Friedrich Einhoff in der Galerie Levy

Friedrich Einhoff in der Galerie Levy  

Friedrich_EinhoffFriedrich Einhoffs Bilder geben Anlass zum Innehalten und bewusstem Schauen. Der Schwer­punkt der aktuellen Schau bietet einen Überblick über sein Schaffen der letzten 20 Jahre. Die Arbeiten siedeln sich an der Grenze zwischen Zeichnung und Malerei, zwischen Figuration und Abstraktion an.
Der ehemalige Professor an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg, seit 1985 Mitglied der Kunstakademie, bekam 2008 die Plakette der Freien Akademie der Künste und den Hans-Platschek-Preis für Kunst und Schrift in Hamburg verliehen. Einhoffs größte Errungenschaft ist, den Menschen wie ein Stillleben zu malen. Seine Kunstsprache ist streng und eindringlich, das Hauptstilmittel die Reduktion – ob in Farbpalette oder Linienführung. Die Leinwände und Blätter des Malers wirken wie abgegriffene Schwarz-Weiß-Fotografien aus ver­gangenen Zeiten und zeigen anonyme Porträts von Einzelpersonen oder Gruppen. Die Dargestellten, meist junge Personen, besitzen kaum Geschlech­terspezifika und wirken wie Prototypen.
Einhoff, der in den Nachkriegswirren des Zweiten Weltkriegs aufwuchs, lässt unter der scheinbar ruhigen Bildhaut fragil wirkende Protagonis­ten in den Vordergrund treten. In den Zwischenräumen zeigen sich Schrammen, Verwischungen und Übermalungen. Details wie Sand oder Asche stigmatisieren und verfremden den Bildträger. Sie sind zugleich Sym­bole der zerfließenden Zeit und unserer Vergänglichkeit. Eine richtige Geschichte aber wird nicht erzählt. Mit seiner reduzierten Farbpalette und dem sparsamen Pinseleinsatz weicht Einhoff kunsthistorischen Vorgängern vorsichtig aus. Obwohl eine Verwandtschaft zu Maria Lassnig, Francis Bacon oder Gia­co­metti durchaus besteht. Einhoff verzichtete aber auf Zerfaserung oder grelle Verstümmelung seiner Figuren. Etwas unbehaglich wirken die teils fragmentierten oder ausgelöschten Gesichter mit den hohlen Augen trotzdem. Im Mittelpunkt steht der Konflikt zwischen anonymem Kollektiv und der einzelnen Person – und die Umkehrung dessen, was ein Porträt ausmacht: Erkennbarkeit und Andenken.    

Text: Laila Niklaus

tip-Bewertung: Sehenswert

Friedrich Einhoff "Figuren auf Zeit",
Galerie Levy Berlin, Rudi-Dutschke-Straße 26, Mitte,
Mi-Sa 12-19 Uhr, bis 17.4.

Weitere Ausstellungen:

Ming Wong in der Galerie Invaliden1

Nadja Schöllhammer in der Kunsthalle Vierseithof in Luckenwalde
 

Kunst und Museen in Berlin von A bis Z

 
von  tip-Redaktion
Veröffentlicht: 10.03.2010 , Zuletzt aktualisiert: 10.03.2010
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