Visionärer Eigenklang: Die beiden US-Bands Mastodon und Saint Vitus haben sich gerade ob ihrer Eigenheiten für die Allgemeinheit der Heavy-Metal-Fans zu Konsenshelden entwickelt.
Freunde der härteren musikalischen Gangart können dieser Tage gleich doppelt frohlocken und den Kalender-Markierungstift bemühen. Mit Mastodon und Saint Vitus gastieren nämlich zwei Koryphäen-Kombos metallischer Gitarrenunterhaltung in Berlin, die trotz ganz unterschiedlicher Altersstruktur von Metal-Fans generationsübergreifend goutiert werden. Den Anfang macht diesen Monat die neue Garde in Form von Mastodon (Foto unten). Das Quartett aus Atlanta, Georgia, hat bislang mit vier Alben unter Beweis gestellt, dass sich riffversierte Hartnäckigkeit und progressivere musikalische Denkansätze nicht zwangsweise ausschließen. Mastodon verflechten Heavy-Metal-, Classic-Rock-, krustige Sludge-Klänge und (Post-)Hardcore zu einem visionären Eigenklang, welcher nicht von ungefähr durch sämtliche Szenesegmente hinweg eine der größten gemeinsamen Nenner-Quoten des modernen Metals aufweist.
Mit ihrem jüngsten und bislang wegweisendsten Werk "Crack The Skye" hat die Band die kreative Messlatte nicht nur für sich selbst, sondern für das gesamte aktuelle Metal-Genre um einige Meter nach oben verschoben. Dass den Jungs ihre reformatorische Vorreiterstellung letztlich ziemlich schnuppe ist und ihnen Scheuklappen grundfremd sind, macht sie nur sympathischer. "Wir sind alle so große Fans von Progressive Rock und Sachen aus den Siebzigern, dass uns diese ganze Heavy-Metal-Hegemonie gar nicht so wirklich interessiert", eröffnet Gitarrist und Sänger Brent Hinds ungeachtet der Grammy-Nominierung in der Kategorie "Best Metal Performance", welche die Band im Jahre 2007 einheimsen konnte. "Als Kind fühlte ich mich stark zu den Doors, Jimi Hendrix und Black Sabbath hingezogen. Ich denke, dass wir als Band immer stärker Teil einer Grenzen überschreitenden Musikszene werden, anstatt nur als die neuen Metal-Mogule gefeiert zu werden. Ich möchte die Kids, die Slipknot und Slayer hören, gerne mit auf unseren musikalischen Trip nehmen und so ihren Horizont etwas erweitern." Eine eherne Aufgabe, die Mastodon auch auf lyrischer Ebene gerne mit einem konzeptuellen Bildungsauftrag koppeln. Denn nach der Klischee- oder gar Kitsch-Keule sucht man bei dieser Band und ihrem künstlerischen Anspruch auch in textlicher Ausrichtung vergeblich. Analog zu ihrer atmosphärischen musikalischen Dichte üben sich die Amerikaner in ihren inhaltlichen Idealen nämlich lieber an Thematiken jenseits des vielzitierten Tellerrands und widmen sich wie auf "Crack The Skye" außerkörperlichen Erfahrungen, Zeitreisen, Wurmlöchern und dem zaristischen Russland Rasputins. Harter Stoff in jeder Hinsicht, der Mastodons Ausnahmestellung in der heutigen Rock-Welt nur noch weiter unterstreicht.
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