Weddinger Schnäpse von Tom Michelberger

Weddinger Schnäpse von Tom Michelberger  

MichelbergerSchnaps_C_VictorFernandez_Hipi„Heute wird unser Schnaps gefeiert“, dröhnt Tom Michelbergers Stimme aus den Lautsprechern des Reisebusses. Zusammen mit Freunden der Familie und Mitarbeitern des Michelberger Hotels geht es in die Preußische Spirituosen Manufaktur. Dort werden bei einer Führung durch die Manufaktur die beiden Michelberger Schnäpse vorgestellt, die in der beinahe 150 Jahre alten Destillerie als Koproduktion von Michelberger und den Manufaktur-Betreibern Ulf Stahl und Gerald Schroff in monatelanger Tüftelei perfektioniert wurden.

Zur Begrüßung wird ein Likör ausgeschenkt. „Er riecht nach Sekt, im Mund entfaltet sich die Holunderblüte“, erklärt Ulf Stahl. Er wird von allen liebevoll „Der Professor“ genannt – allerdings nicht im Scherz. Prof. Dr. Stahl hat an der TU Berlin den Lehrstuhl für Mikrobiologie inne und referiert weltweit, unter anderem über das von ihm entwickelte Gärungsverfahren, das der Firma Red Bull ermöglichte, den Carpe Diem Kombucha herzustellen.
„Es gibt viel zu probieren, ihr braucht eine Grundlage”, preist Tom Michelberger die üppige Vesper an, die zwischen den Kupferkesseln aufgebaut ist. Seit der Gründung 1874 wird in diesem Raum Alkohol destilliert, museumsreif sind die Geräte aber noch lange nicht – auch wenn einen das Gefühl beschleicht, durch die Vergangenheit zu wandeln: Mitten im Wedding sind Apparaturen in Betrieb, deren Reparaturen noch von Kesselschmieden vorgenommen werden müssen.
Im ersten Stock lagern die historischen Schätze, darunter die flüssigen. Bevor es endlich zum Michelberger Schnaps geht, werden andere Berliner Spirituosen verköstigt. In riesigen Schöpfkellen geht nicht nur der Adler Wodka um, sondern auch der exquisite Adler Dry Gin – der schlappe 500 Euro pro Flasche kostet, herrlich nach Wacholderbeere schmeckt, seine 47 Volumenprozent aber nicht erahnen lässt.

Eine Tür weiter, im kleinen Verkaufsraum mit Hinterzimmer-Charme, wird der Michelberger ausgeschenkt. „Wir wollten eigene Schnäpse: Der eine sollte an hohe Bergluft erinnern, der andere an Wald und Erde”, erklärt Tom Michelberger den Impuls für die Entwicklung. Tatsächlich hat der 45-prozentige Klare durch Schalen von Zitrusfrüchten und Thymian etwas Frisches, der schwächere Dunkle, geprägt vom waldmeisterähnlichen Aroma der Tonkabohne, einen süßen, holzigen Geschmack. Beide gehen glatt runter. Destillateure, die sich ernst nehmen, bestehen darauf, keinen Flatrate-Fusel zu produzieren – trotzdem muss der Konsument aufpassen, nicht versehentlich eine halbe Flasche zu stürzen, es brennt einfach nicht.

Nur zwei Flaschen Michelberger werden für die Schnaps-Touristen ausgegeben, den Rest gibt es im Hotel. Den ganzen Abend lang stehen Würstchen und die übrige Brotzeit bereit, Kaiserschmarrn mit Vanillesauce und unendlich viel Schnaps. Hier weiß man zu feiern – aber auch zu vermarkten? „Wir trinken, was wir können, den Rest verkaufen wir“, scherzt Stahl. Tatsächlich wird es die Michelberger Schnäpse zunächst nur im Hotel geben.

Text: Marvin Purwin
Foto: Victor Fernandez/HIPI

Michelberger
Warschauer Straße 39-40,
Friedrichshain, Tel. 29 77 85 90, www.michelbergerhotel.com
Preußische Spirituosen
Manufaktur
Seestraße 13, Wedding,
Tel. 45 02 85 37,
www.psmberlin.de

INTERVIEW MIT TOM MICHELBERGER VOM OKTOBER 2009

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von  tip-Redaktion
Zuletzt aktualisiert: 06.06.2012

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