Hauptstadt-Open Airs: Greenville und Berlin-Festival

Hauptstadt-Open Airs: Greenville und Berlin-Festival  

Berlin_Festival_2011_credit_Geert_Sch__ferAls vor sieben Jahren die Betreiber des Berlin Festivals ein zweitägiges Open Air in Paaren/Glien, einem 600-Seelen-Dorf am westlichen Stadtrand Berlins, annoncierten, ernteten sie zunächst einmal Kopfschütteln. Klar, die Leute fahren nach Roskilde, sie fahren nach Donington und auch in ein stillgelegtes sächsisches Tagebaugelände zum Melt! Festival – aber auf einen alten Landwirtschaftsbetrieb noch hinter Spandau und  Falkensee? Die Skepsis war angebracht, denn Stone-Roses-Sänger Ian Brown oder die hippen The Kills spielten ungläubig vor nur ein paar Hundert Zuschauern zwischen Heuballen, Ställen und Kuhweiden. Das hauptstädtische Rockpublikum war augenscheinlich noch nicht bereit für den großen Ausflug ins Grüne. Und auch die Gastronomie nicht – als der späte Hunger kam und der Hauptact die Bühne erklomm, waren die Imbisswagen schon längst verrammelt und für die Rückkehr nach Berlin gerüstet.    

Die Macher zogen daraus ihre Konsequenzen und wechselten dorthin, wo man ein Berlin-Festival eigentlich auch vermutet: mitten in die Hauptstadt. Zunächst ins alte Poststadion und schließlich auf den 2009 frei gewordenen Zentralflughafen Tempelhof. Zum nunmehr vierten Mal soll dort am 7. und 8. September das Publikum abheben. Und wieder wird dafür eine Mischung aus großen Headlinern wie The Killers aus Las Vegas und dem weltweit goutierten Berliner Tanzbodeneinpeitscher Paul Kalkbrenner aufgeboten, aber auch Kritikerlieblinge und trendy Tipps wie Major Lazer, Michael Kiwanuka, Django Django und Heimspiele von Bands wie Bonaparte, Kraftklub, Tocotronic und das Webphänomen Cro. werden geboten. Nach dreijährigem Probelauf in Tempelhof haben die Veranstalter zudem wichtige Lehren gezogen. Während es mit dem Sound im letzten Jahr unter dem ausladenden Flughafendach haperte, wird die Hauptbühne nunmehr vom Hangar aufs Rollfeld verlagert. Was nicht nur unfreiwilligen Hall verhindern helfen dürfte, sondern ein beeindruckendes Gefühl beim Betreten des Konzertgeländes vermittelt. Zu später Stunde verlagert sich das Festivalgeschehen dann aus Lärmschutzgründen vom Flughafengelände nach Kreuzberg, wo es in der Arena und weiteren Clubs an der Schlesischen Straße noch bis früh am Morgen weitergehen wird.  

Was aber passiert eigentlich jetzt in Paaren/Glien? Fünf Jahre lang hatte man dort Ruhe, nun jedoch soll es wieder ordentlich abgehen: Mit dem dreitägigen Greenville Music Festival wird ein zweiter Versuch gewagt, die Peripherie zu rocken. Vom 27. bis 29. Juli dominiert hier die etwas härtere Gangart: Mit Iggy Pop & The Stooges setzt man  auf eine bewährte Rampensau, während The Flaming Lips und The Roots allein schon deshalb Leute ins Umland ziehen werden, weil man sie sonst kaum zu sehen bekommt. Darüber hinaus regiert eine bunte Mischung: von Turbostaat bis Turbonegro, von Egotronics Antifa-Elektro bis zu Haudegens Proletarier-Nostalgie. Auf jeden Fall aber soll diesmal nicht nur für reichlich Essen und Trinken gesorgt sein, sondern es wird zudem auch mit besten Campingmöglichkeiten gelockt. Dem Berliner – soweit solvent – winkt also die Möglichkeit, den Höhepunkt des Sommers zunächst im Grünen zu rocken und sich dann zum krönenden Abschluss im September auch noch auf Asphalt auszutoben.

Text: Hagen Liebing

Foto: Geert Schäfer

Greenville Music Festival Paaren im Glien, Fr 27. – So 29.7., 12 Uhr, VVK: 85 € inkl. Camping und Parken, www.greenvillefestival.com

Berlin Festival Flughafen Tempelhof, Fr 7. + Sa 8.9., 12.30 Uhr, VVK Tagesticket: 49 €, 2-Tage-Ticket: 74 €, mit Club Xberg: 89 €, www.berlinfestival.de

Überblick über die besten Open Airs der Saison.

 
von  tip-Redaktion
Zuletzt aktualisiert: 20.06.2012

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