Musikstadt Berlin

100 Berliner Platten – Teil 4 (76-100)

76. Lemonbabies
Pussy!Pop (1995)
Erotisch aufgeladenes Fräuleinwunder-Pop-Phänomen. Hier noch auf Mike Korbiks Label Twang! Records, das Folgealbum „Porno“ (mit Nacktcover) erschien beim Major. Der Erfolg stellte sich aber nicht ein.

 

77. Floating Di Morel
More Memory Than Now (1995)
Beinflusst von Velvet Underground und Jürgen Gleue (39 Clocks) sitzt das Low-Fi Psych-Folk-Duo zwischen allen Stühlen und ist trotzdem genial. In limitierter Auflage bei Hidden Records erschienen.

 

78. Funny van Dannen
Basics (1996)
Weder zu poetisch noch zu pathetisch, Funny ist ein lakonischer Songwriter mit klugen, süffisant-amüsanten Texten (natürlich in deutscher Sprache). Unsere Anspieltipps: „Posex & Poesie“ und „Urbanhafen“.

 

79. To Rococo Rot
To Rococo Rot (1996)
Der wegweisende Grundstein der Gebrüder Lippok und Stefan Schneider (Kreidler) für die Schnittstelle aus ausgeklügelter Elektronik und Post-Rock. Erschienen beim ebenfalls wegweisendsten Label der 1990er: Kitty-Yo.

 

80. Stereo Total
Monokini (1997)
Sixties, Schlager, Pop, Easy-Listening. In den 1990ern tobten verschiedene Revivals im Schatten des Techno. In cooler frankophoner Aufmachung gaben Françoise Cactus und Brezel Göring dem bunten Treiben einen hippen Anstrich.

 

81. Quarks
Zuhause (1997)
Das Album von Jovanka von Wilsdorf und Niels Lorenz läutet eine Rückbesinnung aufs Private ein. Ihr sympathischer Elektro-Pop, veröffentlicht auf Gudrun Guts Monika-Label, gilt als Schlüsselwerk des Wohnzimmer-Sounds.

 

82. Spezializtz
G.B.Z.-Oholika (1998)
Berlin galt ja lange nicht unbedingt als Hip-Hop-Stadt, doch das Debüt der Rapper Dean Dawson und Harris erschien immerhin bei Sony. Richtig groß wurden sie trotzdem nicht. Harris ist als DJ Binichnicht immer noch unterwegs.

 

83. Meret Becker
Nachtmahr (1998)
Erschreckend düsteres, komplex instrumentiertes Konzeptalbum zwischen Schauermärchen, Chanson und Moritat. Auf der „Ballade vom kleinen Meretlein“ ist Ziehvater Otto Sander zu hören.

 

84. Monoland
Monoland (1998)
Ambient trifft auf Post-Rock trifft auf Shoegaze. Hypnotische Loops und zurückgenommene ­Vocals erschaffen erhabene Klanglandschaften. Stilprägend!

 

85. Pop Tarts
Woman Is The Fuehrer Of The World (1998)
Ausgeklügelt charmanter wie auch primitiver Mädchen-Pop-and-Roll. Angeblich als Uni-Projekt konzipiert. Erschienen beim Label Bungalow. Anspieltipp: „Kindheit Jugend Sex“.

 

86. Herr Nilsson
Liebesleid und Fischigkeit (1999)
Debüt der Singer-Songwriter-Band um den Schriftsteller Jan Böttcher. Mit wunderbar melancholischen Großstadt-Songs wie „Sex im Forumhotel“ und „Schwarze Seele“.

 

87. Britta
Irgendwas Ist Immer (1999)
Nachfolgeband der Lassie Singers, gegründet von Christiane Rösinger, Julie Miess und der Schlagzeugerin Britta Neander. Indiepop mit feministischer Strahlkraft, selbstverwaltet auf Flittchen Records ver­öffentlicht.

 

88. Die Sekte
Sintflows (1999)
1997 gründete Marcus Staiger das Label Royal Bunker, das Berlin als Hauptstadt des deutschsprachigen Gangsta-Rap verortete. Der Sampler bringt den heftigen HipHop-Sound auf den Punkt.

 

89. Paula
Himmelfahrt (2000)
Zartfühlender, deutschsprachiger Elektro-Pop. Berend Intelmann und Elke Brauweiler gelten neben den Quarks und Barbara Morgenstern als wesentliche Protagonisten der Berliner Wohnzimmerszene.

