Aya

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Eigentlich könnte Aya, eine etwa zwanzigjährige Ivorerin, als typische Bewohnerin von Yopougon, dem umtriebigen, etwas mitgenommenen Stadtteil der Metropole Abidjan durchgehen: Sie ist zielstrebig, schlagfertig und kennt ihre weiblichen Reize. Doch im Unterschied zu ihrer Freundin Bintou, einer jungen Frau, die gerne einen draufmacht, hat Aya Höheres im Sinn. Statt nach einem Mann mit viel Geld zum Verprassen zu jagen, konzentriert sie sich auf ihr Medizinstudium und ihre Familie – auch wenn letztere alles andere als perfekt ist: Ihr Vater Ignace hatte bis vor Kurzem eine Gomie, eine heimliche Geliebte – mit der er sogar zwei Kinder zeugte.
Die kürzlich im Berliner Reprodukt Verlag erschienene Graphic Novel "Aya: Leben in Yop City" ist eine Fortsetzung der soap-opera-ähnlichen Storys um die Heldin Aya, ihre Freunde und ihre Verwandten, die seit 2005 in Frankreich erscheinen und es sogar bis zu einem viel gepriesenen Animations­film geschafft haben.
Ersonnen von der Franko-Ivorerin Marguerite Abouet und zeichnerisch bezaubernd von Clément Oubrerie umgesetzt, spielen die Geschichten in dem neu erschienenen Band Anfang der 1980er-Jahre: Da ist der homosexuelle Innocent, der sein Glück im fernen Paris sucht – und sich dort doch nur als einer von vielen Illegalen durchschlagen muss. Oder Grégoire, ein gut aussehender Galérien, also ein Nichts­nutz, der mit seinen vermeintlichen in Frankreich erzielten Erfolgen angibt, tatsächlich aber von dort ausgewiesen wurde und als Kind einer "Kriegs­verliererin", einer sitzen gelassenen Mutter, ohnehin nicht gerade auf Rosen gebettet war. Doch in Yop City, wie Yopougon unter den Bewohnern heißt, hält man sich nicht lange mit Jammern auf. Ob als falscher Prediger, als Rächerin gegen Macht­missbrauch oder als Hilfs­friseur: Wer in diesem Stadtteil Abidjans groß geworden ist – das lehrt das höchst unterhaltsame Buch – nimmt sein Leben selbst in die Hand und greift beherzt auch nach dem kleinsten Zipfel Glück.



Text:
Eva Apraku

Aya: Leben in Yop City von Clément Oubrerie & Marguerite Abouet, Reprodukt,
 360 Seiten, 39 Euro

 
von  tip-Redaktion
Zuletzt aktualisiert: 02.02.2015

tip Ausgabe 11/2016

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