"Der gute Mensch von Sezuan" an der Schaubühne

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"Der gute Mensch von Sezuan" an der Schaubühne  

SezuanKondome nicht ins Klo, keine Drogen sowieso. Bei Funny van Dannen hört sich das alles so einfach an. "Gutes tun", weiß der Berliner Liedermacher, "ist gar nicht schwer, zu Hause und im Kreisverkehr". Bei Brecht, wissen wir ja alle noch aus der Schule, ist das ein wenig beschwerlicher. In "Der gute Mensch von Sezuan" verzweifelt die Prostituierte Shen Te (nachdem sie mit göttlichem Konjunkturprogramm ihren kleinen Tabakladen eröffnet hat) an der Schlechtigkeit der Menschen. Falsche Freunde nutzen ihr Gutmenschentun gnadenlos aus, schnorren, klauen, betrügen. Um zu bestehen, schlüpft sie immer wieder in die Rolle ihres Alter Egos des fiesen, aber realitätstüchtigen Vetters Shui Ta, der als kapitalistisches Korrektiv, die Dinge wieder zurechtrückt. Gut sein? Ein Ding der Unmöglichkeit. So weit, so allerliebst simpel.
Mit einer gehörigen Portion Misstrauen inszeniert Friederike Heller an der Schaubühne den schweren Stoff, tunkt ihn tief in den Ironiekübel und setzt auf Klamauk. In lässiger Probenatmosphäre lässt sie die Schauspieler auf der Bühne rumprobieren und eher gelangweilt in ihre Rollen schlüpfen. Die Männer tucken im Rollstuhl über die Bühne und setzen sich dabei Perücken und putzige Hütchen auf. Kapitalismuskritik als Karnevalsparty.
Ernst Stötzner gibt den coolen Wasserverkäufer und Jule Böwe setzt sich in der Titelrolle erst mal an den Rand und schaut dem Treiben ein wenig ungläubig zu. Und in dieser "Was machen wir hier eigentlich"-Haltung müssen die Schauspieler ihren schlichten Text auch noch gegen den Lärm der Postrocker Kante (die mit 
ihren Instrumenten auch die einzige Bühnendeko bilden) anschreien.
Dass dieser tuntig angehauchte Brecht-Tumult nicht zu seicht wird, verdankt er einer fantastischen Jule Böwe, die diesen Abend sowohl in ihrer Rolle als Shen Te wie als Mutter der Schauspielerkompanie zusammenhält. So verhärmt wie glamourös trotz sie mit prolliger Grandezza dieser Brecht-Veralberung große melancholische Momente ab, stellt sie verliebt in den Regen und suhlt sich in der Flitter-Pampe.    

Text: Björn Trautwein

Foto: Heiko Schäfer

tip-Bewertung: Sehenswert

Termine: Der gute Mensch von Sezuan
in der Schaubühne am Lehniner Platz, Kurfürstendamm 153, Wilmersdorf,
z.B. am 20./21., 23./24.5., 20 Uhr

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von  tip-Redaktion
Veröffentlicht: 29.04.2010 , Zuletzt aktualisiert: 30.04.2010

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