Eine Wunde in meinem Herzen: Die Inszenierung "Tango Türk" von Lotte de Beer kommt leider nur halb in Fahrt.
Eigentlich hätte es eine richtig runde Sache werden können mit "Tango Türk" in der Neuköllner Oper: türkische Tangomusik, eine schmachtende Liebesgeschichte um ein junges Paar, das sich 1980, kurz vor dem Militärputsch, rettungslos ineinander verliebt und in den Wirren des Putsches verliert. Dazwischengeschnitten die Gegenwart. Die junge Frau von damals ist gestorben und geistert als Untote zwischen ihrer heillos zerrütteten Familie umher. Klingt etwas verwickelt, aber Kerem Can hat das mit viel Sinn für dramatische Verwicklungen montiert.
Das Stück verschränkt klug Alltag und Geschichte, ein guter Stoff mit guter Musik. Das Familiensetting von Loser-Papa und ultracoolem Sohn mag etwas klischiert sein, aber es hätte für entschieden mehr getaugt als für die biedere Inszenierung der Regisseurin Lotte de Beer. Der Sängerin Begüm Tüzemen hört man gern zu, sie singt so schöne Sachen wie "Die Vergangenheit ist eine Wunde in meinem Herzen". Nur steht sie leider unaufhörlich mit geschlossenen Augen vor dem Publikum. Allein Kerem Can und Sesede Terziyan als das junge Liebespaar wissen, wie man Pointen setzt.
Text: Michaela Schlagenwerth
tip-Bewertung: Annehmbar
Termine: Tango Türk,
in der Neuköllner Oper, ab Do 4.2., 20 Uhr, Karten unter 688 90 70
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