Barry Koskys "Die Zauberflöte" als Mozarts Stummfilm

Barry Koskys "Die Zauberflöte" als Mozarts Stummfilm  

Zauberfloete_c_IkoFreeseWahrscheinlich ist Wolfgang Amadeus Mozarts „Die Zauberflöte“ die populärste Oper der Welt. Aber in einer solchen Inszenierung wie jetzt in der Komischen Oper Berlin war sie gewiss noch nirgends zu sehen: Da schweben rosa Elefanten durch die Luft ebenso wie der einsame Mund von Papageno, als der zum Schweigen verurteilt ist. Tamino wird in einem Spinnennetz eingefangen, das die Königin der Nacht mit ihren meterlangen Insektenarmen blitzschnell um ihn herum zaubert, und eine schwarze Katze, von der niemand weiß, woher sie stammt, springt vergnügt durch die Szenerien. Vielleicht ist sie das Maskottchen, das der Aufführung so viel Glück gebracht hat.

Völlig neues Licht
Denn Barrie Kosky, der neue Intendant des Hauses, und die britische Theatertruppe „1927“ haben das Wunder vollbracht, „Die Zauberflöte“ in ein völlig neues Licht zu rücken – das des Stummfilms und des Comics.
Und alles, ohne dabei Mozarts Oper Gewalt anzutun. Die schwer erträglichen Dialoge wurden gerafft und auf ein paar eingeblendete Sätze reduziert – „Wo bin ich? Träume ich?“ Zum Teil wird die Geschichte einfach ohne Worte erzählt, was erstaunlich gut funktioniert. Gespielt wird vor einer weißen Fläche mit eingelassenen Drehtüren, die als Leinwand für den taktgetreu gestalteten Film dient, den Suzanne Andrade und Paul Barritt gezeichnet und animiert haben. Der Phantasie, die sich immer am ohnedies skurrilen Libretto mit seinen Menschen, Tieren, Sensationen – der Feuer- und Wasserprobe etwa – auflädt, sind keine Grenzen gesetzt. Die Sänger integrieren sich kunstvoll in das virtuelle Bühnenbild. Der neue Generalmusikdirektor Henrik Nánási beweist sich als Zeremonienmeister auf allen Ebenen und steuert Orchester wie Ensemble punktgenau durch die surrealen Bildprojektionen. Das Schönste an dieser wunderschönen Inszenierung freilich ist, dass sie die Ideologien und Normen nicht so ernst nimmt und sich ganz im Sinne Mozarts über den Lauf der Dinge amüsiert – und damit grandios auch uns.   


Text: Irene Bazinger
Foto: Iko Freese
tip-Bewertung: Herausragend

Termine: Die Zauberflöte
in der Komischen Oper,
u.a. Sa 22., So 26.12, 19.30 Uhr, Mo 31.12., 18 Uhr,
Kartentel. 47 99 74 00

Interview mit den Opernintendanten Barry Kosky und Hans Neuenfels

 

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von  tip-Redaktion
Zuletzt aktualisiert: 26.12.2012

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