"Bye Bye Blondie" im Ballhaus Ost

"Bye Bye Blondie" im Ballhaus Ost  

ByeByeBlondieSophia Simitzis hat zuletzt viel Punk gehört: Stooges, MC5, Motörhead. So was hatte die Berliner Regisseurin im Kopf, als sie zum ersten Mal „Bye Bye Blondie“ las, den Roman von Viginie Despentes. In Frankreich gilt die Autorin dank ihrer Sex-and-Crime-Story „Baise Moi“ als Vertreterin einer Art Hardcore-Feminismus.

Theatermacherin Simitzis hat sich begeistert durch das Werk der Französin gelesen, hängenblieb sie schließlich bei der neurotischen Lovestory „Bye Bye Blondie“ von 2004. „Das ist Musik!“, dachte sie, genauer: „ein Mix aus Punk und Oper.“
Die Geschichte dreht sich um Antiheldin Blondie, die es sich durch Wutanfälle und aggressive Ausfälle regelmäßig mit ihrer Umgebung verscherzt und selbst ihr Herzensprojekt versiebt – ein Filmskript. Eine Frau, die auch mit Mitte dreißig scheinbar nie erwachsen wird und den Soundtrack ihrer Sozialisation verinnerlicht hat: Punk. Konkrete Songreferenzen ziehen sich als roter Faden durch das Buch. Simitzis und Komponistin Eunsun Lee nutzen die Stücke als musikalische Inspiration für eine Partitur, die zudem Verbindungen zur Oper aufweist.

Oper erscheint Simitzis, die zum Mitarbeiterkreis von Christoph Schlingensief zählte, als schlüssiger Gegenpol. Wo sich die Titelfigur – verkörpert von Sopranistin Ruth Rosenfeld – doch in eine fast schon zu süße romantische Liebe mit ihrer alten Jugendflamme stürzt. Auf Antipoden und dem Prinzip der Verdrehung beruht auch die Musik. Von der Energie von Iggy Pop und Co. hat sich Wolfgang-Rihm-Schülerin Lee leiten lassen.
Das Ensemble auf der Bühne erinnert folglich mehr an eine Band als an ein Orchester: mit E-Gitarre, Schlagzeug, Klavier, Violine und Saxophon. In den Musikern werden sich auch Figuren aus der Romanhandlung spiegeln. Sängerin Rosenfeld wird neben ihnen als Wanderin zwischen den Welten erscheinen. Was – bei aller Liebe – ziemlich laut werden dürfte.    

Text: Ulrike Rechel
Foto: privat

Bye Bye Blondie
im Ballhaus Ost,
Sa 16., Fr 17., Do 28.–Sa 30.6.,
Karten-Tel. 44 03 91 68

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von  tip-Redaktion
Zuletzt aktualisiert: 27.06.2012

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