Für seinen Abschied als Generaldirektor der Staatlichen Museen hat sich Peter-Klaus Schuster eine große Beuys-Ausstellung ins Haus geholt. Viel Lärm um nichts, findet tip-Kunstredakteur Qpferdach
Sie haben Furore gemacht, Aufsehen erregt und leider auch jede Menge Nachahmer gefunden, ...die zwar nicht diese Klasse haben, aber trotzdem für Aufregung sorgen, weil sie laut brüllen und schlechte Manieren haben.
"Wo ist die Putzfrau?", so möchte man fragen angesichts des Hypes um die große Beuys-Ausstellung im Rahmen der Abschiedstour des scheidenden Generaldirektors der Staatlichen Museen, Peter-Klaus Schuster. "Kult des Künstlers" heißt das Spektakel, und Professor Schuster hat herumtelefonieren lassen, wer denn seine Beuys-Schätzchen noch einmal museal präsentieren möchte. Der Ahnherr der sogenannten sozialen Plastik, dessen Verdienst es ist, sich aus der Kunsthochschule in Düsseldorf vom späteren Bundespräsidenten Rau hinausschmeißen zu lassen, hat aber nicht nur damit Furore gemacht. Da ist die Debatte um seine Fettecke, die von einer kunstfernen Putzfrau entsorgt wurde (Skandal!). Er hat auch Unglück über die Menschheit gebracht, als ihm der Satz entfuhr, jeder Mensch sei ein Künstler. Was er damit angerichtet hat, lässt sich jederzeit besichtigen, sei es in Galerien, in Museen, auf der Straße oder unweit des
Hamburger Bahnhofs im Reiche Mehdorns. Wir werden also Kunststücke eines Mannes zu sehen bekommen, der scharenweise Epigonen auf den Plan gerufen hat und Werke, um die sich seine Kunstverwalter mit aller Macht bemühen, damit das Chaos im Werk des Altmeisters seine verbürgte Ordnung hat. Und weil der große Meister scheinbar nicht allein genug ist, musste dem Kult um Beuys noch der Kult um Warhol beiseite gestellt werden, einem ebenso genialen Kunsterfinder, dem es gelungen ist, sich selbst als Ikone der Popkultur zu inszenieren. Er selbst hat den Starkult ins Leben gerufen, er hat die Stars angezogen, und alle Großen dieser Welt fühlten sich geehrt, wenn der Meister der Massenkultur sie porträtierte.
Da im Hamburger Bahnhof auch die Sammlung Christian Flick zu sehen ist, kommt es nicht von ungefähr, dass als dritter Streich um den Kult des Künstlers die Selbstinszenierung schlechthin thematisiert wird: "Ich kann mir nicht jeden Tag ein Ohr abschneiden." Das ist so banal wie dämlich, sagt aber einiges über Künstler aus, die keine Kunst im Kopf haben, sondern nur den durchaus verständlichen Wunsch, in der Öffentlichkeit nicht übersehen zu werden. Aber ob das Kunst ist, ist eine ganz andere Frage.
Text: Qpferdach
Foto: J.Littkemann, Kippenberger
Kunst des Künstler
im Hamburger Bahnhof
Invalidenstraße 50, Tiergarten,
3.10.2008 bis 11.1.2009