Das Staatsballett zeigt an der Staatsoper im Schiller Theater mit "Duato/Forsythe/Goecke" einen Abend mit zeitgenösischen Choreografien und einer Uraufführung
Arme zittern und zucken, Schultern brechen nervös hervor, der Körper wirkt, obwohl am Platz festgehalten, wie ein flatteriges Wesen, dessen Motor Bewegungen im Schnelldurchlauf abgespult. Die düster-minimalistische Höchstgeschwindigkeitschoreografie der Uraufführung „And the Sky on that Cloudy Old Day“ von Marco Goecke lässt die Zersplitterungen von John Adams’ Musik („Guide to Strange Places“) scheinbar direkt in die Körper fahren. Auch wenn diese mit ihren ständigen Wiederholungen irgendwann einem sich selbst zitierenden, endzeitlichen Computerspiel gleicht, beeindruckt die Intensität, mit der sich die neun Tänzer, unter ihnen Vladimir Malakhov selbst, dieser ungewohnten Bewegungswelt verschreiben.
Endlich, möchte man aufatmen, nach all den brav-angestaubten Repertoire-Abenden des Staatsballetts, endlich der Sprung ins Zeitgenössische – solide, aber nicht sonderlich energetisch vorgeführt mit Nacho Duatos Choreografie „Arcangelo“, richtiggehend bravourös dagegen in „Herman Schmerman“ von William Forsythe. Die tänzerische Lust und technische Raffinesse, mit der Naida Saidakowa und ihre wunderbaren Kollegen und Kolleginnen dieser komplizierten zeitgenössischen Choreografie traumhafte Leichtigkeit verleihen, sollte ein Wegweiser in die Zukunft des Staatsballetts sein.
Text: Elisabeth Nehring
Foto: Bettina Stoess
tip-Bewertung: sehenswert
Duato/Forsythe/Goecke
Staatsoper im Schiller Theater,
Sa 2.6., 19.30 Uhr (letzte Vorstellung der Spielzeit)
Karten-Tel. 20 35 45 55
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