Kitty Solaris im Schokoladen

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Kitty Solaris im Schokoladen  

Kitty Solaris im Schokoladen

Sie kann sich nicht mehr genau erinnern, wann sie von Marburg nach Berlin gezogen ist. Es muss 1994 oder ein Jahr später gewesen sein. Kirsten Hahn weiß aber noch genau, dass sie sofort merkte, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. "Mir hat speziell die Atmosphäre in Mitte gefallen. Alles war unsaniert und Künstler fanden viele Freiräume. Der erste Laden, den ich abends besuchte, war der Schokoladen. Es gibt ihn trotz vieler Existenzkämpfe immer noch, darüber bin ich froh", sagt sie beim Treffen im Café Chagall. Sonst verändert sich in diesem Bezirk und nebenan im Prenzlauer Berg alles in einem Tempo, das Sorgen macht. "Es kommen sehr viele kreative Leute aus aller Herren Länder in diese Gegend, das ist interessant. Aber es ist auf der anderen Seite auch spießiger geworden. Alles wird fein gemacht, die Mieten erhöhen sich, Leute werden weggetrieben. Der bloße Kapitalismus macht sich breit, das ist krass." Dennoch lässt Hahn sich nicht völlig die Laune verderben. Schon gar nicht als Musikerin. Zuerst spielte sie zwischen 1998 und 2004 in der Band Plastic Ivy. Schon vor deren Ende begann sie mit Unterstützung von Schlagzeuger Steffen Schlosser am Aufbau ihrer Solokarriere. Das erste Album unter dem Namen Kitty Solaris hieß "Different People Recording", erschien 2003 und wurde mit verschiedenen Leuten unkompliziert im Wohnzimmer aufgenommen. Um für ihre Veröffentlichungen regelmäßig eine Heimat zu haben, gründete sie fünf Jahre später das Label Solaris Empire. "Wir hatten damals gerade das zweite Album ,Future Air Hostess‘ bei Tobias Siebert (heute And The Golden Choir) in seinem alten Studio in Pankow aufgenommen. Es war sehr gut geworden. Ich hatte aber keine Label-Kontakte und musste die Angelegenheit dann selbst in die Hand nehmen."
Dieser Tage erscheint mit "Silent Disco" das sechste Album von Kitty Solaris. Es ist das Resultat der Zusammenarbeit mit Leuten im Studio. "Ich bin grundsätzlich Singer-Songwriterin, aber mich interessieren auch Pop und elektronische Musik. Wenn es passt, bin ich auch nach anderen Seiten hin offen." Das zeigt sich besonders am Song "Extasy", für den Jochen Ströh und Steffen Schlosser im Lovelite-Studio einen Beat auf afrikanischer Basis kreiert haben. Diese Zugabe passt perfekt. Dasselbe lässt sich auch von den ersten fünf Titeln des Albums behaupten, die der Australier Damien Press koproduziert, gemischt und in die elektronische Richtung gelenkt hat. Im Titelsong klingt eine Mischung aus Achtziger-New-Wave und Depeche Mode durch, die Hahn mit ihrer entspannt-verführerischen Stimme weiter veredelt.
Ihre neuen Songs und mehr wird sie jetzt bei einer Show im gewohnten Schokoladen-Ambiente vorstellen. Dort veranstaltet sie auch regelmäßig Konzerte anderer Musiker in der Reihe "Lofi-Lounge". "Wenn die Zeit es zulässt, mir die Musik gefällt und die Kommunikation mit den Musikern stimmt, sorge ich gerne für eine Veröffentlichung auf dem Label oder eine Veranstaltung. Ich kann schon verstehen, warum so ein direkter Kontakt gesucht wird. Größere Labels denken mainstreamiger und die Wege über die Internetseiten von Bandcamp oder Soundcloud sind überlaufen." Da fällt man nicht auf. In der Nische, die sich Hahn als Kitty Solaris aufgebaut hat, aber schon.

Text: Thomas Weiland

Foto: Olga Bagzynska

Schokoladen Ackerstraße 169, Mitte, Mi 2.3., 19.30 Uhr, AK: 8 Euro Support: Man Behind Tree"

 
von  tip-Redaktion
Zuletzt aktualisiert: 01.03.2016

tip Ausgabe 13/2016

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