 

90. Komëit
Komëit (2000)
Die reduzierte Synthie-Elektro-Pop-Songwriter Band von Chris Flor und Julia Kliemann bildete neben Tarwater und T.Raumschmiere den Kern eines pop-intelligenten Musiker- und Produzentenzirkels, der auch jenseits der Clubs elektronisch agierte.

 

91. Contriva
Tell Me When (2000)
Eine weitere wegweisende Veröffentlichung auf Gudrun Guts Monika-­Label. Die Band von ­Masha Qrella, die ebenfalls in der Post-Rock-Formation Mina wirkte, spielt einen entspannt-melancholischen Indierock mit Elektro-Einschlag.

 

92. Ellen Allien
Stadtkind (2001)
Ab 1991 gehört die Produzentin Ellen Allien zum inneren Kern der Berliner Technoszene. Die erste Veröffentlichung auf ­ihrem Techno-Label BPitch Control mit Musik von Sascha Funke, Paul Kalkbrenner und Toktok.

 

93. Surrogat
Hell in Hell (2002)
Kitty-Yo-Mastermind ­Patrick Wagner gründete die Band 1994. Minimalistischer Hardcore mit Hang zur großen Geste. „Hell in Hell“ ist das letzte Album von Surrogat. Derzeit ist Wagner mit dem Projekt Gewalt aktiv.

 

94. Kool Savas
Der Beste Tag Meines Lebens (2002)
Savas wuchs in Kreuzberg auf und ist seit Mitte der Neunziger in der HipHop-Szene aktiv. Mit seinen umstrittenen Texten gilt er als Vorreiter des Battle-Rap.

 

95. Märtini Brös
Pläy (2002)
Sie haben „Don ­Giovanni“ elektronisch vertont und auf Steve Bugs Label veröffentlicht. Das Debüt von DJ Clé und Mike Vamp ist seicht-seltsamer Elektro-Pop, ziemlich vertrackt und ziemlich verspult.

 

96. The Puppetmastaz
Creature Funk (2003)
Arschcoole Tier-Puppenmonster rappen und dancen zu Bounce und Breaks. Live ein Erlebnis. Hinter dem Projekt steht u.a. der Musikproduzent Patric Catani (auch bekannt als Candie Hank, Ill Till, Ec8or).

 

97. Dota & Die Stadt­piraten
Die Kleingeldprinzessin (2003)
Als die Singer-Songwriterin Dota Kehr noch Straßenmusik machte, veröffentlichte sie ihr Debüt, das mit „Alles Du“ und „Immer die Anderen“ schon heutige Dota-Klassiker enthält.

 

98. Jeans Team
Musik von oben (2004)
Im Umfeld der Galerie Berlintokio angesiedelt, standen Jeans Team für die Symbiose aus Indie und Elektro, Look und Leidenschaft. Und, ach ja, Ironie. Auf Patrick Wagners Label „Louis­villle Records“ erschienen.

 

99. Kissogram
The Secret Life Of Captain Ferber (2004)
Feist und Gonzales wirkten auf dem Debüt des von Jonas Poppe und Sebastian Dassé gegründeten Projekts mit, das sich zwischen arriviertem Elektro-Pop und Clubmusik bewegt.

Julia Lorenz – Redakteurin
Kissogram: „The Secret Life of Captain Ferber“
Schon klar, ich kam zu spät für die Berliner Aufbruchstimmung der Nullerjahre. Billige Mieten, die Bar25, das Label Kitty Yo und sein Nachfolger Louisville Records: Alles gerade vorbei, als ich 2010 nach Berlin zog. Und doch spürte ich den Nachhall. In der Musik von Kissogram lebt die Stimmung zwischen Aufregung, Laissez-faire und wunderbar sinnfreiem Hedonismus meiner early Berlindays für mich weiter. „The Secret Life of Captain Ferber“ ist zugleich angenehm weltläufig und der Stadt verpflichtet, nachlässig und zwingend, hart und smooth. Und sexy. Vor allem sexy.

 

100. Deine Lieblings Rapper
Dein Lieblings Album (2005)
Straight Outta Märkisches Viertel: Gangsta-Rap-Klassiker von Sido und Harris. Erschienen bei Aggro Berlin.

 

Lesen Sie weiter: 100 Berliner Platten – Teil 1 (1-25)

Lesen Sie weiter: 100 Berliner Platten – Teil 2 (26-50)

Lesen Sie weiter: 100 Berliner Platten – Teil 3 (51-75)

Haben wir Ihre Lieblingsplatte vergessen? Dann schreiben Sie uns an: online@tip-berlin.de

Eine Liste mit Berliner Plattenläden gibt es hier

 

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentare