Kino & Film in Berlin

Neues US-Independent-Kino: Mumblecore

Seit Anfang des Jahrtausends entwickelt sich in den USA ein Filmgenre, dessen Regisseure mit kleinstem Budget interessante Antworten auf den "American Dream" Hollywoods haben.

Exploding Girl

Es klingt ein wenig danach, wie auch in Berlin viele Filmprojekte von Jungregisseuren verwirklicht werden: Kleines bis sehr kleines Budget, Laien-Schauspieler, die sich ausprobieren wollen und als Thema das Leben an sich.
In den USA wird dieses Genre Mumblecore genannt und bezeichnet eine aktuelle Welle von Independent-Filmen, die in ihrer Einfachheit erfrischend anders sind, als das, was man aus dem happy-end-süchtigen Land der Hollywood-Maschinerie sonst so kennt.
Junge amerikanische Menschen, die einfach nur herumhängen, sich im Nichtstun versuchen und dabei fast leidenschaftslos, unverständliches Zeug ohne größere Bedeutung nuscheln, prägen ein Bild, in dem das Scheitern und die eigenen Schwächen den Gegenentwurf zum „American Dream“ bilden. Mumblecore-Filme werden oft ohne festes Drehbuch gedreht, lassen sich in ihrer Geschichte ähnlich treiben wie die Protagonisten und ziehen nicht selten aus den Improvisationen der Schauspieler ihre größten Momente.
Klassisches Beispiel hierfür ist eine Szene aus „Exploding Girl“ (Foto) von Bradley Rust Gray, der 2009 auf der Berlinale seine Premiere feierte und im Mai 2010 endlich in die deutschen Kinos kommt. Die weibliche Hauptperson des Films Ivy zieht ihren besten Freund Al damit auf, dass dieser immer das gleiche T-Shirt trage. Der Regisseur klärte auf: Bei der Szene handele es sich um eine Unterhaltung der beiden Schauspieler, die von Drehort zu Drehort unterwegs waren. Die Kamera sei eher zufällig mitgelaufen.
Zu weiteren Klassikern des „Mumblecore“ gehören auch die Filme von Andrew Bujalksi, dessen neuestes Werk „Beeswax“ gerade in den deutschen Kinos anläuft. Bujalskis Erstlingswerk „Funny Ha Ha“ aus dem Jahre 2002 gilt als so etwas wie die Initialszündung des Mumblecore-Genres.
Meistens schaffen die Low-Budget-Produktionen den Weg über den großen Teich in die deutschen Kinos nicht, sind dafür jedoch über das Internet als DVD erhältlich.

Eine Übersicht über Mumblecore-Filme:

Funny Ha Ha (USA 2002), Regie: Andrew Bujalski
Napoleon Dynamite (USA 2004), Regie: Jared Hess
Mutual Appreciation (USA 2006), Regie: Andrew Bujalski
LOL (USA 2006), Regie: Joe Swanberg
Hannah Takes The Stairs (USA 2007), Regie: Joe Swanberg
Quiet City (USA 2007), Regie: Aaron Katz
Team Picture (USA 2007), Regie: Kentucker Audley
In Search Of A Midnight Kiss (USA 2007), Regie: Alex Holdridge
Baghead (USA 2008), Regie: Jay und Mark Duplass
Nights And Weekends (USA 2008), Regie: Greta Gerwig und Joe Swanberg
The Lost Coast (USA 2008), Regie: Gabriel Fleming
Luke And Brie Are On A First Date (USA 2008), Regie: Chad Hartigan
Medicine For Melancholy (USA 2008), Regie: Barry Jenkins
Alexander The Last (USA 2009), Regie: Joe Swanberg
Humpday (USA 2009), Regie: Lynn Shelton
Beeswax (USA 2009), Regie: Andrew Bujalski

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