Musik & Party in Berlin

Ein Interview mit New Order

Das lebendige Museum: Bevor Englands Indie-Dance-Pioniere ihr neues Album live in Berlin vorstellen, ?trafen wir Bernard Sumner und Stephen Morris im heimischen Studio.

New Order

Die englische Stadt Macclesfield liegt knapp 30 Kilometer von Manchester entfernt. Hier wurde die Band Joy Division geboren und auch deren Nachfolger New Order. Und hier ist auch das Studio, in dem New Order zuletzt am Großteil der Songs für ihr zehntes Album „Music Complete“ werkelten. Umgeben von grünen Wiesen (draußen) und einem Sammelsurium aus Instrumenten und „Dr. Who“-Memorabilia (drinnen) erzählen Sänger und Gitarrist Bernard Sumner (59) und Drummer Stephen Morris (58) in der umgebauten Farm von ihrer Rückkehr, die sie mit einem einzigen Deutschland-Konzert in Berlin krönen.

tip Meine Herren, bald sind Sie in Berlin zu Gast. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit der Stadt?
Bernard Sumner Die Schlimmsten! Ich hätte mir dort beinahe mal ein Bein gebrochen! Das muss so vor zehn Jahren gewesen sein. Wir spielten in einem Club, danach war noch eine Housemusic-Party in den Räumlichkeiten. Ich war ein bisschen betrunken und stand auf der Tanzfläche. Und dann legte der DJ „Blue Monday“ auf, und plötzlich stürmten alle in meine Richtung. Ich dachte nur: Ich kann doch jetzt nicht zu meinem eigenen verdammten Song tanzen!

tip Haben Sie dann aber doch?
Bernard Sumner Nein! Ich war dabei, zu verschwinden. Dummerweise hatte jemand einen niedrigen Tisch mitten auf die Tanzfläche gestellt, in den ich dann voll reingetreten bin. Das muss so ein Berlin-Ding sein.
Stephen Morris Wir werden trotzdem nie müde, „Blue Monday“ live zu spielen. Den Song lieben wir immer noch!

tip Und nun kommen Sie mit der neuen Platte zurück. Wie eingespielt sind Sie?
Stephen Morris Sehr, denn wir sind so viel getourt in den letzten Jahren. Aber es ist höchste Zeit, dass wir nun neues Blut durch die Venen von New Order fließen lassen. Wir fühlten uns schon wie ein lebendiges Museum!

tip Es ist die erste Platte ohne Ihren 2007 ausgeschiedenen Bassisten Peter Hook. Was antworten Sie Leuten, die sagen, ohne seine Bassläufe klingen New Order nicht nach New Order?
Bernard Sumner Das behauptet vermutlich nur Peter Hook selbst! Das wäre ja in etwa so, als wären die Rolling Stones nichts ohne Bill Wyman! Letztendlich klingt unser neues Album auch deshalb so happy und uptempo, weil es keine Hahnenkämpfe mehr innerhalb der Band gibt und der Typ, der alle runtergezogen hat, weg ist. New Order sind heute wieder eine Einheit.

tip Sie haben eine Spoken-Word-Performance von Iggy Pop auf der Platte. Das überrascht!
Bernard Sumner Dazu hat mich eine Dokumentation über Büffel sowie reichlich Wein inspiriert. Aber ich wusste sofort, dass „Stray Dog“ von Iggy gelesen werden muss. Sein Album „The Idiot“ kam zu der Zeit raus, als wir damals mit Joy Division durchstarteten. Ich erinnere mich noch genau, wie Ian Curtis mir die Platte vorspielte, als ich ihn das erste Mal in seinem Haus in Macclesfield besuchte.

tip Jenes Haus soll nun zum Museum werden!
Stephen Morris Und wir können nichts dagegen tun.
Bernard Sumner Es ist geschmacklos an dem Ort, wo jemand sich das Leben genommen hat, ein Museum zu errichten. Das ist schon fast Suizid-Verherrlichung!

tip Welche Band war wohl wichtiger für Manchester – New Order oder Take That?
Stephen Morris Take That kommen doch nicht mal aus Manchester! Robbie Williams ist doch aus Stoke-On-Trent. Sie sind somit disqualifiziert. (lacht)
Bernard Sumner Meine Tochter hat mir neulich einen Live-Mittschnitt von Take That gezeigt und meinte: „Solche Jacken mit Lichtern dran solltest du auch auf der Bühne tragen. Deine Klamotten sind echt langweilig!“ Ich habe ihr geantwortet, dass ich so was erst mit dem Rest der Band besprechen müsste.

tip Und: Haben Sie das getan?
Bernard Sumner Natürlich nicht! (lacht)

Interview: Katja Schwemmers

Foto: Nick Wilson

New Order, Tempodrom, Möckernstr. 10, Kreuzberg, Mi 11.11., 20 Uhr, ausverkauft, Support: Jake Evans + Daniel Miller (DJ)

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