Essen & Trinken in Berlin

Kunst der Begegnung

Anatomie einer Bar: Hüttenkunst im Mauerpark. Der bildende Künstler Klaus Büsen betreibt
eine temporäre Begegnungsstätte für Freidenker, Ausschank inklusive

kunst_18091 Kunstwerk
Auf 120 mal 80 Zentimenter, also Europalettenmaß, steht die erste angewandte Skulptur von Klaus Büsen. Man könnte sie auch einfach Hütte nennen. Der bekennen­de Beuys-Anhänger hat mitten in Prenzelbergs beliebtester Grünanlage ein Objekt erschaffen, das sich selbst bewirtschaftet und einen eigenen Zyklus im sozialen Raum durchlebt. Die Hütte ist ein au­­tar­kes Objekt, ein Raum im Freien, der hauptsächlich über seine Form und Optik bindet. Büsen selbst sieht seine Hüttenkunst nicht als Aktion, sondern als Installation, die wie ein Happening funktioniert. Schließlich ist die Hütte jeden Tag anders. Auch jenseits der stetig wachsenden Zahl von Graffiti an ihren Wänden. Sein Werk ist Kunst der Begegnung. „Malen, Bilder aufhängen und sich dann verpissen geht gar nicht“, so Büsen. Sein Ziel ist dementsprechend mehrdimensional: Spaß haben, gute Laune verbreiten, die Gegenwart verbessern, ein Miteinander schaffen und die Leute mit mehr nach Hause schicken, als sie vorher hatten.

2. Cocktaileis
„Lifti-Vodka“ wurde von Büsen als Spaß bringender Zeitgeistcock­tail kreiert. Bestandteile des bunten Gesöffs sind zwei Wassereisstangen, die sogenannten „Liftis“, ein Spritzer Tonic und Wodka.

3 Sinnsprüche
Glückskekse entstammen nicht et­wa einer chinesischen Traditi­on. Das knusprige Süßgebäck ist eine amerikanische Erfindung des 20. Jahrhunderts. Die enthaltenen Sprüche gehen dennoch oft auf fernöstliche Weisheiten zurück.

4 Solaranlage
Klaus Büsen will nicht nur alternative Gespräche anregen, sondern auch alternative Energien fördern. Seine Minimusikanlage wird darum über einen Solargene­rator mit Strom versorgt, vollkom­men stromnetzunabhängig und CO2-neutral. Das handliche Fotovoltaikmodul zum Einklappen und Mitnehmen hat keine Ladezeit. Einmal aufgeklappt, sind unveröffentlichte Songs der Berliner Band A girl called Johnny zu hören. Deren Sängerin hat das Solar­modul nämlich gespendet.

5 Beamtenlatein
Eine Ausschankgenehmigung im Mauerpark verlangt einiges an Organisationstalent und Akribie. Ganze 13 Seiten Schriftverkehr mit Ämtern und Anwälten muss als Hüttenbetreiber jederzeit mitgeführt werden. Der Ordner enthält nicht nur alle notwendigen Genehmigungen und Zahlungsbelege, sondern auch Bau- und Lagepläne des Hüttenobjektes. Unschöner Höhepunkt des Genehmi­gungs-Hickhacks ist die Unterstellung, es würde sich bei den Aktivitäten an der Hütte um ein Volks­fest handeln. Das bedeutet: neue Auflagen. Klaus Büsen sieht den Austausch mit öffentlichen Stellen als Teil des künstlerischen Prozesses. Vielleicht stellt er alle Unterlagen nach der Aktion on­line, damit Nachahmer von seinen Erfahrungen profitieren.

Text: Susan Schiedlofsky

Hüttenkunst im Mauerpark noch bis So 6.9., am Hauptweg durch den Mauerpark, verlängerte Schwedter Straße, Prenzlauer Berg,
http://huettenkunst.klausbuesen.de, bei schönem Wetter Mo-Sa ab 18 Uhr, So ab 13 Uhr

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