährt besser weiter Privatwagen. Allerdings muss man für den im Monat mit allen Kosten für Benzin, Wartung und Versicherungen leicht 300 Euro berappen, hat „Finanztest“ unlängst errechnet. Lebt man zentral und will nicht mehr als 10 000 Kilometer jährlich fahren, ist Car-Sharing billiger. Kombiniert mit dem gelegentlichen Ruf nach einem Taxi, bleibt dies finanziell oft günstiger als der Pkw-Besitz. Wobei Taxis die Dinosaurier des Car-Sharing-Gedankens sind: Geteilte Autos mit Chauffeur, die höchst flexibel dorthin kommen und fahren, wo man sie braucht.

FlinksterDoch auch das Bahn-Auto namens Flinkster, das neben seinem Zwillingsbruder in der Pasteurstraße parkt, erweist sich als praktisch. Nicht ganz so chic wie der Konkurrent von Stadtmobil, ist das Fahren besonders für Bahncard-Besitzer interessant: Der sonst überall gängige Monatsgrundbetrag entfällt; das macht die Kostenkalkulation auch für Rechenmuffel leicht nachvollziehbar und der Preis ergibt sich aus der Multiplikation der Stunden mit der Kilometerzahl: Bei 2,30 Euro pro Stunde und 0,18 Cent je Kilometer kommen dabei 6,76 Euro zusammen, um vom Bötzowkiez zum Hauptbahnhof zu fahren, dort die Verwandtschaft aufzulesen und zurückzukehren. Für ein Taxi müsste man leicht doppelt so viel berappen. Mit ihrer Flinkster-Flotte, zu der auch Elektrofahrzeuge zählen, setzt die Bahn weiter auf den Ausbau des Angebots für Kunden, die nach der Zugreise am Ankunftsort weiter mobil sein wollen. Das hat sich mit den Call-a-Bike-Fahrrädern schon bewährt, die an vielen Bahnhöfen und zusätzlich in Großstädten auch an festen Stationen zu finden sind. Per Handy ist die Ausleihe spontan möglich und schnell erledigt. Zu vernünftigen Preisen: Für  höchstens 15 Euro Tagespreis – und nur 9 Euro für Bahncard-Inhaber – wird der Service viel genutzt.
Auch bei der Bahn parkt man das Leih-Fahrzeug anschließend wieder am Startpunkt.

Foto: MGM, BMW-AG, Bernd Roselieb/DeutscheBahnAG

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von  tip-Redaktion
Zuletzt aktualisiert: 05.07.2012

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