Die 8mm-Bar in Prenzlauer Berg

Die 8mm-Bar in Prenzlauer Berg  

Alex Konuk in der 8mm-Bar

Tagsüber fährt Alex Konuk oft raus aus Berlin, aufs Land nach Mecklenburg-Vorpommern. Dort hat er sich einen alten Bauernhof gekauft. Dann reißt er Wände ein und Böden raus, fährt Schutt weg und zieht Trockenwände hoch. "Ich lebe vom Nachtleben, in meiner Freizeit brauche ich viel Tageslicht und vor allem Ruhe", sagt er. Aus dem Bauernhof soll mal eine Ranch werden, mit Ferienwohnungen: "Dieser Ort ist ein Traum."
Einen anderen Traum hat der 39-Jährige längst verwirklicht: eine eigene Bar. Alex Konuk betreibt die 8mm-Bar, außerdem steckt er hinter der Neu!Bar in Prenzlauer Berg und er ist der Chef des kleinen Labels 8mm-Musik. Arbeit abzugeben fällt ihm schwer: "Ich versuche so viel wie möglich selbst zu machen", sagt er. Und das gilt für sein Ranch-Projekt in Mecklenburg-Vorpommern genauso wie für seine Nachtleben-Projekte in Berlin. Als DJ Olli legt er regelmäßig auf, als Bar-Betreiber steht er hinterm Tresen und als Label-Chef geht er mit seinen Bands auf Tour. Er kümmert sich um das Booking der Bars, veranstaltet Konzerte und er sucht die Musiker aus, die sein Label unter Vertrag nimmt. Und einen Raum für ein Büro in der Neu!Bar renoviert er derzeit auch noch. Zum Interviewtermin an einem Montagnachmittag Mitte Mai kommt Alex Konuk in braunen Westernstiefeln, Jeans und weißem T-Shirt, vormittags hat er an seinem neuen Büro gearbeitet. Pausen gönnt er sich nur, wenn es unbedingt sein muss. So wie letzte Woche, als er mit einer Grippe im Bett lag. Davor war er mit der Band The Blue Angel Lounge, deren Album er gerade veröffentlicht hat, auf Tour in den USA. Zweieinhalb Wochen, elf Konzerte, über 6.000 Kilometer. "Das war richtig anstrengend, aber es hat sich gelohnt." Aber auf die Reise verzichten konnte er auch nicht. Wie mit allen Bands, mit denen er zusammen arbeitet, ist er auch mit den sechs Musikern von The Blue Angel Lounge befreundet. Und außerdem war die Tour eine gute Gelegenheit, mal wieder in seine Heimat zu reisen.
Alex Konuk in der 8mm-BarVor zehn Jahren zog der gebürtige US-Amerikaner Alex Konuk nach Berlin, seinen ersten Besuch im damaligen Westteil der Stadt hat er nie vergessen. "Ich war total erschrocken", sagt er. Das war Ende der 70er-Jahre, der Terror der RAF war auf einem Höhepunkt angelangt. Konuk war gerade einmal vier Jahre alt und wollte seine Tante besuchen. Als er mit seiner Mutter in Tegel aus dem Flugzeug stieg, begrüßten ihn Polizisten mit Maschinengewehren im Anschlag. Zurückgekehrt ist er trotzdem immer wieder, und 2002 blieb er dann. "Ich wollte unbedingt hier leben. Deutsch habe ich von Anfang gesprochen", sagt er. "Meine Mutter ist Deutsche." Die deutsche Staatsbürgerschaft hat er aber nicht. "Ich bin in den USA geboren, für meine Mutter war es das Land ihrer Träume. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass ich mal nach Deutschland möchte. Aber die Träume der Eltern sind nie die Träume der Kinder."
Die 8mm-Bar machte er nur wenige Monate nach seinem Umzug nach Berlin auf, im November 2002. "Ich gehe gerne alleine in eine Bar, sitze am Tresen, rede vielleicht mit dem Barkeeper oder schaue hin und wieder an die Wand, wo ein Film läuft", sagt er. "Das konnte man aber in Berlin nicht. Und es gab keine Location, in der mal nicht Techno lief." Also eröffnete Konuk seine eigene Lieblingsbar: Seit zehn Jahren läuft in der 8mm-Bar fast ausschließlich Postpunk, New Wave und Psychedelic Rock, ein Beamer projiziert Schwarz-Weiß-Filme an die Wand. Die Yeah Yeah Yeahs waren da, Franz Ferdinand, The White Stripes, Interpol und viele andere Bands. "Das, was ich am liebsten mag, mögen andere auch", sagt er knapp. Für Ende 2014 hat Alex Konuk zur 8mm-Bar-Abschiedsfeier eingeladen. Er habe sich bewusst einen konkreten Endpunkt gesetzt: "Anders könnte ich nicht so viel investieren, wie ich es die letzten Jahre gemacht habe." Berlin verlassen, das Label und das Nachtleben aufgeben, möchte er aber nicht, auch wenn er sein Bett schon in seinem Bauernhof aufgestellt hat. "Ich liebe die Stadt und ich liebe es, für mich alleine zu sein. Ich möchte beides", sagt er.

Text: Katharina Wagner

Fotos: Oliver Wolff

8mm Bar, Schönhauser Allee 177, Prenzlauer Berg

www.8mmbar.com

 
von  tip-Redaktion
Zuletzt aktualisiert: 13.06.2012

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